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Warum wir es an Silvester knallen lassen

Von Anke Schipp
 - 17:03

Silvester ist der Tag, an dem das Vakuum der Nach-Weihnachtszeit beendet ist. Zwischen den Jahren befindet sich der Mensch in einer Warteposition, Heiligabend ist vorbei, der Geschenkeberg abgetragen, der Weihnachtsbaum beginnt zu nadeln, keiner weiß so recht wohin mit sich. Da kommt Silvester genau zur rechten Zeit, der Tag, an dem das Jahr mit Pauken und Trompeten beendet wird. Aber warum lassen wir es nicht an Ostern knallen? Oder an Geburtstagen? Oder wenn der neue Bundespräsident gewählt wird? Und warum knallt es überhaupt?

Silvester gibt es schon ziemlich lange, genau seit 434 Jahren. Damals fand die Gregorianische Kalenderreform statt, die den letzten Tag des Jahres vom 24. Dezember auf den 31. Dezember verlegte, dem Todestag von Papst Silvester I. Dass es aber der Tag ist, an dem besonders viel Krach gemacht wird, geht nicht auf eine christliche Tradition zurück, sondern stammt aus der Zeit der Germanen. Die glaubten nämlich an den bösen Kriegsgott Wotan, der nach ihrer Überzeugung in den Wintermonaten sein Unwesen trieb. In der Nacht des 31. Dezembers sollte er besonders viel Unheil anrichten. Die Germanen zündeten Holzräder an, die sie über die Wege rollten, um den Geist mit viel Licht und Krach zu vertreiben. Im Mittelalter lärmten die Menschen mit Töpfen und Rasseln, die später von den sprichwörtlichen Pauken und Trompeten ersetzt wurden. Jäger begannen das Jahr traditionell mit Schüssen aus ihren Gewehren. Die ersten Feuerwerke wurden bei Hofe in die Luft geschossen. Später durfte das gesamte Volk das neue Jahr mit den Himmelsraketen begehen.

Und was hat Feuerwerk mit Grillen zu tun? Dass es heute vor allem Männersache ist. 79 Prozent der Männer schießen angeblich regelmäßig an Silvester Feuerwerkskörper ab. Vergleichbare Zahlen über Frauen sind nicht bekannt.

Mittlerweile ist Silvester ohne Feuerwerk nicht mehr vorstellbar. Mehr als 120 Millionen Euro geben die Deutschen dafür aus – Tendenz steigend, trotz Kampagnen wie „Brot statt Böller“, die dafür sorgen sollten, dass das Geld stattdessen gespendet wird. Mehr als die Hälfte des Silvester-Spektakels wird mittlerweile übrigens mit Batterie- und Verbundfeuerwerken bestritten, also jenen Böllern, die vor allem laut knallen, so als gelte es in der postgermanischen Zeit noch einmal mehr, das Böse vertreiben zu müssen – in der steten Hoffnung, dass im nächsten Jahr alles gut wird.

Quelle: FAZ.NET
Anke Schipp
Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
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