Wie erkläre ich’s meinem Kind?

Was es mit den Heiligen Drei Königen auf sich hat

Von Laura Henkel
 - 14:31

In unserem Kalender ist der 6. Januar mit den Worten „Heilige Drei Könige“ vermerkt. Der Tag ist zwar nur in Bayern, Baden-Württemberg und Sachsen-Anhalt ein gesetzlicher Feiertag, wird aber trotzdem in ganz Deutschland gefeiert. Das christliche Fest geht auf die biblische Erzählung der Weisen aus dem Morgenland zurück, denen ein Stern den Weg zum Stall wies, in dem Jesus geboren wurde. Doch wer sind eigentlich diese Männer, die die Heiligen Drei Könige genannt werden, warum gibt es einen Feiertag, der nach ihnen benannt ist – und dann auch noch so lange nach Weihnachten?

Es gibt über die Heiligen Drei Könige zahlreiche Geschichten, von denen man aber nicht recht weiß, ob sie wahr sind. Verblüffend ist allerdings, dass in der Bibel, in der sie im Matthäusevangelium zum ersten Mal erwähnt werden, nicht von Königen die Rede ist. Stattdessen werden die Männer im Originaltext, der auf Altgriechisch geschrieben wurde, „magoi“ genannt. So nannte man früher die Priester in Persien, aber das Wort lässt sich auch mit Magier, Gelehrte, Weise oder Sterndeuter übersetzen.

Erst in späteren Schriften werden die Männer als Könige bezeichnet. Auf diese Schriften, die vor etwa 1700 Jahren entstanden sind, geht die Verehrung der Männer als Heilige Drei Könige zurück. In der katholischen Kirche wurden sie mit Engeln und Heiligen gleichgestellt. Im Mittelalter dachte man, dass die Heiligen Drei Könige Reisende und Wanderer beschützen. Aufgrund der Bezeichnung „magoi“ verbreitete sich außerdem der Glaube, die Männer könnten Wunder vollbringen und Krankheiten heilen.

Drei kostbare Geschenke für Jesus

Nach der Geschichte aus der Bibel haben die Männer Jesus drei Gaben zur Krippe als Geschenke gebracht: Gold, Weihrauch und Myrrhe. Warum haben sie sich ausgerechnet für diese drei Dinge entschieden? Das hat ganz einfache Gründe. In der Zeit, in der Jesus gelebt hat, besaßen normalerweise nur Könige etwas aus Gold. Das Geschenk bedeutet deshalb besonders viel, weil es zeigt, dass die drei Männer Jesus selbst wie einen König verehrten.

Myrrhe ist eine Pflanze, die eine heilende Wirkung hat. Mit diesem Geschenk konnten die Heiligen Drei Könige ausdrücken, dass sie Jesus heilende Kräfte bringen und ihn vor Krankheiten beschützen wollten. Und Weihrauch ist ein Symbol für Gott und wird heute immer noch als Räucherduft in katholischen Gottesdiensten verwendet. Man glaubte, dass er Böses abwenden und eine Verbindung mit Gott herstellen kann. Mit diesem Geschenk erkennen die Heiligen Drei Könige Jesus als Gottes Sohn an und zeigen, dass sie ihn selbst für göttlich halten.

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Dafür, dass es die drei Männer wirklich gegeben hat, gibt es keinen Beweis – aber einen Anhaltspunkt. Denn die Knochen, die von den Heiligen Drei Königen stammen sollen, liegen bis heute im Dreikönigsschrein des Kölner Doms. Deshalb besuchen viele Gläubige den Dom. Erst im 12. Jahrhundert kamen die Skelette der Heiligen Drei Könige nach Deutschland. Als im Jahr 1162 der deutsche Kaiser Friedrich I. Barbarossa mit seinem Heer Mailand eroberte, gelangte er in den Besitz der Knochen, die er dann zwei Jahre später dem Erzbischof Rainald von Dassel schenkte. Dieser ließ daraufhin im Juni 1164 die heiligen Knochen nach Köln bringen.

Der Feiertag, den wir heute „Heilige Drei Könige“ nennen, geht auf das Fest „Epiphanias“ zurück, was auch „Tag der Erscheinung Gottes“ bedeutet. Man glaubte, dass die drei Weisen aus dem Morgenland am 6. Januar zu Jesus kamen und ihn anbeteten. Deshalb wurde der Tag zu einem Feiertag bestimmt. In einigen Ländern in Europa wird Weihnachten deshalb auch erst am 6. Januar gefeiert. Dass die Heiligen Drei Könige bei uns schon an Weihnachten mit in der Krippe stehen, ist also eigentlich ein bisschen früh – sie kamen erst später dazu.

Einer der wichtigsten Bräuche, der in Deutschland am 6. Januar seit mehreren Jahrhunderten Tradition hat, ist das Sternsingen. Es entstand im 16. Jahrhundert und war eine gute Gelegenheit für arbeitslose Handwerkerburschen, Soldaten und später auch Kinder, sich ein Taschengeld zu verdienen. Heute behalten die Sternsinger das Geld nicht mehr für sich, sondern sammeln meist für einen guten Zweck.

Quelle: FAZ.NET
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