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Deutscher Buchpreis 2016

Fünf Mal Fischer auf der Buchpreis-Longlist

Von Andreas Platthaus
 - 10:48
Die Jury des Deutschen Buchpreises: Sabine Vogel („Berliner Zeitung“), Christoph Schröder (freier Kritiker), Lena Bopp (Frankfurter Allgemeine Zeitung), Susanne Jäggi (Librium Bücher, Baden), Thomas Andre („Hamburger Abendblatt“), Berthold Franke (Goethe-Institut Prag), und Najem Wali (Autor und Kritiker, Berlin) Bild: Claus Setzer, FAZ.NET

Die großen Überraschungen auf der Longlist für den Deutschen Buchpreis halten sich in Grenzen. Was dagegen überrascht ist, wer darauf fehlt. Christian Kracht etwa und Martin Mosebach, die beide mit neuen Büchern in den Herbst gehen. Auch Guntram Vesper ist unberücksichtigt geblieben. Mit seinem Großwerk „Frohburg“ gewann er im Frühjahr zwar schon den Preis der Leipziger Buchmesse, aber das hatte frühere Jurys bei vergleichbaren Fällen nicht gehindert, zumindest eine Doppelvergabe denkbar zu machen (die es dann allerdings nie gegeben hat).

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Die zwanzig Nominierten für den mit 25.000 Euro für den Gewinner und jeweils 2500 Euro für die weiteren fünf Kandidaten, die im September für die Shortlist ausgewählt werden, dotierten Preis sind alphabetisch Akos Doma („Der Weg der Wünsche“),Gerhard Falkner („Apollokalypse“), Ernst Wilhelm Händler (München“), Reinhard Kaiser-Mühlecker („Fremde Seele, dunkler Wald“), Bodo Kirchhoff („Widerfahrnis“), André Kubiczek („Skizze eines Sommers“), Michael Kumpfmüller („Die Erziehung des Mannes“), Katja Lange-Müller („Drehtür“), Dagmar Leupold („Die Witwen“), Sibylle Lewitscharoff („Das Pfingstwunder“), Thomas Melle („Doe Welt im Rücken“), Joachim Meyerhoff („Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke“), Hans Platzgumer („Am Rand“), Eva Schmidt („Ein langes Jahr“), Arnold Stadler („Rauschzeit“), Peter Stamm („Weit über das Land“), Michelle Steinbeck („Mein Vater war ein Mann am Land und im Wasser, ein Walfisch“), Thomas von Steinaecker („Die Verteidigung des Paradieses“), Anne Weidenholzer („Weshalb die Herren Seesternetragen“) und Phillip Winkler („Hool“).

Letztere Nominierung freut besonders, denn „Hool“ ist ein grandioser Roman, der aus der Hannoveraner Hooligan-Szene erzählt. Auch dass Bodo Kirchhoff mit seinem als Novelle ausgewiesenen Buch den eigentlich für Romane reservierten Preis gewinnen kann, ist angemessen. Mit Sibylle Lewitscharoff, Arnold Stadler und Ernst Wilhelm Händler sind alte Bekannte vertreten, deren nominierte Bücher noch ausstehen. Aber dennoch überrascht die große Zahl an Frühlingstiteln. Mit Joachim Meyerhoffs „Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke“ ist sogar – völlig verdient - ein Buch aus dem Vorjahr dabei, das jedoch erst nach Vergabe des letztjährigen Preises erschienen ist.

Gleich fünf Mal ist S. Fischer vertreten, drei Mal Kiepenheuer & Witsch, nur einmal Suhrkamp, Hanser gar nicht. Der Dauerbrenner beim Buchpreis, Jung und Jung, hat wieder zwei Titel auf der Longlist plaziert, genau wie Rowohlt Berlin, erstmals dabei ist der Lenos Verlag. Die Kleineren haben also trotz der Fischer-Dominanz ihren Platz gefunden. Das ist ein gutes Zeichen.

Quelle: FAZ.NET
Andreas Platthaus
Verantwortlicher Redakteur für Literatur und literarisches Leben.
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