FAZ plus ArtikelGespräch mit Cecilia Bartoli

Er war meine erste Liebe, und ich blieb ihm treu

Von Jürgen Kesting
 - 06:21

Es ist wohl auf den Einfluss Carl Maria von Webers und Richard Wagners zurückzuführen, dass Gioachino Rossini als „Mozart für die Armen im Geiste“ gescholten wurde. Beide Komponisten haben ihn als „Verfertiger amüsanter Gaukeleien“ oder „Luzifer der Musik“ bezeichnet. Was empfinden Sie, Frau Bartoli, als Interpretin – und als Italienerin – bei solchen Herabsetzungen?

Wagner wurde geboren, als Rossini auf dem Höhepunkt seiner Karriere war. Wagner entwarf völlig neue ästhetische Konzepte für seine Musikdramen und stand der Musik Rossinis sehr kritisch gegenüber. Als er aber Rossini traf – sie sind sich nur einmal begegnet, 1860 in Paris –, machte Rossini einen tiefen Eindruck auf ihn, ohne dass einer ein wirkliches Verständnis für die Musik des anderen entwickelt hätte. Ich denke, dass die grundsätzlichen Vorstellungen sowohl von der Lebensform als auch von der Art und Weise des Komponierens grundverschieden waren, dies in einem Maße, dass sie einander nicht verstehen konnten. Die Erfolge Rossinis, die ökonomischen wie in der Gunst des Publikums, mögen bei Wagner auch zu Anflügen von Eifersucht geführt haben. Und mag Wagner das Genre durch seine Musikdramen verändert haben, so ändert das nichts am Rang Rossinis als Opernkomponist.

Testen Sie unsere Angebote.
Jetzt weiterlesen

Testen Sie unsere Angebote.
F.A.Z. PLUS:

FAZ.NET komplett

: Beta

F.A.Z. Digital

F.A.Z. Premium

Diesen und viele weitere Artikel lesen Sie exklusiv mit F+

Quelle: F.A.Z.
  Zur Startseite
Ähnliche ThemenRichard WagnerSalzburg