Familie
Spätes Studium

Unterhalt hat seine Grenzen

Von Marcus Jung
© dpa, F.A.Z.

Volljährige Kinder haben einen Unterhaltsanspruch gegen ihre Eltern. Dazu zählt auch die Finanzierung der Berufsausbildung, der sogenannte Ausbildungsunterhalt. In einem nun veröffentlichen Beschluss hat der Bundesgerichtshof (BGH) sich zu einer Grenze dieser Pflicht geäußert.

Das Gericht verneinte sie im Fall einer fast 26 Jahre alten Frau, die mehr als sechs Jahre nach ihrem Abitur noch ein Medizinstudium begann. In diesem Einzelfall müsse ein Vater, der seine uneheliche Tochter knapp ein Jahrzehnt nicht gesehen hatte, nicht mehr mit der Aufnahme eines Studiums rechnen, heißt es (Az.: XII ZB 416/16).

Die Frau hatte sich 2004 vergeblich um einen Medizinstudienplatz beworben und ließ sich dann zur anästhesietechnischen Assistentin ausbilden. Nach Jahren im Beruf bekam sie zum Wintersemester 2010/2011 einen Studienplatz zugewiesen. Ihr Vater, der seine finanzielle Unterstützung über das Abitur hinaus angeboten und mangels Rückmeldung seiner Tochter eingestellt hatte, erfuhr von der Forderung durch das Studentenwerk, das Auskunft über seine finanziellen Verhältnisse verlangte.

In der Konstellation hält der BGH eine Unterhaltsplicht des Vaters für „unzumutbar“. Der Mann habe im Vertrauen auf das Ausbleiben von Forderungen selbst längerfristige finanzielle Dispositionen wie einen Wohnbaukredit getroffen. Sein Vertrauen sei im vorliegenden Fall zudem schützenswert, weil ihn seine Tochter, trotz schriftlicher Nachfrage, nicht über ihre Pläne informiert habe, so der BGH.

Quelle: F.A.Z.
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