Deutschland

So wenig Abtreibungen wie seit 20 Jahren nicht

Von Peter-Philipp Schmitt
 - 11:00

Die Zahl der Schwangerschaftsabbrüche in Deutschland ist in den vergangenen 15Jahren um gut ein Viertel zurückgegangen. Zählte das Statistische Bundesamt in Wiesbaden 2001 noch 134.964 Abbrüche, so waren es im vergangenen Jahr 98.721. Das waren 0,5 Prozent weniger als 2015 (99.237). Damit setzt sich der Trend seit 2001 fort, dem Jahr mit den bisher meisten Abtreibungen. Die Statistik wird seit 1996 (130.899 Abtreibungen) geführt.

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Seit 1996 hat es in Deutschland nicht mehr so wenige Abtreibungen gegeben wie im Jahr 2016

Knapp drei Viertel (72 Prozent) der Frauen, die 2016 die Schwangerschaft vorzeitig beendeten, waren zwischen 18 und 34 Jahre alt, 17 Prozent zwischen 35 und 39 Jahre. Rund acht Prozent waren 40 Jahre und älter. Medizinisch indiziert waren nur 3785 Abbrüche, die große Mehrheit der Frauen (94.908) hatte den Abort nach der Beratungsregelung.

Eine kriminologische Indikation lag in 28 Fällen vor, das waren acht mehr als 2015, aber zwölf weniger als 2014. Bei den allermeisten Abbrüchen (61.622) kam die sogenannte Vakuumaspiration zum Einsatz, dabei wird der etwa zwei Zentimeter große Embryo aus der Gebärmutter gesaugt. Die Kürettage, die Ausschabung, wurde 13.488 Mal angewendet.

Fast 80 Prozent der Eingriffe erfolgen ambulant

Zunehmend werden Schwangerschaften medikamentös beendet, vor allem mit der seit 1999 in Deutschland zugelassenen Abtreibungspille Mifegyne. Fast jeder fünfte Abbruch (19.978) erfolgt inzwischen mit diesem Medikament. Die Eingriffe erfolgten überwiegend ambulant: rund 78 Prozent in gynäkologischen Praxen und 19 Prozent im Krankenhaus. Während vor 20 Jahren noch eine Mehrheit der Frauen (rund 55 Prozent), die einen Schwangerschaftsabbruch vornehmen ließen, verheiratet war, sind es heute wesentlich mehr ledige Frauen (etwa 58 Prozent), die abtreiben lassen.

Der Rückgang der Schwangerschaftsabbrüche hat mehrere Gründe. Da es insgesamt immer weniger Frauen im gebärfähigen Alter in Deutschland gibt, sinkt auch die Zahl der Aborte. Zudem kommt es immer seltener zu ungewollten Schwangerschaften, seit Mädchen und Frauen ein gesetzlich verankertes Recht auf eine für sie kostenlose Beratung und Untersuchung zur Empfängnisregelung haben. Junge Frauen bis 20 Jahren bekommen darüber hinaus Antibabypille und Pille danach von den Kassen bezahlt.

Quelle: dpa
Autorenporträt / Schmitt, Peter-Philipp (pps.)
Peter-Philipp Schmitt
Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.
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