FAZ plus ArtikelSchirrmacher-Biografie

Mythos und Alltag

Von Michael Angele
 - 06:54

Unsere Postkutsche ist das Telegramm. Schirrmacher hat ja noch Telegramme geschrieben, war mein erster Gedanke, als ich einen Umschlag öffnete, den mir das Amsterdamer Literaturmuseum geschickt hatte. Er enthielt Kopien der Korrespondenz des zwanzigjährigen Studenten Schirrmacher mit Wolfgang Frommel, einem Anhänger des Dichters Stefan George. Briefe, Postkarten und eben auch Telegramme. Telegramme waren die ersten Medien, mit denen Frank Schirrmacher dramatische Effekte erzeugen konnte. Dem exzessiven, langsamen Brief folgte das schnelle, kurze Telegramm. Der großen Erwartung, die er mit einem Besuch beim bewunderten Gegenüber verband, ging die atemlose Verkündigung dieses Besuchs voran.

Als ich nun anfing, die Briefe zu lesen, fühlte ich mich nicht einfach ins Jahr 1980 zurückversetzt, ein Jahr, in dem, sagen wir, die Sowjetunion eben erst in Afghanistan einmarschiert war und die Sommerzeit wieder eingeführt wurde. Nein, ich war in eine restlos untergegangene Welt eingetaucht. In eine Welt, in der die Gedanken und Gefühle tief im Innern verschlossen waren, in der die Rede von einem Bund ist, von der Kraft des großen, währenden Augenblicks und großer, glückerfüllter Freundschaft, die den Wendepunkt in seinem Leben markiere.

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Dies ist ein Vorabdruck aus Michael Angeles an diesem Freitag erscheinenden Buch „Schirrmacher. Ein Portrait“ (Aufbau Verlag, Berlin 2018. 222 S., geb., 20 Euro)

Quelle: F.A.Z.
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