FAZ plus ArtikelBerliner Stadtentwicklung

Zum Lachen in den Keller gehen

Von Niklas Maak
 - 20:44
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Wenn es stimmt, dass jede Stadt eine große Bühne ist, dann sollte man sich, bevor man sich mit dem geplanten Abriss von zweien der bekanntesten Privattheater Deutschlands befasst, das Stück anschauen, das gerade vor ihrer Tür, auf dem Berliner Kurfürstendamm und in seinen Nebenstraßen, stattfindet. Dieses Stück heißt: Das Verschwinden der nivellierten Mittelstandsgesellschaft.

Nirgendwo ist der soziale Wandel der Innenstädte so zu spüren wie hier. Wo erst ein Gemüseladen war, ist ein Feinkostgeschäft mit dem Namen „Imperial Caviar“ eingezogen, ein paar Kreuzungen weiter glänzen die Schaufenster von Gucci, Prada und Hermès, und wo früher der Wilmersdorfer Mittelständler seinen Audi 100 parkte, stehen heute mattfolierte Lamborghinis neben AMG-Coupés mit russischen Kennzeichen. Man muss das alles gar nicht beklagen, eine lebendige Stadt verträgt und braucht Exhibitionismus, Kommerz, Luxus – ein Problem entsteht nur dann, wenn alles andere von übereifrigen Profitmaximierern eliminiert wird – die alten Läden wie das Eisenwarengeschäft „Schrauben-Adolph“ am Savignyplatz, das sich zum Glück noch hält, die billigen Asia-Shops, das Übriggebliebene. Der Reiz des Ku’damms und seiner angrenzenden Wohnstraßen liegt, gerade im Vergleich zur bloß bei Touristen und beschlipsten Mittagspäuslern beliebten Friedrichstraße, darin, dass er beides ist, billig und edel, teuer-prollig und dezent-großbürgerlich, neureich und altklug, schrottig und elegant, kühl und sehr belebt.

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Quelle: F.A.Z.
Niklas Maak
Redakteur im Feuilleton.
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