„Wie du mir, so ich dir“

Erotische Tour de force

Von Claudia Schülke
 - 06:30

Stefan Schneider hat seine erste Frankfurter Regiearbeit vorgestellt, und sie ist ihm gelungen. Die fast schon klassische englische Komödie „Fringe Benefits“ (1977) von Peter Yeldham und Donald Churchill, die in der deutschen Übersetzung von Nina Adler und Ursula Lyn den Titel „Wie du mir, so ich dir“ trägt, war eine Herausforderung für den begnadeten Komiker in Claus Helmers Diensten. In der Frankfurter „Komödie“ feierten die Zuschauer das Ensemble samt Regisseur nach dieser erotischen Tour de force mit großem Applaus. Auch Bühnenbildner Tom Grasshof trug das Seine zum Erfolg bei: Er hatte auf der Bühne drei Spielflächen ausgestattet: eine Terrasse mit Klinkermauer links hinten, ein Wohnzimmer mit einem Sofa in englischem Blumendekor vorn und eine Galerie dahinter mit diversen Türen.

Diese Wohnung hat zwei Eingänge, und die braucht sie auch. Denn hier wollen sich zwei Ehemänner und zwei Ehefrauen hinter dem Rücken ihres jeweiligen Partners von der Ehe erholen. Eigentlich sind hier Jennifer und Colin zu Hause. Seit Jahren verbringen sie ihren Urlaub mit Brenda und Jim in Spanien. Wie langweilig. Um die eheliche Routine endlich zu unterbrechen, verabreden sich diesmal die beiden Männer und Frauen jeweils zu einem Abenteuer daheim.

Brendas Extravaganzen

Jim hat schon zwei flotte Damen aus Colins Firma organisiert, Brenda den Exfreund ihrer Tochter eingeladen. Der anständige Colin muss aber erst überredet werden, und Jennifer ist geradezu empört über Brendas Extravaganzen mit einem Studenten. Unter Vorspiegelung falscher Tatsachen brechen die Männer zum Angeln nach Schottland auf, die Frauen zum Bummeln nach Paris.

Als Brenda und Jennifer vom Flughafen zurückkehren, ist die Orgie der vermeintlichen Strohwitwer schon in vollem Gange. Vorübergehend ist die Komödie in Gefahr, in die Klamotte abzukippen. Haarscharf umschifft der Regisseur diese Klippe. Kaum haben sich Jim und Colin aus dem Chaos gerettet, da schmieden sie auch schon neue Pläne. Aber sie haben Jennifer unterschätzt. Die sich selbst offenbar auch. Denn als Brendas Student über die Brandmauer klettert, erhält die zurückgebliebene Hausherrin unter ihrer Gesichtsmaske ganz unerwartet eine Lektion erteilt. Christine Richter beweist, dass sie mehr kann als nur Boulevard. Überhaupt ist ihre Jennifer der Ruhe- und Angelpunkt der Komödie. Aber auch Stephan Schleberger als skrupulöser Colin beherrscht die leiseren Töne. Gemeinsam bescheren sie dem Publikum ein berührendes Finale.

Als robuster Kontrast treten Dirk Waanders und Stephanie Theiß auf: er als notorischer Schürzenjäger Jim, sie als überkandidelte Brenda, die sich auch außerhalb ihrer Ehe allerlei gönnen. Sie können einem ganz schön auf die Nerven gehen mit ihrem dynamischen Furor. Man wundert sich, wie es diese beiden Paare jahrelang im Urlaub miteinander aushalten konnten. Auch die beiden Partygirls sind auf Kontrast gebürstet: Carolin Freund als vulgäre Doreen und Deborah Müller als emotionale Fiona. Als sensibler, aber durchtriebener Richard macht Benjamin Martins das Beste aus seiner Studentenrolle: als Zünglein an der Waage, das sogar Jennifer aus dem Gleichgewicht bringt. Mehr wird hier nicht verraten, sondern die Empfehlung ausgesprochen: Hingehen!

Quelle: F.A.Z.
Claudia Schülke
Feste freie Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.
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