Babyboom geht weiter

Mehr Krankenhausentbindungen, weniger Kaiserschnitte

Von Peter-Philipp Schmitt
 - 19:52

In Deutschland hat es im vergangenen Jahr so viele Krankenhausentbindungen gegeben wie zuletzt vor fast 20 Jahren. Wie das Statistische Bundesamt am Mittwoch in Wiesbaden mitteilte, stieg die Zahl 2016 auf 761.777, das waren 6,3 Prozent mehr als im Vorjahr (716.539) und 18,7 Prozent mehr als noch vor fünf Jahren (642.197). Wie stark die Zahl der Geburten 2016 gestiegen ist, steht noch nicht fest. 2015 lag die Zahl der lebendgeborenen Kinder in Deutschland bei 737.575, was einer Geburtenziffer (Kinder je Frau) von 1,50 entsprach. Die Zahl der Geburten 2016 Jahr dürfte demgemäß um einiges höher liegen als 2015.

Zugleich ist die Kaiserschnittrate trotz des Anstiegs der Krankenhausentbindungen weiter rückläufig. 2016 kamen nach Angaben der Statistiker 232.479 Kinder durch Kaiserschnitt zur Welt, das waren fast 10.000 mehr als 2015. Dennoch betrug der Anteil an allen Entbindungen nur noch 30,5 Prozent, was einem Rückgang um 1,8 Prozentpunkte im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Dabei gibt es erhebliche Unterschiede zwischen den Bundesländern: Am höchsten war die Kaiserschnittrate mit 38,5 Prozent (3412 Kaiserschnitte bei knapp einer Million Einwohner) im Saarland, am niedrigsten in Sachsen (8754 bei vier Millionen Einwohnern). Entgegen dem Trend zu insgesamt leicht niedrigeren Kaiserschnittraten nahm der Anteil gegenüber 2015 in Bayern (plus 0,4 Punkte), in Mecklenburg-Vorpommern (plus 0,3) und in Sachsen-Anhalt (plus 1,0) zu.

Trotz der steigenden Entbindungszahlen nimmt die Zahl der Krankenhäuser, die Entbindungen anbieten, weiter ab. 2016 nahmen 690 von 1951 Krankenhäusern Entbindungen vor, das entspricht einem Anteil von 35,4 Prozent. Im Vorjahr hatte der Anteil noch bei 36,2 Prozent (709 von 1956) gelegen. Insgesamt scheint die Zahl der Krankenhäuser seit 1992 abzunehmen – von 2411 auf 1951. Allerdings schließen sich Kliniken oftmals zu Wirtschaftseinheiten zusammen, was der Hauptgrund für die Abnahme ist.

Die Zunahme der Krankenhausentbindungen wie der Geburten geht nach Meinung von Fachleuten im Wesentlichen auf drei Entwicklungen zurück. Zum einen ist zwischen 2011 und 2015 die Anzahl der potentiellen Mütter im Alter zwischen 25 und 39 Jahren um 344.000 gestiegen. Neben der Zuwanderung hat dazu auch die relativ günstige Altersstruktur beigetragen: Die in den späten siebziger und den achtziger Jahren geborenen Frauen sind selbst Kinder der sogenannten Babyboomer, das heißt sie gehören geburtenstärkeren Jahrgängen an.

Zum anderen ist die Geburtenhäufigkeit dieser Frauen gestiegen. Sie gründen oft spät eine Familie, auch weil die Rahmenbedingungen, etwa durch Betreuungsangebote, günstiger geworden sind. Der dritte Faktor ist die veränderte Zusammensetzung der Zuwanderinnen: Bei den ausländischen Müttern gab es vor allem durch Rumäninnen, Bulgarinnen und Syrerinnen einen erkennbaren Geburtenzuwachs. Dass sich daraus auch ein Rückgang der Kaiserschnittraten erklärt, weil Zuwanderinnen den insgesamt umstrittenen operativen Eingriff ablehnen, lässt sich vermuten.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Schmitt, Peter-Philipp (pps.)
Peter-Philipp Schmitt
Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.
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