Deutscher Buchpreis 2013

Die Siegerin heißt Terézia Mora

Von Sandra Kegel
 - 17:23

Es ist nur ein feiner Strich, der in Terézia Moras Roman oben und unten, Innen und Außen, Leben und Tod voneinander trennt. Dass die Jury des Deutschen Buchpreises ihren Roman „Das Ungeheuer“, der das formale Wagnis eingeht, zwei Geschichten parallel zu erzählen, zum besten Roman des Jahres erklärt, ist eine gute Wahl.

Die 1971 im ungarischen Sopron geborene Schriftstellerin, die seit 1990 in Berlin lebt, betrat den Frankfurter Römer, in dem am Vorabend der Buchmesse der Buchpreis verliehen wird, als Favoritin.

In „Das Ungeheuer“ setzt Mora ihr erzählerisches Projekt um den IT-Spezialisten Darius Kopp fort. Der gescheiterte Lebenskünstler, der schon in „Der einzige Mann auf dem Kontinent“ im Mittelpunkt stand, hat sein Lebensglück verloren. Seine Frau Flora nahm sich das Leben. Krank vor Trauer, kann Kopp monatelang seine Wohnung nicht verlassen. Dann bricht er Richtung Ungarn auf, in Floras Heimat, mit kaum etwas dabei außer der Asche und dem Laptop der Verstorbenen. Das ist der Moment, auf Seite 83, an dem sich die Einheit der Erzählung in zwei Stränge auflöst.

Die obere Hälte jeder Buchseite erzählt von Kopps Reise, die untere gibt Floras Notate wieder. Die Reise führt Kopp bis nach Armenien und in die Tiefen von Floras Laptop, in dessen Dateien er danach forscht, wer die Frau war, die er geliebt hat, wer er selbst war, der diese Liebe zelebrierte, und was es mit dieser Liebe zweier Menschen auf sich hatte, die sich in vielem offenbar so fremd waren.

Quelle: F.A.Z.
Sandra Kegel - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.
Sandra Kegel
Redakteurin im Feuilleton.
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