Basteltipps für Regentage

So bauen Sie einen Miniaturgarten

Von Ursula Kals
 - 10:49
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Wenn draußen das Gras gilbt und die Blätter fallen, gibt es eine gute Möglichkeit, ein Stück Sommer zu erhalten: Wir holen uns den Garten ins Haus und stellen ihn auf die Fensterbank. Dazu braucht es ein Gefäß, Steine, Erde, ein paar Pflanzen und Phantasie. Und los geht’s, am besten an einem Regentag, wenn die Kinder maulig sind.

Zunächst benötigen wir ein Grundstück. Dazu bieten sich Tonschalen an, die bergen nur die Gefahr, wie ein Grabschmuck anzumuten - und ein Friedhofsgefühl auf der Fensterbank brauchen wir nun, wo die Freibadsonne untergegangen ist, wirklich nicht. Farbenfroher sind Auflaufformen aus Keramik. Gut machen sich auch Holzkisten, alte, feine Weinkisten, selbstgeschreinerte Kästen oder welche aus dem Baumarkt. Nostalgisch schön sind Blechbottiche oder eine Suppenterrine; ein Gang in den Keller, auf den Speicher oder über den Flohmarkt bringt neue Ideen für den alten Kram, wir werden zuverlässig in der Flohmarktecke der Wertstoffhöfe fündig.

Fundgrube Weihnachtsdekoration

Das Gefäß wird gereinigt und mit stabiler Plastikfolie ausgekleidet (wenn es ein Abflussloch gibt, reicht es, einen großen Teller drunter zu stellen). Darauf kommt eine Drainage-Schicht: Profis nehmen Blähtonkügelchen, die es fertig zu kaufen gibt, kleine Kieselsteine reichen aber völlig. Darüber kommt ein wasserdurchlässiges Vlies. Diese Steineschicht sollte ruhig zwei Zentimeter dick sein, sie ist unverzichtbar, damit das Gießwasser sich nicht staut und die Gärten versumpfen. Denn das ist eine der größten Herausforderungen der Minigärten: das Gießwasser so sparsam zu dosieren, dass die Pflanzen gut versorgt sind, es aber keine Überschwemmungen und übelriechenden Sumpfflächen gibt – es sei denn, man will ein Moor anlegen. Hier ist es dringend geboten, übereifrige Kleingärtner auszubremsen oder ihnen eine Wassersprühflasche zu reichen. Es folgt eine Schicht Blumenerde, ruhig nährstoffarme nehmen, die Pflanzen sollen auf kleinstem Raum nicht zu üppig gedeihen. Nun wird ein Plan geschmiedet. Wir setzen auf Themengärten und robuste Lieblingspflanzen, ein Gang durch eine Gärtnerei bringt Ideen. Je nach Alter der Kinder kann es auch einfach nur bunt und fröhlich zugehen. Pflanzlöcher buddeln, Pflänzchen einsetzen, jetzt darf dekoriert werden.

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Der Weg ist das Ziel – schön sehen geschlängelte Pfade aus, die zu einer kleinen Pflanzengruppe, einer Insel fürs Auge, führen. Wege werden aus Steinen oder Holzstücken gelegt. Strenge Barockgarten-Symmetrie ist auf der kleinen Fläche nicht geboten. Schon gar nicht in Gärten, die sich mit einer bauchigen Teetasse begnügen müssen. Kein Scherz: Ein eigenes Bastelbuch widmet sich sogenannten „Tassengärten“. Und aus der Es-gibt-nichts-was-es-nicht-gibt-Rubrik: Online-Shops vertreiben Möbel für Miniaturgärten. Denn das gibt den Kick: Das Gärtchen wird möbliert, ausstaffiert mit Bänken, einer Gartenlaube und Puppenstubeninterieur. Eine Fundgrube sind die Abteilungen für Weihnachtsdeko, konkret die Krippenregale: Dort gibt es Lagerfeuer und Brunnenensembles für einige Euro und mehr oder weniger geschmackvolle Anregungen. Ist das nicht sagenhaft kitschig, entsetzlich gefühlig, wenn unter der rosa Zwergrose ein pinkes Plastikeinhorn am Plastikfeuer entlangtrabt? Gegenfrage: Ist ein mit Kugelgrill möblierter Reihenhausgarten mit strammstehender Lorbeerhecke gestalterisch innovativ? Wir haben mit Constantin, Laurin und Seraphin Miniaturgärten gestaltet, gefärbte Kastanienberge versetzt, Brücken gebaut, Schüsseln als Miniteich versenkt, uns über maßstabgerechte Hexenhäuser ausgetauscht und den Dürer-Hasen-Radiergummi aus dem Museumsshop hoppeln lassen. Fünf Ideen für abwechslungsreiche Minigärten.

Pflegeleichter Wüstengarten

Zeitlos, irgendwie aber auch modisch und gefällig für einen smarten Wohnstil ist ein Steingarten. Er setzt auf Kakteen, Sukkulenten und reduzierte, silhouettenstarke Pflanzen. Der Vorteil liegt auf der Hand: Viel Pflege ist nicht erforderlich. Schön ist ein schlichtes Steingefäß, bei diesem Garten kann man sich selbst die Plastikfolie sparen, weil grundsätzlich wenig gegossen wird. Auf die Steinschicht kommt Kakteenerde, ist diese nicht zur Hand, dann bedient man sich im Sandkasten und mischt Sand unter Blumenerde, diese Mischung funktioniert.

Mit einer Pinzette werden nun die Kakteen eingesetzt. Je nach Fingerfertigkeit gelingt das auch mit zwei Gabeln, anderem improvisierten Werkzeug oder einer Ladung Küchenkrepp – Hauptsache, die Finger bekommen keine Stacheln ab. Als Deko dienen besonders schön gemusterte Steine und Schneckenhäuser. Die Kinder lassen eine Löwin über den Sand schreiten und bestehen auf den Totenschädel, der eigentlich als Aquariendeko gedacht ist.

Kunterbunter Märchengarten

Je jünger die Gärtner, desto geringer die Scheu, auf Farben zu setzen. Im Garten blüht ein kleines „Flammendes Käthchen“, daneben ein Alpenveilchen, das es in Zeiten, in denen junge Menschen sich mit Trachtenkleidung ausstaffieren, zu ungeahnter Blüte bringt. Dazu werden mit farbigen Dekosteinen Wege gelegt, kleine Hütten gebaut und bemalt; einfach schauen, was die Spielekisten im Kinderzimmer hergeben. Mit getrocknetem Lavendel und Rosmarin bauen wir Büsche. Wir stecken dekorative Eisschirme, die sonst Muffins aufhübschen, in den Boden. Für die gute Laune spannen wir eine winzige Wäscheleine und eine Wimpelkette zwischen Zweige und binden Besen. Diese Bastelei kriegen auch Ungeübte hin. Dazu lassen wir Tiere weiden. Stilecht sieht das aus, wenn man dazu hochpreisige Schleich-Tiere aufmarschieren lässt. Das geht auch billiger. Wir sind im Ein-Euro-Shop fündig geworden und beseelt mit einer Tüte Bauernhoftieren und Meeresgetier abgezogen. Aus dem Fundus lässt sich schöpfen. Je nach Pony- oder Katzenphase lässt sich das Gelände immer wieder neu bevölkern.

Urtümlicher Sauriergarten

Plastiksaurier sind viel zu schade, als dass sie die meiste Zeit ihres Spielzeuglebens in Kramkisten vor sich hin dämmern. Mit Sauriern haben wir im Sommer schon so manches Beet draußen aufgepeppt und zum Blickfang gemacht. Jetzt lassen wir sie drinnen aufmarschieren. Die Gartendesigner haben einige Varianten erprobt. Am urtümlichsten machen sich die Urzeitwesen unter Farnwedeln. Hinzu kommen Ableger von Grünlilien, die etwas Entrücktes ausstrahlen.

Nach Lust und Laune wird mit Moos experimentiert. Große, kluftige Steine und Fossilien passen prächtig in die Szene und stellen Felsen dar. Wetten, dass auch Jungs, die mit verwunschenen Feengärten wenig anfangen können, diesem Ensemble etwas abgewinnen können?

Zauberhafter Wassergarten

Schnell gemacht und eine Augenweide sind Wassergärten. Es muss nicht der hochpreisige Feng-Shui-Zimmerbrunnen sein, dessen Plätschern einen immer wieder Richtung Händewaschen treibt. Aber der Anblick von Wasser entspannt nun einmal. Man nehme einen Glashafen oder eine große Glasvase oder zweckentfremdet ein Windlicht. Und dann nimmt man sich Zeit und geht in einen gut sortierten Baumarkt; in der Aquarienabteilung informiert Personal über mögliche Wasserpflanzen, die sich für das Projekt eignen. Wir haben uns für die anspruchslose Wasserpest entschieden, das Stück zu zwei Euro. Nachbarjunge Preslav hat uns zwei Hände voll seines Aquariensands spendiert, die Investition sei sinnvoll, hatte der Fachverkäufer gemahnt. Aber was sollen wir mit einem prallen Sandsack für die Vase? Vorsichtig den Sand auf den Boden geben, Wasser einfüllen, die Pflanze aus ihrer Watteverpackung befreien und behutsam einsetzen. Jetzt haben die gesammelten Urlaubsmuscheln ihren großen Auftritt. So viel Schönheit hat allerdings ihren Preis: Alle zwei Wochen, je nach Sonneneinstrahlung, sollte das Wasser teils ausgetauscht werden, sonst müffelt es und die Algen übernehmen. Zuverlässige Wasserwechsler haben lange Freude an der kleinen Unterwasserwelt, in die die Jungs Seeschlangen abtauchen lassen und Minirochen versenken. In den knallblauen Hai spießen sie einen dünnen Nagel und stecken diesen in den Sand, so, als schwimme das Tier. Sieht spacig aus. Wir lassen noch den knallroten Plastikhummer zu Wasser.

Weihnachts-Wintergarten

Die Vorweihnachtszeit ist das heimliche Hochfest aller Dekofreunde. Im Nu lässt sich der Miniaturgarten weihnachtlich aufpeppen: Die Bauernhofkuh wird durch Hirsch und Reh ersetzt, ein bisschen Bambi-Gefühl muss sein. Dazu betupft man Tannenzapfen mit weißer Deckfarbe, nimmt Fliegenpilze, pflanzt einen kleinen Weihnachtsstern, gestaltet aus Bauklötzen eine Kirche, und fertig ist die Winterlandschaft.

Quelle: F.A.S.
Ursula Kals - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Ursula Kals
Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Jugend schreibt“.
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