Wie erkläre ich’s meinem Kind?

Warum die Sportwelt die Paralympics feiert

Von Achim Dreis
 - 11:06

Entschlossenheit, Mut und starker Wille sind Eigenschaften, für die „Bandabi“ steht. „Bandabi“ ist ein asiatischer Schwarzbär und dient als offizielles Maskottchen der Paralympics 2018, die an diesem Freitag in der Olympiastadt Pyeongchang eröffnet werden. Entschlossenheit, Mut und starker Wille sind Schlüsselqualifikationen, die auch den paralympischen Athleten zugewiesen werden.

Körperliche Behinderungen und Hochleistungssport sind auf den ersten Blick zwei Komponenten, die nicht zusammen passen. Doch genau das ist der Denkfehler. Und genau darauf weisen die Sportler mit ihrem Einsatz auch hin. Sie fahren Ski, sie spielen Eishockey, sie machen Langlauf. Und überwinden ihre Handicaps, so gut es eben geht. Das wirkt bisweilen befremdlich. Doch das Problem liegt im Auge des Betrachters, nicht umgekehrt.

Die „Paralympischen Spiele“ sind in ihrem Ursprung an die Idee der Olympischen Spiele angelehnt. Sie werden seit 1960 im Sommer und seit 1976 auch im Winter ausgetragen. Seit 1988 in Seoul sowie 1992 in Albertville finden sie sogar am gleichen Ort wie Olympia statt, nur ein paar Wochen später. Doch der Weg bis zu dieser symbolischen Gleichberechtigung war weit und beschwerlich.

Der Begriff „Paralympics“ ist ein Kunstwort aus den englischen Worten Paraplegic („gelähmt“) und Olympics, erst Ende der achtziger Jahre wurde der Wortstamm auf den griechischen Begriff Para (für „neben“) umgedeutet. Damit soll die Nähe zur olympischen Bewegung und das Nebeneinander der Spiele ausgedrückt werden. Vorher übliche Begriffe wie „Weltspiele der Gelähmten“ oder „Olympiade der Behinderten“ deuteten eher in eine Versehrtenrolle. Heute rückt der Leistungsgedanke in den Vordergrund.

Bei den Winter-Paralympics in Pyeongchang stehen sechs Sportarten mit achtzig Disziplinen auf dem Wettkampfplan: neben Eishockey und Rollstuhl-Curling noch Ski Alpin, Langlauf, Biathlon und Snowboard. Um die Leistungen in diesen Sportarten halbwegs vergleichbar zu machen, werden die Athleten verschiedenen Kategorien zugeordnet: Stehend, sitzend und sehbehindert. Innerhalb der Kategorien unterscheidet man wiederum in Klassen, abhängig davon, ob die Sportler auf einem oder zwei Skiern fahren, mit oder ohne Stöcke. Aus den zehn alpinen Wettbewerben (jeweils fünf bei Männern und Frauen) kommen so dreißig Medaillenentscheidungen zustande. Dennoch bleibt die vollständige Vergleichbarkeit naturgemäß schwierig, denn nicht immer passen verschiedene Behinderungsformen in einem Wettbewerb zusammen.

Doch auch das ist eine Lektion, die sich aus den Paralympics lernen lässt. Die Vorbildfunktion der 570 Athleten aus 49 Ländern, darunter zwanzig Deutsche, kann nicht nur aus der reinen Leistung abgeleitet werden, sondern auch aus dem Umgang mit ihren Problemen: mit Unterschieden leben lernen, mit Schwächen akzeptiert werden, körperliche Unvollkommenheit als normal akzeptieren. „Bandabi“ war übrigens schon Co-Maskottchen der Olympischen Spiele in Pyeongchang: auch das ein Symbol für das angestrebte Miteinander.

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Quelle: FAZ.NET
Achim Dreis
Sportredakteur.
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