Trump zu Brigitte Macron

„Sie haben sich so gut gehalten“

Von Julia Bähr
 - 10:16

Von Donald Trump ist das Zitat überliefert: „Ich schätze Frauen. Keiner schätzt Frauen wie ich. Frauen schätzen mich, weil ich sie schätze.“ Von allen Unwahrheiten, die er während seiner Karriere verbreitet hat, ist diese besonders hanebüchen. Trump schätzt nicht Frauen, Trump schätzt hübsche Gesichter, Beine, Brüste und Hintern. Und er unternimmt nicht die leiseste Bemühung, das zu kaschieren. Dass er zur Première Dame Brigitte Macron auf Staatsbesuch im Élysée-Palast sagte, sie sei „in such a good shape“, war nur die neueste Bemerkung in einer langen Reihe von Sätzen, die zeigen, dass Frauen für Trump nicht mehr sind als ihr Aussehen.

Zu viel des Guten
Trump empört mit Komplimenten für Brigitte Macron
© AP, reuters

Aber zuerst zum gängigen Missverständnis: Ist das nicht ein nettes Kompliment eines Einundsiebzigjährigen an eine fesche Vierundsechzigjährige gewesen? Nein. Nein, weil Brigitte Macrons körperlicher Zustand Donald Trump überhaupt nicht zu interessieren hat. Wenn die beiden einander im Zieleinlauf eines Triathlons kennengelernt hätten: Ja, ein nettes Kompliment. „To be in good shape“ kann sich ja durchaus auf die Fitness beziehen. Aber bei einem Staatsbesuch? Da haben solche Bemerkungen übers Aussehen wirklich nicht das Geringste zu suchen.

Was Brigitte Macron geantwortet hat, erfasste das Mikrofon nicht. Auch ihr Gesicht war abgewandt. Beim Ansehen des Videos fragt man sich nur, wer der drei Anwesenden Donald Trump jetzt zuerst eine reinhaut: Emmanuel, Brigitte oder Melania. Trump hat das seltene Kunststück geschafft, alle drei gleichzeitig zu düpieren. Aber die Franzosen haben die Contenance schließlich erfunden – Brigitte Macron legte Melania die Hand auf den Rücken und zog mit ihr von dannen. Wohlwissend, dass sie die bessere Gesellschaft für diesen Tag erwischt hat als ihr Ehemann.

Dabei hält Donald Trump sich wahrscheinlich für sehr charmant. Schließlich hat er etwas Positives gesagt, oder? Im Gegensatz zu seinen Äußerungen über die Huffington-Post-Gründerin Arianna Huffington: „außen und innen hässlich“. Oder über seine republikanische Konkurrentin im Vorwahlkampf, Carly Fiorina: „Schau Dir das Gesicht an! Wird irgendjemand dafür stimmen?“ Oder über Schauspielerin und Moderatorin Rosie O’Donnell: „ein fettes, hässliches Gesicht.“ Frauen existieren für Trump nur durch ihr Aussehen, wir wissen, was passiert, wenn eine Frau ihn qua Amt zwingt, sie für etwas anderes zu respektieren: Dann sitzt er beleidigt auf einem Stuhl und weigert sich, ihr die Hand zu geben.

Donald Trumps Sexismus macht nicht mal vor seiner eigenen Tochter halt. „Sie hat eine sehr gute Figur. Wenn sie nicht meine Tochter wäre, würde ich sie wahrscheinlich daten“, sagte er in einer Talkshow. Ohne ein Fan von Ivanka Trump zu sein, muss man doch feststellen: Sie hat wahrscheinlich spannendere Dinge zu bieten als ihre Figur. So wie man sich mit Brigitte Macron bestimmt über andere Themen unterhalten könnte als ihr Aussehen. Aber dafür müsste man sich erst mal für etwas anderes interessieren.

Quelle: FAZ.NET
Autorenporträt / Bähr, Julia
Julia Bähr
Redakteurin im Feuilleton.
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