FAZ plus ArtikelEuropa und der Brexit

Das Dünkirchen der Gegenwart

Von Ronald G. Asch
 - 09:46
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In der Ära der Premierministerin Margaret Thatcher lief im britischen Fernsehen eine satirische Serie mit dem Titel „Yes Minister“. In der fünften Episode der ersten Staffel erklärt der klassische höhere Beamte namens Sir Humphrey Appleby, der Vertreter des eigentlich unpolitischen Civil Service, seinem naiven Minister, welche Ziele die britische Europapolitik habe. Das britische Außenamt sei proeuropäisch, weil es eigentlich gegen Europa sei, denn für ein Mitglied der EWG (wie die EU damals noch hieß) sei es sehr viel leichter, die anderen Staaten Europas, namentlich Deutschland und Frankreich, gegeneinander auszuspielen, als für ein Nichtmitglied.

Diese tiefe Weisheit der britischen Politik, die auf eine lange Tradition der Gleichgewichtspolitik seit dem frühen achtzehnten Jahrhundert zurückgeht, scheint in jüngerer Zeit in Vergessenheit geraten zu sein. Wie immer man die wirtschaftlichen Folgen des Brexits beurteilen mag, der britische Einfluss in Brüssel endet mit dem Austritt aus der EU, egal in welcher Form er sich vollzieht, auf jeden Fall.

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Ronald G. Asch lehrt Geschichte der Frühen Neuzeit an der Universität Freiburg.

Quelle: F.A.Z.
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