Die Ossifizierung des Westens

Deutsche deprimierende Republik

Von Maxim Biller
 - 08:55

Nie werden wir wissen, wie das Deutschland der Westdeutschen ohne das große, kalte Jahr 1989 geworden wäre. Wir wissen aber, wie es ist. Es ist, von damals aus betrachtet, ein Land, in dem es die seltsamsten Dinge gibt. Zum Beispiel die respektierte Moderatorin Maybrit Illner, früher SED, heute ZDF, die sagt: „Ich bin Exilantin eines Landes, das nicht mehr existiert.“ Es gibt die erfolgreichen Volksbühnen-Inszenierungen von Frank Castorf, deren verrätselter, sinnfreier Kassiberstil aus der Zeit stammt, als Castorf DDR-Regisseur in Anklam war und nur dann Theater machen konnte, wenn der Zensor, und mit ihm das Publikum, nichts verstand.

Es gibt alle paar Wochen eine Folge „Polizeiruf 110“, noch bedrückender und biederer als jeder „Tatort“, von der SED Anfang der Siebziger in Auftrag gegeben, um die Westkrimisucht der Ostdeutschen zu heilen. Und es gibt eine ewig zögernde, ängstliche, immer nur auf die Schwächen ihrer Feinde und Freunde lauernde Kanzlerin, die in den alten DDR-Angsttagen FDJ-Sekretärin für Propaganda und Agitation war und heute sagt: „Es ist eine Illusion zu glauben, dass die Bevölkerung sich eine moralisch erhabene politische Klasse wünscht, die völlig anders als sie selbst ist.“

Mehr Osten für den Westen

Wenn Angela Merkel damit recht hat, dann hat sich bei uns seit dem großen, kalten Jahr 1989 etwas geändert. Früher, als „wir“ und „sie“ noch in getrennten Staaten lebten, erwarteten wir Westdeutschen sehr viel von den Politikern – und wann immer wir von deren Lügen, Machtsucht und Durchschnittlichkeit enttäuscht wurden, versuchten wir, unsere Wut auf sie in langwierigen Politikverdrossenheitsdebatten wegzudiskutieren.

„Sie“, die Ostdeutschen, waren aber schon immer der Meinung, dass alle Politiker Gangster sind und bleiben, und da sie seit 1933 nur von Leuten wie Hitler, Dönitz, Ulbricht und Honecker regiert wurden, kann man das fast verstehen. Was man nicht verstehen kann, ist die tatsächlich ziemlich gangstermäßige Lässigkeit, mit der unsere Politiker seit 1989 dafür gesorgt haben, dass der Osten Osten bleiben und unsere einst so libertäre, offene, unnationalistische Gesellschaft mit seiner Osthaftigkeit vergiften durfte.

Amnesie und Amnestie

Das neueste deutsche Malheur fing damit an, dass die Revolution von 1989 keine war. Die Gegner des Westens und der Demokratie, die SED-Ober-, Mittel- und Unter-Chefs, die Staatssicherheits-Berijas und ihre willigen Helfer landeten, bis auf lächerlich wenige Ausnahmen, nicht vor Richtern und in Gefängnissen. Stattdessen saßen sie mit Schäubles grauen Aktentaschenmännern, den wahren Gestaltern der deutschen Einigung, an runden Tischen, und einer von ihnen, der unsaubere Herr Modrow, blieb bis 1990 Ministerpräsident der DDR. Ein anderer wurde Landesvater von Brandenburg und später einer von Schröders Ministern. So kamen das Gift, die Lüge, die Heuchelei und die Linkspartei in die deutsche Politik, und wer sagt, man muss die Sache pragmatisch sehen, ist nicht pragmatisch genug. Denn Menschen, die Einfluss haben, hinterlassen Spuren – in Akten, in Gesetzentwürfen, in den Köpfen und Handlungen anderer Menschen.

Es müssen natürlich nicht immer nur die Postbolschewiken sein. Helmut Kohl, der Second-Hand-Bismarck, hatte nichts dagegen, dass die Mitglieder der SED-gesteuerten Ost-CDU die West-CDU verstärkten und ihm die schnelle Macht im Osten sicherten. Darum wiederholte er jahrelang, ohne auf die stilbildenden Folgen seiner Sätze zu achten, er sei, wäre er in der DDR aufgewachsen, genauso ein Mitläufer und Mitmacher geworden. Und genau deshalb wollte er alle, wirklich alle Stasi-Akten vernichten lassen, was nur nicht gelang, weil ein paar lang- und grauhaarige Ex-Dissidenten im richtigen CNN-Moment die Stasi-Zentrale besetzten, und sie zu verjagen, wäre schon sehr SED gewesen. Und noch 1994 bereute er, vom allgemeinen Amnesie- und Amnestierausch ergriffen, dass den alten NVA-Soldaten ihre Dienstgrade aberkannt wurden.

Wunsch nach dem Schlussstrich

Helmut Kohls Mitläufer- und Verzeihmelodie verfolgt mich seit fast zwanzig Jahren – und die Frage, was sie mit Leuten macht, die sie hören. Sie singen sie mit. Als Rudolf Scharping, der Second-Hand-Kohl, 1994 versuchte, Bundeskanzler zu werden, sagte er, er wisse absolut nicht, wie er sich in der DDR verhalten hätte, kurzum, er wäre wohl auch ein schweigender, duldender, privatisierender Hasenfuß geworden. Egon Bahr – der liebe Ostverträge-Bahr – verlangte gleich einen großen, dicken, schwarzen Schluss-Strich, „wie in Spanien nach der Franco-Diktatur“, und den haben er und das neue Deutschland spätestens 2006 bekommen, als mit jedem Sieg der deutschen Mannschaft während der Fußball-WM die Erinnerung an jeden SED-Gesetzesbruch und jede Stasi-Daumenschraube vom Tsunami eines nationalen Orgasmus weggeschwemmt wurde.

Das alles wiederum machte der stalinhaft-klammheimlichen Kohl-Killerin Merkel Mut, und sie erklärte plötzlich immer öfter, immer lauter, immer schamloser: „Ich war keine Heldin. Ich habe mich angepasst.“ In einer Rezension von Jana Hensels Buch „Zonenkinder“, der traurigen Geschichte der lustigen Ostdeutschen im neuesten Deutschland, ging Angela Merkel sogar noch weiter. Sie machte aus ihrer Vergangenheit ihre und unsere Gegenwart. Sie schrieb, die stilbildenden Folgen dieses Satzes genau einkalkulierend, sie „halte die Regeln, die sich die Zonenkinder auferlegten, für absolut praktikabel: Nichts sagen, Mund halten, alles andere führt zu Chaos.“ Eine solche Extrem-Untertanin darf jetzt also das Drehbuch von sechzig Millionen westdeutschen Leben umschreiben.

Helden und Mitläufer

Mitläufertum und Vergesslichkeit stecken an, gerade in Deutschland, gerade im neuen Deutschland. Damit meine ich nicht nur, dass es nie eine ostdeutsche Vergangenheitsbewältigungsdebatte gab, in ihrer Radikalität vergleichbar mit der Aufräumaktion, die die West-68er unter ihren Nazieltern veranstalteten – aber auch. Scham, Hass, Wut auf das gute alte Untertanenspiel? Nein, eher das Gegenteil. Plötzlich singen sie alle Kohls Lied, Ost- und Westdeutsche, immer lauter und immer fröhlicher, und sie sind dabei so stolz wie polnische Solidarno-Veteranen und israelische Hagana-Kämpfer.

Florian Henckel von Donnersmarck, der Regisseur von „Das Leben der anderen“, dieser süßlichen Story eines lieben Stasi-Mannes, bewundert den Idealismus der Stasi-Profis und kann sich „gut vorstellen“, dass er ebenfalls einer geworden wäre. Auch Bernd Runge, länger als zehn Jahre der Gordon Gecko von Condé Nast Deutschland und vorher ostdeutscher Karrierejournalist, lobt die Vertreter der Staatssicherheit, die ihn als Mitarbeiter anwarben, als „gereifte, kluge Männer“, und meint, er könne sich nach wie vor „im Spiegel ohne große Gewissensbisse anschauen“ – wahrscheinlich deshalb, weil von den seit 1989 lediglich 234 Stasi-Angeklagten nur ein einziger in den Knast musste.

Und Uwe Tellkamp, alles andere als ein Stasi-Sympathisant, dessen viel zu langer Roman „Der Turm“ davon handelt, wie die Überreste des wilhelminischen Bildungsbürgertums in der DDR so taten, als gebe es Goethe, Stützkorsette für Männer und den Kaiser noch, wofür es dann natürlich sofort den Deutschen Buchpreis gab – Tellkamp summt zuerst in einem Interview mit einer Westzeitung Kohls und Runges Melodie mit: „Wer weiß, wie wir gewesen wären . . .“ Und als er dann von einer Ost-Zeitung gefragt wird, wie viel Opportunismus er seinem Sohn empfehlen werde, flüstert er den sowjetzonalen Refrain: „Druck ist manchmal nötig und das Setzen von Grenzen auch.“

Opportunismus und Nationalismus

Warum, Mama, erinnert mich das alles immerzu an das Gerede und Geraune der Halb-, Ganz- und Fast-Nazis eine Stunde nach der Stunde null? Warum, Papa, sind wir nicht 1968 nach dem Einmarsch der Russen in Prag nach Amerika emigriert? Weil die Bonner Republik damals das so ziemlich coolste, freieste Land der Welt war, Sohn.

Was ist in Ur-Deutschland genauso ansteckend wie Opportunismus? Übersteigerter, komplexbeladener, unrepublikanischer Nationalismus, genau. Zur Erinnerung: Bei den Leipziger Montagsdemonstrationen im Herbst 1989 skandierten die Demonstranten monatelang: „Wir sind das Volk!“ Damit wollten sie sagen, dass sie und nicht mehr die SED-Bosse bestimmen sollten, wie das Leben zu sein habe. Kaum waren die SED-Bosse von diesem Satz überzeugt, so überzeugt, dass sie nach Jahrzehnten das Gefängnis DDR aufsperrten, brüllten die Leipziger: „Wir sind ein Volk!“ Und was wollten sie damit sagen? Dass sie „unser“ Geld, „unsere“ Freiheit, „unsere“ Bücher wollten – aber sie wollten sie zu „ihren“ chauvinistischen Bedingungen, Stichwort: fünfzig Jahre Hitler-Nationalismus und Honecker-Preußentum.

Sie haben dann alles gekriegt, alles was sie wollten, weil unsere Bosse ihnen das aus machiavellistischer Berechnung zustanden und wir sie bei diesem durchsichtigen Wählerstimmen-Monopoly nicht aufhielten, also das Geld, die Bücher und ein Deutschland, das gar nicht mehr cool ist. Und das im Zentrum seiner neuen Hauptstadt das Hohenzollernhorrorschloss originalgetreu nachbauen wird, die steingewordene Peitsche, mit der deutsche Aristokraten und Offiziere einst ihre Pferde und Untertanen auspeitschten. Warum nicht gleich Albert Speers Germaniakuppel mit einer überlebensgroßen Statue von Rosa Luxemburg davor?

Holocaust-Rap

Das Vierte Reich ist es natürlich nicht geworden. Aber es ist ein Land, in dem ein SPD-Vorsitzender amerikanische Banker mit Heuschrecken gleichsetzt, wie einst die NS-Propaganda Juden mit Ratten, ohne dass er geteert und gefedert wird. Intellektuelle, Halb-Intellektuelle und Wir-sind-ein-Volk-Normalos erklären Gaza zum neuen Auschwitz, und kein Staatsanwalt jagt sie wegen Volksverhetzung. Der ehemalige Sozialdemokrat Grass macht aus seiner ewig verschwiegenen Waffen-SS-Mitgliedschaft eine merkelhafte Ich-musste-mitmachen-Opfernummer, der ewige Antisemit Thomas Mann ist der neue Goethe, vergessen sind die tollen, klugen, idealistischen Geschwister Scholl.

Die neuen deutschen Helden sind jetzt die Aristokraten-Nazis vom 20. Juli, denen Hitler nicht rechts genug war. Dass die Berliner Nomenklatura gleichzeitig mit dummem, leerem Agitprop Geschichtskult betreibt, macht die Sache nicht besser, sondern schlechter: Die Jungen hören bei diesem SED-mäßig ritualisierten Holocaust-Rap schon lange nicht mehr zu. Sie haben eigene Lieder. In denen kommen oft Deutsche sehr gut und Türken und Juden sehr schlecht weg.

Ständig jammern

Nein, man kann nicht alles, was heute an Deutschland nervt, auf den lähmenden Einfluss der xenophoben, deutschnationalen, provinziellen, für immer bolschewisierten Duckmäuserossis zurückführen. Aber vieles, sehr vieles. Dass inzwischen bei uns wieder der Kapitalismus nicht das kluge Gesicht von Karl Schiller trägt, sondern die Fratze des Yankees mit der großen jüdischen Nase, ist auf die Propaganda einer einzigen Partei zurückzuführen, die sich Die Linke nennt. Davor hieß sie übrigens PDS, davor SED, davor KPD, und die wollte die echten Lenin-Bolschewiken in Deutschland an die Macht bringen.

Der aktuelle Chef-Linke Lafontaine war übrigens in nicht ganz wiedervereinigten Zeiten SPD-Kanzlerkandidat und kämpfte bis zur Erschöpfung gegen die Wiedervereinigung und die damit verbundene wirtschaftliche und moralische Ossifizierung Westdeutschlands. Heute findet er, dass die anderen Parteien „Menschenrechtsfragen wichtigtuerisch instrumentalisieren“, und „im Zentrum der Sozialismusdebatte“ stehen für ihn „Machtkontrolle und Steigerung der Produktivität“. So redet nur einer, der kein Gehirn mehr zum Denken hat. Oder der vom Ossivampir gebissen wurde.

Dank der treuen Kommunistin

Wer wurde noch von ihm gebissen? Die so ahnungslosen wie reichen Kunstsammler aus München und Düsseldorf, die Hunderttausende von Euro für den sozialistischen Realismus der Neuen Leipziger Schule ausgeben, deren humorlose deutsche Kälte Oskar Kokoschkas Hand für immer gefrieren ließe. Die Kultusminister Berlins und Brandenburgs, die an ihren Grundschulen ein Hassfach erlauben, das Lebenskunde heißt und vom Humanistischen Verband Deutschlands betrieben wird, einer Organisation, deren antireligiöser, promarxistischer Reflex damit zu tun hat, dass viele ihrer Mitglieder [...] waren und tief drin noch sind. Gebissen wurden die eleganten Alleswisser von Berlin-Mitte, die sich in ihren kühl renovierten Wohnungen an der Karl-Marx-Allee der menschenverkleinernden Ästhetik des Architekturstalinismus hingeben.

Und einen besonders tiefen Biss bekamen die Moderatoren von Radio 1 ab, die neulich ihre Hörer fragten, wie die schwarze amerikanische Ehrenbürgerin von Magdeburg heiße, die im bösen Amerika wegen ihrer Kommunismustreue ins Gefängnis musste. Dann bedankte sich auch schon Angela Davis im O-Ton bei der Jugend der DDR, dann sangen irgendwelche FDJ-Spatzen einen Pro-Angela-Davis-Gitarren-Lagerfeuerdreck, und dann kam „Divine“ von Sébastien Tellier.

Verschwinden des Individuums

„In Ost und West gibt es eine neue Mentalität bis weit in die Mittelschicht hinein, dass man staatliche Leistungen mitnimmt, wo man sie kriegen kann.“ Das sagt der Ex-Kanzler Gerhard Schröder, und er, der Aufsteiger aus der untersten sozialen Schicht, weiß, dass es früher bei „uns“ nicht so war. Ist das Allesnehmen und Ständigjammern aber schon der übelste Aspekt der Ossifizierung? Noch unappetitlicher und folgenreicher ist das langsame, alles vergiftende Verschwinden des Ich, des Individuums und seiner Schönheit aus dem gesellschaftlichen Diskurs.

Der Einzelne, der in Deutschland nie besonders viel zählte, aber in der coolen BRD noch am meisten, was die zu jenem einmaligen deutschen Staat in der langen Geschichte der deutschen Staaten machte, zählt fast nichts mehr. Gut gehen soll es nur noch der Gemeinschaft, die in der DDR Kollektiv hieß, diesem grauen, amorphen Konstrukt, das von der Obrigkeit besonders einfach gesteuert werden kann. Wer er selbst ist und bleiben will, wer in einer Partei, einem Verlag, einer Bank eine eigene Idee entwickeln und verfolgen will, wer nicht jeden Tag mit den Kollegen zum Mittagessen geht, wer in seinen Leitartikeln grundsätzlich die Welt der anderen in Frage stellt, wer nicht für das Sparen von Energie, für Urlaub in Thailand und für die deutsche Fußball-, Handball- und Eishockeymannschaft ist, gehört nicht dazu, der steht außerhalb, der wird nicht angehört, der bekommt Depressionen oder Fernweh.

Und wer mir das nicht glaubt, soll einfach mal wieder aufmerksamer ins Zeugnis seines Kindes schauen. Dort steht in der Rubrik Betragen, was dort lange nicht mehr stand: Ob sein Kind gut oder schlecht in der Gemeinschaft funktioniert, ob es sich anständig anpasst, ob sein Verhalten gut für den Rest der Truppe ist, und nicht, ob es klug oder witzig oder eine Nervensäge oder was auch immer ist. „Du glaubst wohl, du bist was Besseres!“ Dieses protestantische, preußische, sozialistische Unterdrückungsmotto ist das neue, alte Leitmotiv der ganzdeutschen Pädagogen geworden. Wo kommt es her? Wieso haben „wir“ Westdeutschen es vor ’89 nie gehört? Und was für Erwachsene werden aus Kindern gemacht, die sich das ständig anhören müssen? Solche, denen man sagen kann, was sie tun sollen – und sie tun es.

Wieder okay werden

Als im Mai 1991 Jürgen Habermas in einem großen, klugen, traurigen „Zeit“-Essay den sechzig Millionen Westdeutschen zu erklären versuchte, warum sie wissen sollten, was mit ihnen passieren wird, wenn sie sich auf siebzehn Millionen Ostdeutsche und deren Ideen, Taten, Erinnerungen, Lebenstechniken einlassen, als er sie vor all dem warnte, was ich gerade zu beschreiben versuchte, wurde er ausgelacht und beschimpft. Inzwischen wird ein aufgeklärter Republikaner wie Habermas nicht einmal mehr gehasst, er ist so vergessen wie alle Jahrgänge des „Kursbuchs“, und die, deren Ikone er lange war, beten jetzt George, Heidegger, Jünger oder schon wieder Marx an.

Im Mai 1991 schrieb der verschwundene, wie von einer nationalbolschewistischen Todesschwadron entführte Habermas unter anderem: „Die politische Kultur besteht aus einem verletzbaren Geflecht von Mentalitäten und Überzeugungen, die nicht durch administrative Maßnahmen erzeugt oder auch nur gesteuert werden können.“ Und: „Das Selbstverständnis, das politische Selbstbewusstsein einer Nation von Staatsbürgern bildet sich nur im Medium öffentlicher Kommunikation.“ Er hatte vollkommen recht.

Zeit, die Kommunikation wieder so zu bestimmen, dass aus den verosteten Wessis die vernünftigen, unnationalistischen Leute werden, die sie mal waren. Und wenn „wir“ dann wieder okay sind, machen wir „sie“, die Ossis, bestimmt auch zu besseren Menschen. Denn sie selbst schaffen es aus eigener Kraft nicht. Oder kann sich hier wirklich jemand ein ostdeutsches ’68 vorstellen?

Quelle: F.A.Z.
  Zur Startseite
Ähnliche ThemenAngela MerkelEgon BahrFrank CastorfHelmut KohlMaybrit IllnerRudolf ScharpingUwe TellkampAmerikaBerlin-MitteBrandenburgBRDDDRDeutschlandSpanienCDUCNNDie LinkeSEDSPDStaatssicherheitZDF