Förderatlas 2018

Forschungsstärke ist stabil

Von Heike Schmoll
 - 12:28

Die Drittmittel sind schon seit langem das goldene Kalb in der Wissenschaftsförderung. Möglichst viele Drittmittel eingeworben zu haben bedeutet Forschungsstärke, die über längere Zeit aufgebaut wurde. Drittmittel kommen immer weniger aus der Wirtschaft, sondern hauptsächlich aus der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) oder von anderen öffentlichen Institutionen wie der EU oder dem Bund. Eingeworben werden können sie von Forschern an Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen. Für die Universitäten selbst sind die Rankings, die der alle drei Jahre erscheinende Förderatlas der DFG erfasst, enorm wichtig. Noch während der Vorstellung des Förderatlas veröffentlichten die Universitäten ihren eigenen Rangplatz und ihre Erfolge in unterschiedlichen Fächern.

Die Drittmittel sind weit überwiegend Forschungsgelder, während die Grundfinanzierung sich auf die Lehre, den Unterhalt von Gebäuden und die gesamte Infrastruktur bezieht. In den vergangenen Jahren waren die Drittmittel im Vergleich zur Grundfinanzierung erheblich gewachsen. Das hat zu enormen Schieflagen an den Hochschulen geführt, zu Problemen bei Heiz- und Stromkosten, bei Mietkosten und Gebäudeunterhalt. Nach dem neuesten Förderatlas stagnieren die Drittmittel bei 27 Prozent der Gesamtfinanzierung einer Universität. Die Grundmittel sind 2014 zum ersten Mal stärker gewachsen als die Drittmittel. Die staatliche Grundfinanzierung lag im Jahr 2015 bei 20 Milliarden, die Drittmittel bei 7,4 Milliarden. Er hoffe sehr, dass es sich dabei um eine überfällige Trendwende handele, sagte der noch amtierende Rektor der Universität Konstanz Ulrich Rüdiger, der künftig an der Spitze der RWTH Aachen stehen wird. Die Grundfinanzierung bildet für die Hochschulen das stabile Rückgrat, sowohl für Forschungserfolge als auch für ihre Lehr- und Transferleistungen. „Diese Stabilität ist von der Politik seit vielen Jahren sträflich vernachlässigt worden“, sagte Rüdiger. Die Hochschulen setzen darauf, dass sie die Trendwende im Finanzierungsverhältnis bei der Neuverhandlung des Hochschulpakts fortschreiben können.

Die Spitze der Rangliste

Der Generalsekretär des Stifterverbandes Andreas Schlüter begründete das abnehmende Interesse der Wirtschaft an der Kooperation mit Hochschulen damit, dass die Unternehmen private Partner und Forschungseinrichtungen im Ausland bevorzugen, etwa in Osteuropa, wo der Forschungsausbau einen starken Mint-Akzent hat. Außerdem verwies er auf Hürden durch die jeweiligen Landeshochschulgesetze. So hat Bremen mit einem restriktiven Transparenzgesetz die Unternehmen vergrault, weil die Hochschulen gezwungen werden, Themen, Ziele und Finanzierungen mit privaten Kooperationspartnern offenzulegen. Der Anteil der Wirtschaft an allen zusätzlich eingeworbenen Finanzmitteln der Hochschulen ist von 26 auf 19 Prozent gesunken, was der tiefste Wert seit der Wiedervereinigung ist. Dennoch liegt Deutschland beim Finanzierungsanteil der Wirtschaft im internationalen Vergleich immer noch an der Spitze.

Im Wettlauf um Drittmittel und Ranglisten ist der Platz der eigenen Universität für alle Wettbewerber enorm wichtig. Die Warnung des DFG-Präsidenten Peter Strohschneider klang ein wenig verzagt, als er sagte, es gehe schließlich nicht um Ranglisten, sondern um Qualität der Forschung. Bis 2009 hieß der Atlas Förderranking, aber das habe zu sehr nach Rangliste geklungen, sagte DFG-Generalsekretärin Dorothee Dzwonnek. Verhindern kann die DFG nicht, dass der Förderatlas weiter als Ranking wahrgenommen wird. Das zeigten die Reaktionen der Betroffenen.

Die Verbesserung der eigenen Position wie bei der Universität zu Köln hat im vergangenen Donnerstag vorgestellten Förderatlas 2018 der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) ihre Position deutlich verbessert. Sie ist in der Rangliste um vier Plätze auf Platz zwölf vorgerückt. In der Rangliste der Hochschulen mit den höchsten Bewilligungen insgesamt stieg die UzK um vier Ränge auf Platz 12. Die DFG bewilligte dabei im Zeitraum 2014 bis 2016 der UzK rund 216 Millionen Euro, das sind rund 57 Millionen Euro mehr im Vergleich zum Förderatlas 2015. An der Spitze der Rangliste der Drittmittel steht die Ludwig-Maximilians-Universität München, gefolgt von Ruprecht-Karls-Universität in Heidelberg und der RWTH-Aachen auf dem dritten Platz. Zu den spektakulären Aufsteigern gehört die TU Dresden, deren Ausnahmeentwicklung schon in früheren Förderatlanten bekräftigt wurde und die sich inzwischen auf Rang sechs der bewilligungsstärksten Hochschulen befindet. Um Dresden herum waren nach der Wende nicht nur außerordentlich viele außeruniversitäre Forschungseinrichtungen (Max-Planck-Institute, Helmholtz-Zentren, Fraunhofer Institute, Leibniz-Institute) angesiedelt worden, sondern im Rahmen des „Dresden-Concept“ hat die TU auch systematisch ihre Zusammenarbeit mit Museen und Kultureinrichtungen ausgebaut.

Deutschland profitiert mit am stärksten

Es gebe selten Hochschulen, die in mehr als zwei Förderbereichen überdurchschnittlich erfolgreich seien, sagte Strohschneider. Auffällig ist, dass die Berliner Humboldt-Universität und die Freie Universität bei der DFG-Förderung der Geisteswissenschaften an der Spitze stehen, bei den Lebenswissenschaften sind es München und Heidelberg, bei den Naturwissenschaften Mainz und Hamburg und bei den Ingenieurwissenschaften Aachen und Erlangen-Nürnberg.

Allein die DFG hat im vergangenen Jahr 32 581 Forschungsprojekte mit 3,15 Milliarden Euro gefördert. Das sind 120 Millionen mehr als im Jahr 2016 und insgesamt tausend Förderprojekte mehr. Davon wurden 8000 Projekte neu bewilligt. Die meisten Fördermittel erhielten die Lebenswissenschaften (Medizin, Biologie oder andere teure Forschungsbereiche) mit 1,1 Milliarden Euro, darauf folgen die Naturwissenschaften, die Ingenieurwissenschaften und die Geistes- und Sozialwissenschaften, hinzu kommen fächerübergreifende Projekte.

Deutschland gehört neben Großbritannien zu den EU-Ländern, die am stärksten von der europäischen Forschungförderung profitieren. Im Rahmen des EU-Programms „Horizon 2020“ warben deutsche Wissenschaftler laut DFG mit 3,9 Milliarden Euro die meisten Mittel ein, es folgt Großbritannien mit 3,6 Milliarden Euro und dann mit großem Abstand Frankreich (2,4 Milliarden Euro) und Spanien (2,1 Milliarden). Diese Ergebnisse zeigen, welche enormen Folgen der Brexit für das gesamte Forschungssystem hat. Inzwischen werfen britische Universitäten wie Oxford schon ihre Reputation in die Waagschale, um nicht völlig abgehängt zu werden.

Quelle: F.A.Z.
Heike Schmoll
Politische Korrespondentin in Berlin, zuständig für die „Bildungswelten“.
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