Bastel-Tipps

Nicht kleckern, klotzen!

Von Ursula Kals
 - 12:21
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Der Müllwagen rumpelt ums Eck, der Nachwuchs starrt verzückt auf das wundersame Treiben. Diesen Anblick toppt nur der Betonmischer. Minutenlang stehen Kinder eingestaubt hinterm Baustellenzaun, um rotierende Trommeln zu bestaunen. Das Leben ist eine Baustelle. Auch daheim. Basteln mit Beton boomt. Designer haben den rauhen Charme der kühlen Kunststücke wiederentdeckt, die Do-it-yourself-Fraktion ist längst in Produktion gegangen. Beton anrühren macht Spaß, und die Ergebnisse halten ewig.

Aber wie geht man mit einem Material um, mit dem andere ganze Häuser bauen? Wir haben, Marion Ilkenhans, Münchner Erzieherin und Kennerin der Materie, gefragt, die uns gemeinsam mit Hanna, David und Constantin zeigt, wie es geht.

Das Grundrezept

Bastelfachgeschäfte bieten kleine Sets an, die rasch aufgebraucht sind. Kreativknetbeton kostet rund 9 Euro im Kilobeutel, ist leicht zu verarbeiten und liefert glatte Ergebnisse. Billiger, aber reich an Steinen sind Feinbetonsäcke aus dem Baumarkt. Unschlagbar ist deren Preis: Der 25-Kilo-Sack Betonestrich kostet rund vier Euro. Wem er zu grob erscheint, der siebt größere Steine aus. Beim Umgang mit Baumarkt-Beton sollten Handschuhe und eine Schutzbrille getragen werden.

Die Ausrüstung

Einen alten Eimer, Stöcke oder ausgediente Holzlöffel bereitlegen. Wer große Mengen verarbeitet, ist mit einem Quirlaufsatz für die Bohrmaschine gut bedient. Plastikhandschuhe schützen empfindliche Hände. Manche Ratgeber empfehlen sogar einen Mundschutz, um den feinen Betonstaub nicht einzuatmen. Ein Spatel hilft, die Flächen glattzustreichen. Jetzt geht es los. Die Kinder holen Wasser. „Bitte unbedingt darauf achten, erst das Wasser in den Eimer zu gießen und danach den Beton dazuzuschütten, sonst lässt sich die Masse nicht vermischen, und der Bohrer läuft heiß“, sagt Ilkenhans. Mit ohrenbetäubendem Geknatter wird die Masse mit dem Bohraufsatz zerpflügt.

Das staubt und saut so richtig schön vor sich hin. Die Kinder sind entzückt. Kleinere Mengen lassen sich mit einem Stock mixen. Einen Marmorkuchen mit Küchenmixer herzustellen ist dagegen ein Klacks. Nach Gefühl Wasser nachschütten, bis die gewünschte, leicht zähe Konsistenz erreicht ist, Hauptsache, der graue Pamp ist nicht zu flüssig und ähnelt dickem Brei. „Je weniger Wasser für den Betonbrei benutzt wird, desto grober und poröser wird das Ergebnis“, erklärt die 42-Jährige. „Deshalb sollte man unbedingt erst mal ausprobieren, wie die fertige Betonmischung getrocknet aussieht, bevor man eine Großproduktion startet.“

Knallharte Tipps, damit es klappt

Bei Plastikformen nicht vergessen, die Gefäße mit Pflanzenöl großzügig auszupinseln, bevor man den Beton eingießt. Das gilt hier ausdrücklich auch für Silikonformen. So lässt sich hinterher die Form lösen. Kartons werden nicht eingeölt, sondern später aufgeschnitten.

Schatten statt Schnelltrocknung

Ist die Masse gegossen, klopft man die Form vorsichtig auf den Boden, damit sich mögliche Luftblasen auflösen. Nun heißt es mindestens 24 Stunden warten, bis der Beton getrocknet ist. Da müssen die kleinen Bastler durch.

Statt die Werke in die pralle Sonne zu stellen, um den Vorgang zu beschleunigen, sollten sie langsam im Schatten trocknen, ab und zu mit Wasser angesprüht oder mit kühlen Tüchern bedeckt werden. Das ist wie bei der Hautpflege: Feuchtigkeit beschert glatte Flächen.

Reste schnell beseitigen

Beton ist steinhart, und das ist schön. Als nicht so schön erweist sich diese Eigenschaft, wenn man schlampig arbeitet und restliche Brocken von der Terrasse kratzen muss. Lieber sofort handeln, Arbeitsfläche und Werkzeug reinigen.

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Als Unterlage bewähren sich alte Zeitungen, auch auf Plastikplanen lässt sich wiederholt gut manschen.

Gummistiefel gießen

Kinder haben kleine Füße, das finden viele so niedlich, dass sie Babyschuhe am Autospiegel baumeln lassen oder bepflanzen. Nach zwei Wintern sind die durchgeweichten Teilchen samt wucherndem Hauswurz unansehnlich. Haltbarer sind Betonstiefel. Alte Paare, die zu durchgeschwitzt für den Sammelcontainer sind, bieten eine gewichtige Form. Falls vorhanden, den Stoffrand samt Schnürung abschneiden. In die Stiefel wird Beton gegossen. „Mit einem Teppichmesser lässt sich der Gummistiefel gut aufschneiden, dabei aufpassen, dass man nicht zu tief einschneidet, sonst gibt es Schnitte im Beton“, rät die kreative Pädagogin.

Je kleiner die Stiefel, desto größer die Freude der Beschenkten. Die Harten kommen in den Garten: Die Betonstiefel eignen sich als Außendeko, aber auch als Buchstützen oder Türstopper – ein Stück aufgeklebten Filz schützt Regale und Parkett.

Stiefelständer zur Flurverschönerung

Wer ein bisschen englischen Landadel spielen will, nimmt einen gammligen Plastikblumenkasten, befestigt mit Klebekonstruktion vier abgesägte Rundhölzer in der Mitte und gießt den Kasten aus. Fertig ist ein robuster Stiefelständer.

Noch verspielter zeigt sich der Stiefelständer-Stiefel. Mit zwei Bastlern gelingt das leicht: Einer steckt einen massiven Stock in einen Gummistiefel und fixiert ihn, der andere gießt den Beton ein.

Filigrane Windlichter

Ein Dauerbrenner für Dekofreunde sind Windlichter. Das funktioniert gut mit Knet- und Kreativbeton aus dem Bastelladen, grobkörniger Billigbeton bricht schneller. Man nimmt einen Luftballon, besser noch eine ausgediente, gut eingeölte Schüssel, stülpt sie auf ein Glas mit weiter Öffnung und modelliert Schicht um Schicht Beton auf; „nicht zu dünn, sonst kann die Schale brechen“ - die obere Öffnung wird frei gelassen.

Das Verfahren kennen die meisten von Pappmasché-Lampions. Jetzt trocknet das Halbrund 24 Stunden lang, dann werden Ballon oder Schüssel entfernt. Grandios sieht das Windlicht aus, wenn die Innenfläche mit Goldfarbe bepinselt wird: Keine Angst, dabei kommen keine vorweihnachtlichen Gefühle auf – der Kontrast zwischen grauem Beton und güldenem Glanz ist zu heftig.

Pflanzgefäß mit integriertem Bambus

Um ein stylishes, rechteckiges Pflanzgefäß herzustellen, bieten sich verschieden große Kartons an. In den größeren Karton wird eine drei Zentimeter dicke Schicht Beton gefüllt und glattgestrichen, zwei Korken für Abblauflöcher hineinsteckt, die später entfernt werden. Darauf setzt Marion Ilkenhans einen kleineren Karton und fixiert ihn mit Klebeband. In den Zwischenraum füllen die Jungs Betonmasse. An einer Seite spießen sie zwei Bambusstücke hinein, an der die Paprikapflanze hochranken kann.

Blumenvase für die Ewigkeit

So ärgerlich der Plastikwahn und die Coffee-to-go-Becher sind, jetzt dienen sie als Formen für Blumenvasen. Auch Stapelchipsdosen machen sich nützlich: Einen großen Becher mit einem drei Zentimeter dicken Betonschicht füllen, darauf einen kleineren Becher stellen, um diesen herum den Betonbrei füllen. Wer es noch moderner mag, der steckt in einen großen Becher gut eingeölte Plastikröhrchen von Sprudeltabletten hinein und gießt den Rest auf, die Röhrchen immer wieder mal drehen. So hat man Raum für einzelne Blütenstengel oder Zweige.

Silikonformen im Einsatz

Waschbetontraumatisierte und Bastler, denen das zu sehr nach Industrieödnis aussieht, greifen zu Muffinformen aus Silikon. Die wabbligen Paletten geben attraktive Formen vor, zum Beispiel Sterne und Rosen. Während beim Kuchenbacken das Einfetten überflüssig ist, muss nun gründlich geölt werden. Dann folgt der Beton. Wer Pilcherisierung und Pinkisierung anheimgefallen ist, bepinselt die getrocknete Betonblüte, grundiert sie rot, färbt die Ränder rosa, das sieht fluffig aus und verblüht nie. Die Jungs finden das grenzwertig, Hanna gefällt’s. So lassen sich Topfgärten und Kaffeetafeln herausputzen. Nicht nur zur Osterzeit sieht ein Betonei schön aus: Dazu behutsam ein Loch in ein Ei bohren, ausblasen, Beton einfüllen, später je nach Geschmack bemalen.

Bunte Steine leuchten im Grau

Überhaupt, wem das alles zu grau erscheint, der greift zu Pinsel und bunten Steinen. Die Werke können mit Farblack besprüht oder mit Acrylfarbe und wetterfestem Buntlack bemalt werden. Mosaike sind ein besonders schöner Hingucker. Nützlich sind bunte Glasbausteine aus dem Bastelgeschäft. Prächtig sehen musterstarke Porzellanscherben aus. Vielleicht hat man angeschlagenes Geschirr im Schrank oder Flohmarktfunde. Am leichtesten lassen sich Teller verarbeiten, je flacher, umso besser. Mit einem Hammer die Teller nicht allzu temperamentvoll zerschlagen, ein Zeitung darüberlegen, so fliegen keine Splitter. Für die Jungs ist die Porzellanpolterei an diesem Nachmittag fast noch erbaulicher als das Anmischen. Scherben machen glücklich.

Da Beton schnell hart wird, ist jetzt flottes Arbeiten gefragt. Also vorher ein mögliches Muster auf einem Tablett legen oder aufzeichnen, was man sich so vorstellt. Als Form dient der Deckel eines Schuhkartons: Mit Beton ausgießen, nach Lust und Laune Steine und Scherben in die Masse drücken. Das gibt tolle Topfuntersetzer. Hanna senkt zusätzlich drei gut eingepinselte Alu-Teelichter ein. Einen Tag später entfernt die Achtjährige die Förmchen und stellt Kerzen hinein. Gut sieht das aus. Die Betonbauer strahlen um die Wette.

Quelle: F.A.S.
Ursula Kals - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Ursula Kals
Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Jugend schreibt“.
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