Projekt Familie

Liebe Leserin, lieber Leser,

 - 17:54

die Liebe und die Angst: Das sind die beiden großen Gefühle, die es zu Kindern gratis dazu gibt. Unsere Kollegin Anke Schipp ging eigentlich immer erst dann zum Arzt, wenn sie kaum noch gehen konnte. Aber jetzt hat sie Kinder und schreibt: „Seitdem sie auf der Welt sind, treiben mich Sorgen um, die ich vorher gar nicht kannte, bilden sich Szenarien in meinem Kopf, die mich nicht schlafen lassen, schwanke ich zwischen Sorge und Hysterie.“ Sie klingelt nach Nachtschwestern, rennt in die Notaufnahme und wählt 112: Ist das jetzt normal? Das Fieber? Die Hautrötung? Der Husten? Die tränenden Augen? Inzwischen ist sie eine echte Expertin für die Unterschiede zwischen den drei Formen der Bronchitis. Und sie kann erklären, warum sich die Scham für gelegentlichen falschen Alarm lohnt.

Auch bei Eva-Maria Magel hat sich mit den Kindern einiges geändert – zum Beispiel die Urlaubsgestaltung. „Als wir noch keine Kinder hatten und stattdessen Fans von „dynamischen Wanderungen“ mit im Durchschnitt fünfeinhalb Stundenkilometern waren, hätten wir die knapp 32 Kilometer des Burgenwegs zwischen Nordvogesen und Pfälzer Wald natürlich in einem Tag gemacht. Ist man aber erst einmal mit der süßen Last von Fruchtquetschen, Butterkeksen und einer Kleinkindkraxe beladen, läuft man entschieden gemütlicher durch den lichten Wald“, beschreibt sie in ihrer Reportage vom deutsch-französischen Burgenweg, der für Kinder mit seinen mittelalterlichen Ruinen tolle Erlebnisse bietet. Das muss natürlich alles bestaunt werden. Und für Eltern ist ein bisschen Entschleunigung ja auch nicht schlecht!

Wenn Kinder in mittelalterlichen Burgen spielen, dreht ihre Phantasie oft richtig auf: Das sind nicht einfach nur ein paar alte Steine, nein, hier ist alles voller echter Ritter! Ähnliches geschieht beim Lesen, und zwar ganz detailliert, so dass man sich bei Verfilmungen oft wundert, warum der Hauptdarsteller jetzt so falsch aussieht. „Wir haben eine ganz genaue Vorstellung vom Aussehen einer Figur, von der Ausstattung eines Raumes, von einer Szene oder Landschaft, ohne je ein Bild davon gesehen zu haben – und sogar, ohne dass uns eine detaillierte Beschreibung in der Geschichte auf die Sprünge geholfen hätte“, schreibt Fridtjof Küchemann und erklärt auch gleich, wie das funktioniert.

Damit aber im Kopf etwas passieren kann beim Lesen, muss man gut auf ihn aufpassen. Schon eine Gehirnerschütterung kann einen aus der Bahn werfen, aber viele Menschen nehmen das in Kauf, indem sie ohne Helm Radfahren. „Über die Helmpflicht für Fahrradfahrer wird so erbittert gestritten wie der in den siebziger und achtziger Jahren über die Gurtpflicht im Auto“, schreibt Rüdiger Soldt. Auch viele Kinder und vor allem Jugendliche wehren sich gegen den Schutz. Falls Sie da noch Argumentationshilfe brauchen: Das Risiko, ein schweres Schädel-Hirn-Trauma bei einem Fahrradunfall zu erleiden, ist nach einer Studie um 58 Prozent geringer. Noch mehr gute Gründe für den Helm (nicht nur für Ihre Kinder, auch für Sie!) stehen in diesem Artikel.

Und da wir gerade bei Gesundheit sind: Die Weltgesundheitsorganisation ist alarmiert, weil sich die Zahl übergewichtiger Kinder und Jugendlicher im Alter von fünf bis 19 Jahren in den vergangenen vier Jahrzehnten verzehnfacht hat. Die WHO fordert politische Konsequenzen, aber die Familien müssen natürlich auch selbst reagieren. Wenn Ihr Kind auch zum Zunehmen neigt, gibt es nur zwei Möglichkeiten: gut auf die Ernährung achten. Oder eben doch öfter mal diesen fünfzehnstündigen Wanderweg mit den mittelalterlichen Burgen gehen. Danach sind auch Sie wieder richtig gut in Form.

Einen schönen Sonntag!

Ihre Redaktion

PS: Was können wir verbessern? Schreiben Sie uns an Familie@faz.de.

Quelle: FAZ.NET
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