Staffel-Ende „Game of Thrones“

Schneeflöckchen, Weißröckchen, wann kommst du geschneit

Von Nina Rehfeld, Phoenix
 - 15:06
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Eine winzige Schneeflocke in King’s Landing und ein riesiger untoter Drache an der Mauer: Der Winter ist da in „Game of Thrones“. Üblicherweise ist schon die vorletzte Staffel-Episode der große Action-Knaller – doch die Schlussszene vom Finale der Staffel sieben raubte einem den Atem: Die gewaltige Mauer fällt, die gigantische Armee der Toten marschiert auf den Kontinent Westeros. Die anstehende Schlacht zwischen den Häusern Targaryen, Stark und Lannister um den Eisernen Thron steht endgültig im Schatten einer alles verschlingenden Vernichtung.

2011 hob die Serie nach den Romanen von George R.R. Martin mit einer unheimlichen Begegnung jenseits der Mauer an, und sieben Staffeln lang drehte sich im Grunde alles hierum: Ob die Geschichten der unheimlichen Monster, die jenseits der gigantischen Mauer leben, nicht bloß abergläubisches Geschwätz aus einer längst vergangenen Zeit sind – oder der geschickte Versuch, im komplizierten Schachspiel eines enormen Ensembles um das Erbe des Eisernen Throns, die jeweils anderen zu verunsichern. Am Ende von Staffel sieben ist die unmittelbare Realität dieser Gefahr nun allen Beteiligten klar – auch wenn das die Animositäten keineswegs beilegt.

Zwischen Inzest und Drachenmüttern

Ein kurzer Überblick für die, die das Ganze nicht mit religiösem Eifer verfolgen: Im Ring um den Thron stehen nun noch die Häuser Lannister, Stark und Targaryen. Cersei Lannister (Lena Heady), zu Beginn der Geschichte Ehefrau des Rebellen Robert Baratheon, hat sich selbst mit mörderischen Intrigen auf den Eisernen Thron bugsiert, ihr Zwillingsbruder Jaime (Nikolaj Coster-Waldau), mit dem sie eine inzestuöse Liebesbeziehung verbindet, steht ihr als Feldherr der Lannister-Armee zur Seite. Jaimes und Cerseis kleinwüchsiger Bruder Tyrion (Peter Dinklage), die heimliche Hauptfigur der Story und der cleverste Denker in Westeros, ist inzwischen Berater der „Drachenmutter“ Daenerys Targaryen (Emilia Clarke). Daenerys ist die Tochter des „wahnsinnigen Königs“ Aerys, die nach dessen Ermordung durch Jaime Lannister ins Exil nach Essos floh und sich dort über sieben Staffeln eine mächtige Armee aus befreiten Sklaven und kriegerischen Reitern aufgebaut hat. Außerdem verfügt sie über drei gigantische Drachen, die ebenso wie die White Walker von den meisten Westerosi bisher ins Reich der Märchen verwiesen wurden. Schließlich sind da die überlebenden Kinder des in der ersten Staffel hingerichteten Ned Stark (Sean Bean): Sansa (Sophie Turner) musste Ehen mit den übelsten Sadisten in ganz Westeros überstehen, Arya (Maisie Williams) ließ sich im Untergrund zur Attentäterin ausbilden, und Bran, (Isaac Hempsted-Wright) nach einem Fenstersturz in Staffel eins gelähmt, erlangte seherische Fähigkeiten. Und Jon (Kit Harington), Neds „Bastard“, sah als Mitglied der Wache an der Mauer die White Walker mit eigenen Augen, machte es sich zur Aufgabe, die Kunde zu verbreiten und wurde zum König im Norden ernannt. Zuletzt schloss er, während die drei Halbgeschwister im heimatlichen Winterfell die Zügel wieder in die Hand nahmen, eine Allianz mit der Drachenmutter Daenerys.

Seit Staffel sechs müssen die Serienautoren David Benioff und D.B. Weiss ohne die Vorlagen des Romanautors George R. R. Martin auskommen, und in Staffel sieben zeigten sie sich nun völlig entfesselt von der sorgfältigen Charakterzeichnung und von der minutiösen erzählerischen Logik Martins: Raben und Drachen, Einzelpersonen und ganze Armeen legten enorme Distanzen in lächerlicher Kürze zurück, und manche Handlungsabläufe erschienen fast bar jeder Logik. Stattdessen gab es sieben actiongeladene Episoden, die die Geschichte ihrem Ende in den noch kommenden sechs Folgen der achten Staffel zutrieben. Zu Beginn der Staffel schien Daenerys, die mit ihren feuerspeienden Drachen und ihrer gewaltigen Armee Westeros erreicht hatte, eine echte Hoffnung für den Sieg über die Eindämmung der eiskalten Zombiehorden aus dem Norden (und über die machttrunkene Cersei). Doch diese Hoffnung gefror in der vorletzten Folge, mitten in einer epischen Schlacht zwischen Jons Trüppchen von Todesmutigen und der zähneklappernden Zombiearmee.

Überraschungen bleiben aus

Immerhin: Es gelang Jon und seinen Mannen, einen Untoten gefangenzunehmen, um ihn Cersei als Beweis der alles überragenden Gefahr aus dem Norden zu präsentieren. Und doch resultierte die lange erwartete Zusammenkunft von Daenerys, Cersei und Jon im Finale nach zähen Verhandlungen nur scheinbar in einer geschlossenen Front gegen die Zombies. In Wirklichkeit stellt die erneut schwangere Cersei weiter ihre eigenen Machtphantasien in den Vordergrund. Einziger Lichtblick bleibt die Tatsache, dass die eiskalte Mörderin es nicht fertigbringt, ihren eigenen Brüdern den Garaus zu machen – auch wenn Tyrion ihr als Verräter der Familie erscheint und Jaime gegen ihre Pläne aufbegehrt.

Das Finale löste außerdem fast alle anderen Versprechen ein, denen die Fans über den Verlauf dieser Staffel entgegengefiebert hatten: Bran sprach endlich die vielfach angedeutete Tatsache aus, dass Jon kein Bastard, sondern der rechtmäßige Thronerbe ist. Die seltsame Animosität zwischen Sansa und Arya entpuppte sich als Meistertrick, der den schlüpfrigen Ränkeschmied Littlefinger (Aidan Gillen) den Kopf kostet. Und Jon und Dany landen endlich zusammen im Bett.

Große Überraschungen blieben im Finale aus – vielleicht abgesehen von der Aussicht, dass mit einer von Cersei avisierten Söldnerarmee in Staffel acht auch Elefanten mit im Spiel sein könnten. Aber immerhin ist die Ausgangslage für die letzte Staffel klar formuliert: Es geht hier nicht mehr um Ehre und Anstand, wie Jon sie einmal mehr etwas naiv und mit bitteren Konsequenzen verteidigt, und auch nicht um den Ruhm, den Cersei blindlings für ihre Blutlinie verlangt. Das brennendste Problem ist, wie Tyrion es formuliert: „Wir sind am Arsch.“

Quelle: F.A.Z.
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