Vater zieht vor Gericht

Schüleraustausch zwischen Raketensilos und Stacheldraht

 - 18:46

Ein Schüleraufenthalt bei einer amerikanischen Gastfamilie auf einer amerikanischen Militärbasis ist nach Ansicht des Landgerichts Düsseldorf zumutbar. Die Richter wiesen am Montag die Klage eines Vaters auf Rückzahlung der Vermittlungskosten für den nicht angetretenen Auslandsaufenthalt seines Sohnes zurück. Die Kündigung des Vaters sei unwirksam, weil die Leistung der Vermittlungsagentur nicht mangelhaft gewesen sei, urteilten die Richter. Die vermittelte Familie lebt in den Vereinigten Staaten auf einer Militärbasis mit eingeschränktem Zugang.

Nach Angaben des Gerichts erfuhr der angehende Gastschüler noch vor Antritt der Reise im Sommer 2016, dass seine Gastfamilie auf einer Militärbasis in der Nähe von Spokane/Washington wohnte. Diese Basis war bis zum Jahr 1990 Lagerort von nuklearen Sprengköpfen. 1994 hatte es dort einen Amoklauf mit vier Toten und 22 Verletzten gegeben. Einige Tage später war ein Flugzeug während einer Flugshow abgestürzt und hatte vier Menschen getötet. Seit August 2016 ist der Zutritt zur Militärbasis nur noch mit Berechtigungsausweis möglich.

Mit dieser Gastfamilie war der klagende Vater nicht einverstanden. Daraufhin bot ihm die Vermittlungsagentur die Unterbringung des Sohnes bei einer alleinstehenden Gastmutter mit einem erwachsenen Sohn an. Dies jedoch lehnte der Vater ebenso ab und trat vom Vermittlungsvertrag zurück. Er verlangte die vollständige Rückzahlung des Reisepreises von insgesamt 13.275 Euro. Die Vermittlungsagentur erstattete 765 Euro für die nicht erfüllte Staatenwahl und 48 Prozent des Restpreises in Höhe von 6.004,80 Euro.

Die 22. Zivilkammer des Landgerichts Düsseldorf folgte der Argumentation des klagenden Vaters nicht. Denn eine Gastfamilie müsse nach den Verhältnissen des Aufnahmelandes für eine angemessene Unterbringung und Betreuung des Gastschülers geeignet sein, erklärten die Richter. Dass die Gastmutter auf der Militärbasis als Mitarbeiterin der Krankenhausverwaltung Uniform trage, mache die Gastfamilie nicht ungeeignet, betonten die Richter. Auch das Leben auf einer zugangsbeschränkten Militärbasis bedeute nicht gleich einen ungeeigneten Gastaufenthalt.

Denn in den Vereinigten Staaten lebten viele Menschen in sogenannten „Gated Communities“ mit eingeschränkten Zugang. Dass der spontane Besuch eines Mitschülers erschwert oder gar unmöglich werde, sei zumutbar. Weiter erklärten die Richter, die mehr als 20 Jahre zurückliegende Lagerung von Atomwaffen, der Amoklauf und der Flugzeugabsturz seien keine Indizien dafür, dass das Leben auf dieser Militärbasis besonders gefährlich sei.

Das Urteil ist nicht rechtskräftig. Der Kläger kann beim Oberlandesgericht Düsseldorf Berufung einlegen.

Quelle: EPD-BAS
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