Wie erkläre ich’s meinem Kind?

Was es heißt, Geheimnisse zu verraten

Von Marlene Grunert
 - 14:11
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Jeder Mensch hat Geheimnisse. Mal sind sie klein, mal sind sie groß, mal harmlos und mal aufregend. Der Philosoph Georg Simmel konnte dem Geheimnis viel abgewinnen. Er lebte vor etwa hundert Jahren und nannte das Geheimnis sogar „eine der größten geistigen Errungenschaften der Menschheit“. Aber was meinte er damit?

Kleine Kinder sprechen aus, woran sie denken. Erst wenn Menschen älter werden, merken sie, dass sie manches lieber nicht mit anderen teilen. Für Georg Simmel bedeutete die Fähigkeit, Dinge für sich zu behalten, eine „Erweiterung des Lebens“. Nicht etwa, weil man andere so hintergehen kann. Simmel fand, dass wir das, wovon nur wir selbst wissen, auf ganz besondere Art erleben. Im Verborgenen für einen Mitschüler zu schwärmen, fühlt sich doch anders an, als wenn die ganze Klasse davon weiß.

Selbst entscheiden, wer es wissen soll

Wie man mit einem Geheimnis umgehen möchte, ist erst einmal jedem selbst überlassen. Vielleicht verschweigt man seinen Eltern, dass man raucht? Vielleicht erzählt man von einem heimlichen Kuss nur seinem Tagebuch. Vielleicht weiht man aber auch eine Freundin in das Geheimnis ein und hofft, dass es bei ihr gut aufgehoben ist. Wenn sie es doch verrät, ist die Enttäuschung groß, schließlich hat man ihr vertraut. Der berühmte deutsche Dichter, Friedrich Schiller, hat die Freundschaft, die ein Geheimnis verbindet, einmal so beschrieben: „Die engsten Bande sind’s, die zartesten, die das Geheimnis stiftet!“

Nicht alle Menschen dürfen mit fremden Geheimnissen jedoch machen, was sie wollen. Hierzu gehören Ärzte. Sie dürfen nicht weitererzählen, was Patienten ihnen anvertrauen. Denn wenn man krank ist, darf man selbst entscheiden, wem man davon erzählt. Auch ein Priester darf nicht ausplaudern, was ihm ein Mensch gebeichtet hat, denn der vertraut darauf, dass sein Geheimnis in der Beichte gut aufgehoben ist.

Nur was man weiß, kann man auch kontrollieren

Verschwiegen müssen auch Menschen sein, die Staatsgeheimnisse kennen. Dem amerikanischen Präsidenten Donald Trump wird gerade vorgeworfen, ein wichtiges Geheimnis an den russischen Außenminister verraten zu haben. Aber was ist ein Staatsgeheimnis überhaupt?

Zu Staatsgeheimnissen zählen Dinge, die für die Sicherheit eines Landes wichtig sind. Dazu gehört die Taktik, mit der sich ein Land vor Terroristen schützen will. Damit das funktioniert, müssen manche Informationen geheim gehalten werden, sonst wäre die Taktik wirkungslos. Welche Dinge geheim bleiben sollen, ist aber nicht immer einfach zu bestimmen. Denn die Bürger wollen zwar sicher sein, sie haben aber auch ein Recht darauf zu wissen, was die Mächtigen tun. Nur was man weiß, kann man nämlich auch kontrollieren. Und die Kontrolle der Mächtigen ist eine Grundregel in unserem Land.

Warum Menschen Geheimnisse verraten

Donald Trump hat dem russischen Außenminister wohl ein Geheimnis erzählt, das Amerika von Israel anvertraut worden war. Es ging um geheime Pläne von Terroristen, die Israel mühsam herausgefunden hatte. Donald Trump hat zwar nicht gegen ein Gesetz verstoßen, denn in Amerika darf der Präsident selbst entscheiden, welches Geheimnis er lüftet. Viele sagen aber, dass Israel ihm in Zukunft vielleicht nicht mehr vertrauen wird. Die ganze Welt hat im Übrigen mitbekommen, dass Trump Geheimnisse nicht für sich behalten kann. Viele fragen sich deshalb, was den amerikanischen Präsidenten geritten hat.

Menschen verraten Geheimnisse aus unterschiedlichen Gründen. Manche decken ein Geheimnis auf, weil sie denken, dass es besser wäre, wenn viele davon wüssten. Andere verraten Geheimnisse, um sich zu rächen. Wenn zwei Freundinnen sich streiten, erzählt die eine hinterher vielleicht der ganzen Klasse von der heimlichen Schwärmerei der anderen. Und wieder andere Menschen wollen damit angeben, dass sie ein Geheimnis kennen. Zu ihnen gehört vielleicht auch Donald Trump.

Washington
Trump kritisiert Einsetzung von Russland-Sonderermittler
© Reuters, reuters
Quelle: FAZ.NET
Autorenporträt / Grunert, Marlene
Marlene Grunert
Volontärin
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