Wie erkläre ich’s meinem Kind?

Ob uns Gefahren aus dem All drohen

Von Sibylle Anderl
 - 18:22

Vor einer Woche ist an unserer Erde ein großer Asteroid vorbeigeflogen. Der riesige Gesteinsbrocken mit Namen „3122 Florence“ hat einen Durchmesser von fünf Kilometern – das entspricht etwa der Höhe des Mont Blancs, des höchsten Bergs der Alpen, wenn man von der Höhe des Meeresspiegels aus misst. Der Asteroid, der vor etwa 66 Millionen Jahren in Mexiko eingeschlagen ist und der mit großer Wahrscheinlichkeit dafür verantwortlich ist, dass es heute keine Dinosaurier mehr auf der Erde gibt, war auch nur zwei- bis dreimal größer. Wenn 3122 Florence vergangene Woche mit unserer Erde kollidiert wäre, dann gäbe es uns jetzt – so wie Dinosaurier - nicht mehr. Gott sei dank ist er das aber nicht, stattdessen blieb er mehr als 18 Mal so weit von uns entfernt wie der Mond, bevor er sich wieder in die Weiten unseres Sonnensystems verabschiedete. Das ist also nochmal gutgegangen.

Aber könnte nicht jederzeit wieder ein großer Asteroid auftauchen, und quasi aus dem Nichts die Erde bedrohen, so wie man es aus den Hollywoodfilmen „Deep Impact“ oder „Armageddon“ kennt? Auch hier können wir Entwarnung geben. Seit 1998 sucht die amerikanische Raumfahrtorganisation Nasa gezielt nach kosmischen Gesteinsbrocken, die größer sind als ein Kilometer und die unserer Erde gefährlich werden könnten. Von diesen großen Asteroiden gibt es schätzungsweise etwa tausend. Mittlerweile hält die Nasa auch nach kleineren Körpern Ausschau, die häufiger vorkommen als die großen – man geht von etwa 15.000 Objekten aus, die größer als 140 Meter sind. Entdeckt hat die Nasa bis heute insgesamt 16514 Asteroiden verschiedener Größe: davon 881, die größer als ein Kilometer sind, und 7783 größer als 140 Meter. Wenn man die Asteroiden erst einmal entdeckt hat, kann man ihre Flugbahn berechnen und abschätzen, wie nah sie der Erde tatsächlich kommen werden. Bei allen, die man bisher gefunden hat, wird sich mindestens in den kommenden hundert Jahren keine Gefahr ergeben. Danach werden die Vorhersagen zu schlecht. Und man geht davon aus, dass man fast alle großen Asteroiden entdeckt hat, die es überhaupt gibt.

Allerdings gibt es dann immer noch viele kleine – und je kleiner, desto schwieriger sind sie zu finden, obwohl auch sie schon so zerstörerisch sein können wie eine Bombe, wenn sie über besiedeltem Gebiet niedergehen. Astronomen versuchen daher, auch diese kleinen Objekte in Himmelsdurchmusterungen möglichst lückenlos aufzuspüren. Wenn man dann entdecken würde, dass ein kleiner Asteroid auf die Erde zurast, könnte man rechtzeitig Menschen evakuieren oder den Asteroiden sogar in eine andere Richtung lenken. Dass die Erde in nächster Zukunft von einem Asteroiden ausgelöscht wird, können wir also mit hoher Wahrscheinlichkeit ausschließen. Aber wie sieht es mit anderen Gefahren aus, die uns aus dem All drohen könnten?

Ein Ereignis, vor dem sich manchmal Menschen fürchten, können wir von vornherein ausschließen: Die Erde wird keine Probleme mit einem Schwarzen Loch bekommen. Schwarze Löcher sind furchteinflößend, weil sie so ein starkes Gravitationsfeld besitzen, dass ihnen nichts, nicht einmal Licht, entkommen kann. Sie entstehen, wenn Masse sehr stark zusammengepresst wird. Unsere Erde würde zum Beispiel ein Schwarzes Loch sein, wenn man sie auf die Größe eines 5-Cent-Stücks zusammenpressen würde. Schwarze Löcher gibt es in verschiedenen Größen: kleine, die entstehen wenn schwere Sterne am Ende ihres Lebens in sich zusammenstürzen, und große, die im Zentrum von Galaxien sitzen und pausenlos alles schlucken, was sich ihnen nähert. In der Nähe der Erde befindet sich aber kein Schwarzes Loch, weder ein großes, noch ein kleines. Das Schwarze Loch im Zentrum der Milchstraße ist so weit entfernt, dass unsere ersten Vorfahren, die Cro-Magnon-Höhlenmenschen, heute erst dort ankommen würden, wenn sie vor knapp 30.000 Jahren mit einem Raumschiff mit Lichtgeschwindigkeit dorthin aufgebrochen wären. Auch bis zum nächsten leichteren bekannten Schwarzen Loch ist das Licht mehrere tausend Jahre unterwegs. Nichts deutet darauf hin, dass es in der Nähe der Erde ein Schwarzes Loch geben könnte, das eine Gefahr für uns darstellt.

Noch mehr Antworten auf neugierige Kinderfragen
Noch mehr Antworten auf neugierige Kinderfragen

Eine illustrierte Auswahl von Beiträgen unserer Kolumne „Wie erkläre ich’s meinem Kind?“ ist jetzt bei Reclam erschienen.

Zur Verlagsseite

Realistischer wäre die Gefahr einer Supernova-Explosion in relativer Nähe zu uns. Supernova-Explosionen ereignen sich am Ende des Lebens von Sternen und setzen ungeheure Mengen an Energie frei. Wenn ein Stern auf diese Weise explodiert, wird insbesondere energiereiche Strahlung freigesetzt, die Teile der Erdatmosphäre beschädigen würde. In unserer Milchstraße finden diese Explosionen durchschnittlich ein- oder zweimal pro Jahrhundert statt. Die meisten sind allerdings weit von der Erde entfernt. Hinweise auf Kandidaten in unserer Nähe, die in naher Zukunft explodieren könnten, gibt es keine. Ähnliche, aber noch erheblich zerstörerischere Auswirkungen auf die Erde als eine Supernova hätte ein sogenannter Gammablitz: Das sind hoch energiereiche Strahlungsausbrüche, deren Ursprung man noch nicht vollständig versteht. Man hat diese Ausbrüche bislang vor allem in anderen Galaxien beobachtet. Die Strahlung wird dabei stark gebündelt ausgesandt, so wie der Strahl eine Taschenlampe. Man nimmt an, dass sie von extremen Ereignissen hervorgerufen wird, wie bei der Entstehung massereicher Schwarzer Löcher oder der Verschmelzung von Neutronensternen. Die Wahrscheinlichkeit eines solchen Ereignisses in unserer Nähe ist aber noch geringer als diejenige einer Supernova-Explosion.

Ein anderes Risiko ist da schon schwerer einzuschätzen: die Möglichkeit, dass wir von feindlichen Außerirdischen attackiert werden könnten. Es gibt tatsächlich Wissenschaftler wie Stephen Hawking, die davor warnen. Hawking sagt, wenn uns tatsächlich Außerirdische finden würden, wäre es sehr unwahrscheinlich, dass sie zu uns mit freundlichen Absichten kämen. Da könnten wir von unserem eigenen menschlichen Egoismus auf andere schließen. Allerdings haben wir überhaupt keine Ahnung, ob es Außerirdische überhaupt gibt. Und wenn es tatsächlich welche gibt, ist die Wahrscheinlichkeit nicht gering, dass es sich eher um Bakterien und Mikroben handelt, als um intelligente Lebewesen. Andere Gefahren für die Menschheit, vor denen Hawking ebenfalls warnt, sind da im Vergleich schon sehr viel greifbarer: Klimawandel, Epidemien und das Problem, dass es immer mehr Menschen gibt. Wenigstens sind dies Probleme, bei denen man konkret etwas unternehmen kann, um sie zu lösen.

Eine Alternative wäre, so wie Hawking selbst vorschlägt, auf einen anderen Planeten auszuwandern. Aber wenn man sich anschaut, wie schön es auf der Erde ist und wie unwirtlich beispielsweise auf dem Mars, will man das nicht wirklich. In einer Milliarde Jahren wird das allerdings die einzige Option sein. Dann wird die Leuchtkraft der Sonne so zugenommen haben, dass es auf der Erdoberfläche zu heiß wird für die Existenz höherer Lebewesen. Aber ob es zu diesem Zeitpunkt überhaupt noch Menschen auf der Erde gibt, und wenn ja, welche technologischen Möglichkeiten diese haben werden, ist in etwa so spekulativ wie die Frage nach der Existenz von Aliens.

Quelle: FAZ.NET
Autorenbild/ Sybille Anderl
Sibylle Anderl
Redakteurin im Feuilleton.
Twitter
  Zur Startseite
Ähnliche ThemenStephen HawkingAlpen