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Umstrittene Ausstellung

Terroristen als Märtyrer?

Von Von Matthias Hannemann
 - 19:04
Im Februar gedachten in Kopenhagen hunderte Menschen der Terroropfer, die bei einem Anschlag auf die Synagoge und das Kulturhaus „Krudttonden“ ums Leben kamen. Jetzt will eine Ausstellung die Täter als „Märtyrer“ zeigen. Bild: dpa, FAZ.NET

Ob das jemand braucht? Eine „Märtyrer“-Ausstellung, die sich mit islamistischen Terroristen befasst? Die Täter, die Verantwortung für den Tod vieler Menschen tragen, in ihrem Selbstbild präsentiert? So plant es jedenfalls Christian Lollike in Kopenhagen – derselbe Mann, der 2012 schon das Manifest des norwegischen Rechtsterroristen Anders Behring Breivik inszeniert hat. Gemeinsam mit dem Künstlerkollektiv „The other eye of the tiger“ will Lollikes Theater „Sort/Hvid“ untersuchen, „weshalb einige Menschen für das, woran sie glauben, in den Tod gehen“.

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Das „Märtyrer-Museum“ werde mit Bildern, Installationen, reproduzierten „authentische Gegenständen“ und „Helden-Erzählungen“ zu einer Auseinandersetzung mit den Motiven von „Märtyrern“ anregen, heißt es in der Projektankündigung. Oder wie Ida Grarup Nielsen, eine der beteiligten Künstlerinnen, es sagt: „In die Twin Towers zu fliegen, auf Menschen im Bataclan zu schießen oder sich in Brüssel selbst in die Luft zu sprengen macht man nur im Glauben an eine bessere Welt“. Sie unterstreicht, wir seien alle „die Helden unserer eigenen Geschichte“.

Mörder als „Helden ihrer eigenen Geschichte“?

Die Empörung folgt der Provokation auf dem Fuße. Kulturminister Bertel Haarder etwa hält das „Märtyrer-Museum“ für „wahnwitzig“, schon weil die Ausstellung Terroristen in einem Schwung mit historischen Gestalten wie Rosa Luxemburg oder auch Sokrates zu präsentieren gedenkt. Die Theologin Katrine Winkel Holm, die 2006 ein „Islamkritisches Netzwerk“ gründete und einer Gesellschaft für Presse- und Meinungsfreiheit vorsitzt, warnt vor der Verherrlichung von Terroristen. Sie vergleicht das Ganze in der Tageszeitung „Politiken“ mit einem Museum für den Auschwitz-Kommandanten Rudolf Höss: „Das würde man doch niemals machen.“ Ein Politiker der liberal-konservativen Partei „Venstre“ soll die Künstler bereits angezeigt haben. Und ein Imam äußerte sich ebenfalls kritisch: Wer Zivilisten und Unschuldige töte, sei Sünder, nicht Held.

In Kopenhagen, das Anfang 2015 einen islamistischen Anschlag auf ein Kulturzentrum und eine Synagoge erlebte, gibt es allerdings auch positive Reaktionen auf das Vorhaben. Flemming Rose etwa, der Journalist, der 2005 für die Mohammed-Karikaturen in „Jyllands-Posten“ verantwortlich war, zeigte sich dem Projekt gegenüber aufgeschlossen. Um den Kampf gegen den radikalen Islam gewinnen zu können, sei es wichtig, sich mit der Perspektive der Terroristen auseinanderzusetzen, sagte Rose gegenüber „Politiken“. Wenn auch verbunden mit dem Hinweis, dass am Ende alles von der Qualität der Ausstellung abhängen werde.

Das „Märtyrer-Museum“, das mit und ohne Führung besichtigt werden kann, soll am 26. Mai eröffnet werden, wenige Tage vor Beginn des Kopenhagener Theaterfestivals „CPH Stage“. Es soll zwei Wochen stehen. Der Ort: ein alter Schlachthof.

Quelle: FAZ.NET
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