FAZ plus ArtikelChristian Kracht in Frankfurt

Sie nannten ihn Heidi

Von Jan Wiele
 - 19:03

Man kann die erste Poetikvorlesung Christian Krachts mit Bob Dylans Nobelpreisrede vergleichen: ungläubiges Staunen beim ersten Hören, Rätseln darüber, ob das alles ernst gemeint ist, und dann bald die Erkenntnis, dass man es mit einem hochambivalenten, selbst literarischen Text zu tun hat, der lauter Untiefen birgt, mit dem Rezipienten spielt.

So beginnt Kracht, der als einer von wenigen deutschen Literaten noch immer Popstar-Status hat, im vollbesetzten Hörsaal an der Frankfurter Universität mit einer Geste des Sichentziehens, des Dylanschen „It Ain’t Me, Babe“: indem er sich von dem seit Wochen plakatierten und nun groß hinter ihm an die Wand projizierten Autorenfoto distanziert, das er als „knausgårdesk“ bezeichnet. Und darunter steht wie ein verschüchterter Schuljunge, eingemummelt in Jacke und Schal, der sagt, er habe Angst vor der Vorlesung, Angst vor der Rolle des Schriftstellers.

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Quelle: F.A.Z.
Jan Wiele
Redakteur im Feuilleton.
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