Ein Jahr raus

Sabbatical statt Klassenzimmer

Von Susanne Preuß
 - 08:33
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Und wie klappt das mit der Schule? Das ist eines der ersten Themen, das angesprochen wird, wenn eine ganze Familie sich eine Auszeit nimmt. Sabbitacal und Schulpflicht scheinen nun einmal nicht zusammen zu passen.

„Super Plan“ lautete aber die Reaktion, als Anke Roser in der Schule ihrer Tochter Antonia vorfühlte, die gerade erst in der ersten Klasse war, als der Plan für eine einjährige Weltreise der ganzen Familie reifte. Gleichwohl war klar, dass die Rektorin die Sache nicht allein entscheiden kann: Nur in Absprache mit Schulamt und Regierungspräsidium kann die „Aussetzung der Schulpflicht“ gewährt werden. So wurden fleißig Akten angelegt, mit Fakten und Argumenten von der Qualifikation der Eltern bis hin zur Erklärung, wie man den Kontakt zur Schule in Gebersheim halten möchte.

„Vor kurzem hat Toni einen Sack voll Briefe bekommen. Im Deutschunterricht hat sie die Antworten geschrieben“, beschreibt Anke Roser, was Schule für ihre eigene Zweitklässlerin in der Praxis jetzt heißt. Einmal im November, als der Europa-Teil der Weltreise abgeschlossen war, hatte Antonia ein paar Tage Zeit, persönlich wieder in der Schule vorbei zu schauen und auch im Frühsommer ist das noch einmal geplant. Was das Mädchen erlebt, können Mitschüler, Eltern und Lehrer zudem über den Familien-Blog verfolgen. https://familien-sabbatical-roser.blog/

„Super ist der Sportunterricht, wenn wir auf Treibholzstämmen Schwebebalken üben“

Für den Unterricht am Ende der Welt nutzen die Rosers das Material aus der Schule, vor allem aber auch die jeweilige Umgebung, die sie wahlweise für alle möglichen Fächer ausnutzen. „Super ist der Sportunterricht, wenn wir Schwimmen, auf dem Bodyboard zu surfen versuchen, auf Treibholzstämmen Schwebebalken üben oder im Sand Weitsprung machen“, berichtet Antonia Roser, die erkennbar diese Art von Schule genießt, schon weil sie dafür nicht so früh aufstehen muss: „Wir machen höchstens zwei Stunden am Tag und sind trotzdem weiter als die Klasse daheim, weil die Lehrer halt nur eine Schülerin haben. Mit Valentin zwei, der macht auch schon echt viele Übungen und Aufgaben.“

Der kleine Bruder freilich ist noch gar kein Schulkind. Eines Tages aber, so berichtet die Mutter, habe Valentin ganz plötzlich eine große Lust an Schreibübungen im Sand entwickelt. Da hindert sie den Sechsjährigen natürlich nicht dran.

Aber sie macht sich durchaus Gedanken, ob der Junge sich langweilen wird, wenn er im Herbst in die erste Klasse kommt. Und was sagt Valentin selbst? „Ich kann zwar noch nicht Englisch reden, aber ich verstehe inzwischen schon einiges und kann englische Wörter auf den Schildern lesen. Das ist witzig.“

Die Familien-Weltreise - Folge 2 der Serie

Im Frühjahr haben uns die Rosers schon einmal von ihrer Weltreise erzählt - vor allem von der Idee, der Planung und ihren Vereinbarungen mit dem Arbeitgeber. Auf FAZ.NET begleiten wir sie weiter. In der nächsten Folge unserer Mini-Serie wollen sie uns davon berichten, wie sie sich auf Reisen fortbewegt haben - von Flug bis Campingbus. Und im Herbst möchte die Familie uns berichten, ob sie - wieder in Deutschland - der Rückkehr-Blues erwischt hat und wie es bei ihnen beruflich weitergegangen ist.

Quelle: FAZ.NET
Susanne Preuß
Wirtschaftskorrespondentin in Stuttgart.
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