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Was Stars mit ihrem Oscar so anstellen

Von Maria Wiesner
 - 15:37
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Am Sonntag ist es wieder so weit. Dann werden in Los Angeles von der Academy of Motion Picture Arts and Sciences die begehrtesten Trophäen der Filmwelt vergeben: die Oscars. Manche Stars brechen auf der Bühne sogar in Tränen aus, wenn sie einen bekommen und danken dann mit nassen Augen ihren Eltern und Ehepartnern und Kindern und Produzenten und allen anderen, die ihnen gerade einfallen. Aber, was macht man mit einem Oscar, wenn man ihn einmal gewonnen hat?

Wer jetzt denkt, das Kerlchen ist ja aus Gold, dafür kann man sich doch bestimmt etwas kaufen, der liegt falsch. Die Trophäe kostet zwar 400 Dollar in der Herstellung, ist aber nur goldüberzogen. Die eigentliche Figur darunter ist aus Britanniametall gefertigt, einem silberfarbenen Metallgemisch, das eine sehr glatte Oberfläche hat. Würde nun einer der Gewinner seinen Oscar versteigern wollen, bekäme er aber nicht einmal die 400 Dollar Herstellungspreis für die Figur. Im Jahr 2015 hat nämlich ein amerikanischer Richter entschieden, dass jeder Oscar vor seiner Versteigerung erst der Academy angeboten werden muss. Und die hat festgelegt, für den Rückkauf eines Oscars maximal zehn Dollar auszugeben. Davon könnte man sich also gerade einmal eine Kinokarte kaufen.

Da Filmstars sich selten Kinokarten kaufen müssen, behalten sie ihre Oscars also lieber. Einige – wie die Schauspieler George Clooney oder Dustin Hoffmann - stellen sie ganz brav ins Regal, andere wollen mit ihren Figuren schon ein bisschen angeben. Jack Nicholson zum Beispiel. Der hat 1998 seinen dritten Oscar für „Besser geht’s nicht“ bekommen und sagte in seiner Dankesrede: "Ich schaue auf eine Karriere zurück, die drei Jahrzehnte umspannt und ich habe mich bewiesen. Ich bin wirklich gut in diesem Job.“ Wer so etwas sagt, muss also auch nicht bescheiden tun und seine Oscars verstecken. Nicholson hat seine drei Goldfiguren so arrangiert, dass man sie sofort sieht, wenn man ihn besucht. Sie stehen auf einem Bücherregal im Flur, berichtete die britische Dailymail.

Ganz anders halten es da einige Schauspielerinnen. Die Britin Emma Thompson, die bisher zwei Oscars für ihre Schauspielleistung bekam, fand die Figuren viel zu „groß, golden und glänzend“, um sie irgendwo prominent aufzustellen. Also drapierte sie sie kurzerhand auf der Toilette. „An jedem anderen Platz in der Wohnung sehen sie viel zu extravagant aus“, sagte sie laut Guardian. Diese Idee fanden anscheinend auch einige ihrer Kollegen gut. Susan Sarandon, Lionel Richie, Sean Connery und auch Kate Winslet haben die Statuen zwischen Gästehandtüchern und Bidet arrangiert. Jodie Foster hat ihre zwei Auszeichnungen für „Angeklagt“ und „Das Schweigen der Lämmer“ ebenfalls zunächst ins Bad gestellt („Die passten so gut zu den Wasserhähnen.“). Aber dann setzten sie dort Grünspan an und mittlerweile verwahrt sie ihre zwei Auszeichnungen in einer Trophäen-Schatulle.

Oscarverleihung 2017
Welcher Film ist der beste?
© F.A.Z., Verleiher, F.A.Z., Verleiher

Aber nicht alle konnten den Anblick ihres Oscars auf Dauer ertragen. Gwyneth Paltrow zum Beispiel. Sie war eine dieser Schauspielerinnen, die mit sehr viel Tränen allen für ihre Ehrung gedankt hat, von den Eltern bis zur Make-up-Assistentin. Und als sie das goldene Ding dann in der Wohnung hatte, wollte sie es am liebsten wieder loswerden. „Das Ding macht mich verrückt“, sagte sie und hat ihren Oscar nun so versteckt, dass sie ihn nicht mehr ansehen muss. Wenn der dabei mal nicht komplett abhanden kommt.

Manche verlieren ihren Oscar sogar

Auch damit haben einige Stars Erfahrung: Sie können sich nicht mehr erinnern, wo sie das goldene Figürchen hingestellt haben. Angelina Jolie etwa präsentierte ihren Oscar für „Durchgeknallt“ ihrer Mutter, der Schauspielerin Marcheline Bertrand, und ließ ihn dann auch in deren Wohnung. 2007 starb Jolies Mutter. Wo der Oscar geblieben ist, weiß niemand. „Ich habe ihn nicht wirklich verloren“, sagte Jolie, „Im Moment findet ihn nur niemand.“

Jennifer Lawrence ging es ähnlich. Sie gab ihren Oscar für „Silver Linings“ ihren Eltern nach Kentucky mit, weil sie ihn nicht bei sich zuhause aufstellen wollte. War sich dann in einem Interview mit der britischen Sun nicht mehr ganz sicher, wo sich ihre Trophäe eigentlich aufhält: „Ich weiß nicht, wo sie ist. Ich denke, sie könnte in Kentucky sein. Wenn sie nicht dort ist, ist sie weg. Ich hab sie nicht.“

Vielleicht ist die Figur auch gar nicht so wichtig, wenn man sie einmal gewonnen hat. Wichtig ist für die Schauspieler vielmehr die Auswirkung, die diese Auszeichnung auf ihre Karriere hat. Wie Kevin Sweeney von der amerikanischen Colgate Universität in New York unlängst herausfand, bringt der Oscar neben Ruhm und Ehre auch deutlich mehr Gehalt für die nächste Rolle. Dass Hollywood Frauen und Männer aber noch immer ungleich bezahlt, lässt sich auch an Sweeneys Studie sehen: Durchschnittlich verdient ein Schauspieler nach einem Oscar-Gewinn 3,9 Millionen Dollar mehr pro Rolle, bei Schauspielerinnen sind es lediglich 500.000 Dollar. Aber Frauen wie Jennifer Lawrence arbeiten ja schon daran, dass sich das ändert.

Quelle: FAZ.NET
Autorenporträt / Wiesner, Maria
Maria Wiesner
Redakteurin im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET.
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