Sport in der Schwangerschaft

Mit Kugelbauch und Kürbis

Von Stefanie von Stechow
 - 10:27

Beinahe so oft wie Jogger, Rennradfahrer und Thai-Chi-Gruppen begegnen einem inzwischen am Mainufer, im Ostend- und im Grüneburgpark Frauen, die zu zweit oder in größeren Gruppen Gymnastik treiben. Oder joggen. Alle haben entweder einen runden Babybauch oder einen Kinderwagen. „Buggy Fit“, „Fitdankbaby“ oder „Laufmamalauf“ heißen die Anbieter von Sportkursen für werdende oder junge Mütter – und sie verzeichnen regen Zulauf. „Frauen, die vorher regelmäßig Sport gemacht haben, wollen auch in einer Schwangerschaft nicht einfach damit aufhören“, sagt Judith Quick, Regionalpartnerin und Trainerin bei Laufmamalauf. „Und Frauen, die entbunden haben, wollen möglichst schnell wieder fit werden.“

Yoga, Pilates, Rückbildung – das gibt es für Schwangere und Frauen, die kürzlich entbunden haben, schon lange. Hebammen, Familienbildungsstätten und Vereine bieten das an. Neu an den sportlichen Müttern im Park ist, dass sie gemeinsam und draußen trainieren. Manche gehen auch joggen. „Wir sind nicht mehr in miefigen Hallen, sondern an der frischen Luft unterwegs. Das tut allen gut“, sagt Trainerin Quick. „In der Gruppe macht es auch mehr Spaß. Keine Schwangere oder Mutter würde sich allein in den Park stellen und Muskelaufbau trainieren.“ Gerade die jungen Mütter freuen sich nach Quicks Worten, aus dem Haus zu kommen, wieder etwas für sich tun zu können und sich mit anderen Müttern auszutauschen.

„Wichtig ist ein gutes Körpergefühl“

Lange vorbei sind auch die Zeiten, in denen Schwangere ihren Bauch hinter Stofflagen verstecken wollten und sich monatelang möglichst schonen sollten. Wer eine unkomplizierte Schwangerschaft durchläuft, arbeitet mittlerweile nicht nur bis kurz vor der Entbindung. Die Frauen wollen auch darüber hinaus nicht all das aufgeben, was sie vorher aus Freude am Sport oder aus Vernunft betrieben haben. „Wichtig sind ein gutes Körpergefühl und eine Bestätigung vom Frauenarzt, dass es keine Komplikationen gibt“, sagt Judith Quick. „Die Kurse sollen den Müttern guttun, sie nicht überfordern.“ Wichtig, so findet die Trainerin, sei eine persönliche Betreuung. Von Schwangeren lässt sie sich regelmäßig den Mutterpass zeigen und von Neu-Müttern einen Anamnesebogen zu Entbindung und Wochenbett-Erfahrung ausfüllen.

Wissenschaftlich belastbare Studien zu Sport in der Schwangerschaft gibt es zwar noch nicht, doch auch aus Sicht von Frauenärzten spricht nichts gegen moderate Bewegungseinheiten während dieser Zeit. „Im letzten Drittel der Schwangerschaft sollte man vielleicht nicht mehr joggen“, sagt Frauenärztin Birthe Furthmann. „Aber alles, was den Stoffwechsel anregt, die Rücken- und Bauchmuskulatur oder den Beckenboden kräftigt, ist durchaus zu empfehlen. Allerdings nur solange, wie die Mutter sich dabei wohl fühlt und keine Komplikationen auftreten.“ Um Schwangerschaftsdiabetes vorzubeugen und Thrombosegefahr zu bannen, sei regelmäßige Bewegung sogar sehr zu empfehlen.

Statt Hanteln werden Kürbisse geschwungen

Ob es warm ist oder kalt – die Kurse von Laufmamalauf finden statt. Sogar bei leichtem Regen und am liebsten im Park vor der Haustür. „Dann sind die Wege kurz“, sagt Trainerin Quick und fügt hinzu: „Die Frankfurter Parks sind gut gepflegt, da werden die Wege auch nicht zu schnell rutschig oder schlammig.“ An Bänken machten die Teilnehmerinnen zum Beispiel hin und wieder leichte Liegestütze, jetzt im Herbst würden statt Hanteln Kürbisse geschwungen.

Überanstrengen soll sich niemand. Quick orientiert sich bei der Belastbarkeit an der Kursmitte, gibt den sportlicheren Frauen vielleicht einmal etwas mehr zu tun. „Aber manche muss ich auch bremsen“, berichtet sie. Die individuelle Betreuung, der Austausch mit den Kursteilnehmerinnen und ein wachsames Auge nennt die Trainerin entscheidend. Traubenzucker und Erste-Hilfe-Ausrüstung hat sie immer dabei, wenngleich sie beides selten benötigt.

Trainerinnen arbeiten mit Hebammen zusammen

Wie Judith Quick sind die Trainerinnen bei Laufmamalauf selbst begeisterte Sportlerinnen und oft selbst schon Mütter. Regelmäßig besuchen sie Fortbildungen und arbeiten mit Hebammen und Physiotherapeuten zusammen. „Wir sind teurer als ein Verein“, sagt Quick, „dafür trainieren und betreuen wir sehr persönlich.“ In ihren postnatalen Kursen schaukelt sie auch hin und wieder unzufriedene Babys und spielt mit Geschwisterkindern, wenn die Betreuung überraschend ausfällt. „Die Mütter sollen in dieser Stunde wirklich was für sich tun können.“

Zwischen acht und elf Euro kostet eine Trainingseinheit, auch bei den anderen Anbietern. Die Kursteilnehmerinnen sind nach Quicks Worten in der Regel Frauen mit höherem Bildungsabschluss und einer hohen Erwartungshaltung. „Gerade beim ersten Kind sind die Frauen oft ungeduldig, wollen nach der Entbindung wie die Promis in den Medien so schnell wie möglich wieder schlank und fit werden. Aber zu früh zu viel zu wollen ist gefährlich.“ Vor Beginn des gemeinsamen Draußentrainings empfehlen die Trainerinnen deshalb grundsätzlich einen klassischen Rückbildungskurs. Und nach einem Kaiserschnitt raten sie den Frauen zu einer zehnwöchigen Sportpause. Doch dann kann es wieder losgehen, im Park oder am Mainufer, bei Wind und Wetter.

Quelle: F.A.Z.
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