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FAZ plus ArtikelPolitische Rede in der Krise

Wie die AfD die Grenze des Sagbaren verschiebt

Von Tobias Rüther
 - 06:29

Es hat nicht aufgehört. Im Gegenteil, es geht immer weiter und nimmt Ausmaße an, auf die man nicht vorbereitet war, als es losging. Seit dem Beginn der sogenannten Flüchtlingskrise, die immer noch so genannt wird, obwohl die Zahlen längst etwa auf eine glückende Integration der Geflüchteten in den Arbeitsmarkt deuten, seit September 2015 also lässt sich beobachten, wie die Grenze des Anstands und des Sagbaren immer weiter verschoben wird. Es fing zwar eigentlich schon mit Thilo Sarrazins Buch von der Abschaffung der Deutschen an, aber inzwischen ist kein Halten mehr. Beleidigungen, Pauschalisierungen, Herabwürdigungen des politischen Gegners, der Fremden, des Anderen: Man hört das inzwischen nicht nur von der AfD, sondern auch, und nicht einmal subtiler, aus dem gesamten politischen Spektrum, selbst von jenen, die sich für die Verteidiger der demokratischen Grundordnung halten.

Diese Grenzverschiebung betrifft nicht nur Exzesse wie den „Vogelschiss“ oder die „Kopftuchmädchen, alimentierten Messermänner und sonstigen Taugenichtse“ der AfD-Politiker Weidel und Gauland: Man findet populistische Formeln inzwischen auch bei Politikerinnen und Politikern aller demokratischen Parteien im Bundestag, von der CSU bis zur Linken. Als versuche man, um die Inhalte der AfD zu bekämpfen, von den Methoden der AfD zu lernen. Nur lässt sich das nicht trennen: Die Methode der Verzerrung wirkt sich auf den Inhalt aus, sie wird der Inhalt. Und es ändert auch gar nichts, wenn Demokraten das tun.

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Quelle: F.A.S.
Tobias Rüther
Redakteur im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.
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