Feuilletonglosse

Teleterroristen

Von Felicitas von Lovenberg
 - 18:46

Menschen, die fröhlich behaupten, alles sei möglich, hatten offenbar noch nie mit der Deutschen Telekom zu tun. Wem da die Stunde schlägt, weil das Telefon läutet und eine Stimme einen Tarifwechsel vorschlägt, der lege schleunigst auf und gehe am besten nie wieder dran. Wobei letztere Notwehr wahrscheinlich unnötig ist, weil das Telefon bald danach ohnehin nicht mehr geht.

Denn Kunden mit – wohlweislich so genannten – Endgeräten, die noch über einen altmodischen Festnetzanschluss verfügen, schickt die Telekom schnurstracks in ihre Callcenter-Hölle, wo man ganze Abende lang in Warteschleifen schmort, bei Annahme mit Auftragsnummern und Ticket-IDs gepiesackt wird und mit der Versicherung, es werde sich jemand melden und gar kümmern, entweder in einer halben Stunde, bis morgen oder spätestens in vierzehn Tagen, wieder entlassen wird. Dass man die Telekom überhaupt anrufen kann, verdankt sich zu diesem Zeitpunkt allein dem Handy – doch wehe, dessen Nummer gehört zu Vodafone oder einem anderen Netzbetreiber! Schwupps, wird man aus der Leitung geworfen – natürlich erst nach lohnender Wartezeit.

Analog statt digital

Die Vermutung, dass einem das Lebewesen am anderen Ende der Leitung nicht nur helfen werde, sondern auch helfen könne, erweist sich bald als nichtig. „Was, Ihr ISDN-Anschluss ist auf analog umgestellt worden? Obwohl Sie das gar nicht bestellt hatten? Da muss ich Sie an unsere Technik durchstellen.“ Viele Minuten später: „Hören Sie? Da geht grad niemand dran. Es wird sich aber umgehend jemand bei Ihnen melden.“ Vierundzwanzig umgehende Stunden später ist das Telefon noch immer so tot wie sein Betreiber. Erneuter Handyanruf beim „Kundenservice“. „Wie lautet Ihre Nummer? Huch, das ist ja noch ein Analoganschluss!“ Nein, gute Frau, das ist erst seit neuestem ein Analoganschluss. Genauer gesagt, seit die Telekom ihn dazu gemacht hat. Versprechen nach einigem Hin und Her: Der ursprüngliche Anschluss wird systemintern wiederhergestellt. „Vor übermorgen klappt es aber leider nicht.“ Drei Abende später: kein Freizeichen.

Vor der Versuchung, zum Monopolbrecher zu werden und zur Konkurrenz wie 1&1 zu wechseln, wird dringend gewarnt: Ein Kollege ist seit sieben Wochen komplett stillgestellt. Also in Zeiten von technischer Allmacht, Trojanerüberwachung und Netzen ohne Löcher nicht die Hoffnung aufgeben, dass die Telekom es schafft. Letzter Stand: Am elften November, passend zum Karnevalsbeginn, soll das Telefon wieder leben. Vorher müsse aber noch ein Techniker „vorbeikommen“. Hoffentlich hat er einen Apparat mit Wählscheibe dabei.

Quelle: F.A.Z.
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