Über jüdisches Leben

Rolf-Joseph-Preis 2018

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Jüdisches Leben, was heißt das eigentlich? Welche Verhaltensweisen und Traditionen gehen damit einher, wie schaut man als Jude auf unsere Gesellschaft, unsere Geschichte, unsere Welt? Lebt man anders als Jude? Wie fühlt sich das an, Jüdisch-Sein? Ist das ein religiöses Gefühl oder kann man auch Jude sein, ohne zu glauben?

Auf all diese Fragen gibt es viele Antworten. Man kann sich von unterschiedlichen Ausgangspunkten auf die Suche begeben, eine Wissens-Expedition unternehmen, Recherchen anstellen, Experten befragen und den Alltag fremder Menschen kennenlernen, um sie zu beantworten.

Im Rahmen des Rolf-Joseph-Preises 2018 werden die interessantesten, einfallsreichsten und ehrlichsten Antworten ausgezeichnet und in der F.A.Z. beziehungsweise auf FAZ.NET veröffentlicht. Das Preisausschreiben richtet sich an Schülerinnen und Schüler der Klassen 8 bis 11 und hofft auf eine rege Beteiligung.

Teilgenommen werden kann in einer Gruppe oder allein, im Rahmen eines Unterrichtsprojekts oder in Eigeninitiative. Jede Einsendung hat eine Chance auf Veröffentlichung. Die besten Beiträger werden darüber hinaus zu einem Workshop-Tag im Spätherbst 2018 im Jüdischen Museum Berlin und einer festlichen Abendveranstaltung zusammen mit der Jüdischen Gemeinde in Berlin eingeladen. Als zusätzliche Anerkennung gibt es Geldpreise in Höhe von 300, 200 und 100 Euro zu gewinnen.

Themen gibt es wie Sand am Meer: Von der Frage, wie koschere Gummibärchen schmecken oder warum Matzeknödel nur an Feiertagen gegessen werden bis hin zu der, wie das Kino am Eckplatz 1933 aussah oder welche Geschichte sich hinter dem Stolperstein vor der Haustür verbirgt. Jüdisches Leben kann sowohl in der Vergangenheit wie in der Gegenwart (oder sogar in der Zukunft) untersucht werden. Gearbeitet werden kann allein oder in einer Gruppe.

Die Ergebnisse beziehungsweise Einsendungen können in allen denkbaren Formaten eingereicht werden: Text mit Bildern, Hörspiel, Kurzfilm, Zeitzeugeninterview oder dokumentierte Theater-/ Tanzaufführung – den Ideen sind keine Grenzen gesetzt. Das Layout-Team der F.A.Z wird ausgewählte Beiträge für die Zeitung oder für das Netz aufbereiten - so wie ein echter Artikel.

Wer also neugierig ist darauf, was „Jüdisch-Sein“ früher oder heute genau bedeutet und Lust hat, selbständig und ohne Schulbuch auf Entdeckungsreise zu gehen, der ist herzlich zur Teilnahme am Rolf-Joseph-Preis 2018 eingeladen!

Die Beiträge können – je nach Medium - auf einem USB-Stick, als E-Mail-Anhang oder per Post geschickt werden. Wichtig ist die Angabe des Vor- und Nachnamens sowie der Schule und Klassenstufe. Außerdem wird eine Telefonnummer, eine Postadresse oder eine E-Mail-Adresse benötigt, um Rücksprache zu halten und über den Gewinn zu benachrichtigen.

Einsendeschluss ist der 26. Juni 2018

Per Post können die Einsendungen an folgende Adresse geschickt werden:

Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH.
Feuilleton
C/O Simon Strauß
Hellerhofstraße 2-4
60327 Frankfurt am Main.

Per Mail: Hoch-Schule@faz.de

Weitere Informationen über die Geschichte des Preises, die Jury und Preisträger vergangener Jahre unter: http://rolfjosephpreis.de/

Der Namensgeber des Preises – Rolf Joseph

Rolf Joseph wurde am 11. Dezember 1920 als Sohn des Textilverkäufers Hermann Joseph und seiner Frau Recha in Berlin-Kreuzberg geboren.

Seine Kindheit verbrachte er in Berlin-Wedding, wo er ab 1926 die Volksschule besuchte. Als begabter Fußballspieler war er zusammen mit seinem jüngeren Bruder Alfred bei seinen Mitschülern sehr beliebt.

Die Zeit der behüteten Kindheit endete für Rolf Joseph Anfang der 1930er Jahre, als der erste Lehrer in SA-Uniform in die Schule kam. Mit der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten musste Rolf Joseph die Schule 1934 endgültig verlassen und begann eine Lehre als Tischler. Nachdem er zwischen 1938 und 1940 bei der IG Farben Zwangsarbeit verrichten musste, wurde ihm 1941 eine Stelle in einer Tischlerei zugewiesen. Die Meisterprüfung blieb ihm als Jude verwehrt.

Als die Eltern der Brüder im Juni 1942 von der Gestapo in das KZ Theresienstadt abtransportiert wurden und Rolf und Alfred Joseph selbst nur knapp der Deportation entkommen konnten, mussten sie sich verstecken. Die Brüder lebten einige Monate zusammen im Wald, doch dann bot ihnen die Lumpensammlerin Marie Burde, genannt „Mieze“, Unterschlupf in ihrer Wohnung an. Die Zeit des Versteckens bei Mieze endete, als Rolf Joseph eines Tages bei einer Straßenkontrolle verhaftet und nach längere Gefangenschaft auf einen Transport Richtung Auschwitz verladen wurde. Mit der Hilfe seiner Mithäftlinge gelang ihm jedoch der Sprung aus dem fahrenden Zug und die Flucht zu Fuß zurück nach Berlin.

Dies war nicht von langer Dauer: Es folgten wiederum Verhaftungen, Folter und knappes Entkommen, unter anderem durch den Sprung aus dem 2. Stock des Jüdischen Krankenhauses. Immer wieder war die Wohnung von Mieze die Anlaufstelle der Brüder, bis das Wohnhaus bei einem Bombenangriff abbrannte. In Miezes Laube in Schönow bei Bernau überlebten Rolf und Alfred Joseph bis zu ihrer Befreiung durch sowjetische Soldaten im April 1945.

Nach dem Krieg heiratete Rolf Joseph Lydia, eine deutsche Jüdin, die das KZ Ausschwitz überlebt hatte. Von seiner Familie war außer Alfred niemand am Leben geblieben. 1991 starb Lydia bei einem Autounfall.

Rolf Joseph wurde 1983 nach 28 Jahren Arbeit bei der Deutschen Waggon- und Maschinenfabrik pensioniert. Seitdem besuchte er regelmäßig Schulen und erzählte den Jugendlichen seine Überlebensgeschichte, um das Erinnern an diese Zeit aufrecht zu erhalten. 2002 wurde ihm für dieses Engagement das Bundesverdienstkreuz verliehen.

Am 28. November 2012 verstarb Rolf Joseph in Berlin-Charlottenburg.

Yorrick Reinhart, 24, Universität Mainz, 10. Semester Informatik

Quelle: FAZ.NET
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