FAZ.NET-Sprinter

Eine Woche, die es in sich hat

Von Sebastian Eder
 - 07:01

Es ist seit Tagen so heiß und gewittrig, dass man meinen könnte, wir wären schon in den Sommerferien – und im nachrichtlichen Sommerloch. Aber, keine Sorge, auf FAZ.NET wird es in den nächsten Tagen nicht um riesige Welse gehen, die angeblich Kinder und Dackel jagen.

Von einem Mangel an Nachrichten werden wir weit entfernt sein: In der Nacht von Montag auf Dienstag treffen sich – wenn es sich bis dahin niemand anders überlegt – zum ersten Mal überhaupt ein amtierender amerikanischer Präsident und ein Machthaber Nordkoreas. Kim Jong-un und Donald Trump wollen in Singapur über das nordkoreanische Atom- und Raketenprogramm verhandeln – und über die verhängten Sanktionen. Beide Staatsführer sind schon vor Ort, die letzten Vorbereitungen laufen. Warum der Nordkoreaner sich neuerdings freundlich, respektvoll und schüchtern präsentiert, beschreibt unsere Peking-Korrespondentin Friederike Böge.

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Dass Trump weiter auf die Madman-Theorie setzt, war in der Nacht auf Sonntag zu sehen, als er die G 7 in den Abgrund riss. F.A.Z.-Außenpolitik-Chef Klaus-Dieter Frankenberger schreibt: „Den Zustand des Westens kann man wirklich nicht schönreden.“ Sachen schönzureden ist zum Glück nicht unsere Aufgabe, sondern die von Pressestellen. Wie sehr diese auf die Kraft der Bilder setzen, war am Wochenende zu sehen: Zu dem ikonischen Foto der Bundesregierung, das eine starke Merkel in der Runde der mächtigsten Männer der Welt zeigt, gibt es italienische, französische, amerikanische, kanadische und japanische Äquivalente, die den jeweils eigenen Mann im besten Licht erstrahlen lassen. Das absurdeste Bild aus Kanada war aber jenes, das die fast zerquetschte Hand von Trump zeigte, nachdem sie Emmanuel Macron „geschüttelt“ hatte. Hoffen wir für Trump, dass Kim so einen sanften Händedruck hat wie Fußballer Julian Draxler.

Auch die Polizei Westhessen setzte am Wochenende auf starke Bilder: Auf Twitter veröffentlichte sie Fotos mit einem Fokuseffekt, den sonst gerne Influencer auf Instagram nutzen, um etwa ein neues Shampoo zu bewerben. Auf den Polizeifotos waren indes schwerbewaffnete, vermummte Sicherheitskräfte zu sehen, die den Mordverdächtigen im Fall Susanna aus einem Hubschrauber führten. Die Botschaft war nicht „Was für ein Shampoo!“, sondern: „Was für ein Rechtsstaat!“ Statt solcher Bilder würde man sich Antworten auf Fragen wünschen, die Alexander Haneke in seinem Kommentar stellt: „Warum nahm die Polizei das Flehen der Mutter nicht ernst? Warum ging sie Hinweisen zum Fundort der Leiche erst so spät ernsthaft nach?“ Vielleicht gibt es die ja im Laufe der Woche.

Und sonst: Erstmals seit 16 Monaten treffen sich die Außenminister Russlands, Deutschlands, Frankreichs und der Ukraine wieder im sogenannten Normandie-Format, um über den Ukraine-Konflikt zu sprechen. Daimler-Chef Dieter Zetsche kommt nach den Abgas-Vorwürfen mit Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer zusammen. Dem SPD-Vorstand werden die Ergebnisse einer Analyse zum Absturz der Partei bei der Bundestagswahl präsentiert. Und in Freiburg beginnt der Prozess gegen die Hauptbeschuldigten im Staufener Missbrauchsfall.

Die Nacht in Kürze

Auf dem G7-Gipfel war es noch Kanadas Ministerpräsident Trudeau, jetzt hat Donald Trump via Twitter den nächsten Partner ins Visier genommen: Deutschland.

Großbritanniens Austritt aus der EU rückt immer näher. Doch die Unternehmen haben weiter bemerkenswert großes Vertrauen. Die Investitionen steigen gar rapide. Auch Deutschland schneidet gut ab, hat aber ein Problem.

Zwischen Malta und Italien entbrennt ein Streit um den Umgang mit Flüchtlingen. Die Konsequenzen tragen 629 Migranten. Sie müssen seit Tagen an Bord eines Schiffes ausharren.

Quelle: FAZ.NET
Sebastian Eder
Redakteur im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET.
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