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Arnold Schwarzenegger zum 70.

Mehr als Maul und Muskeln

Von Verena Lueken
 - 15:43
Schwarzenegger weint - in seinem jüngsten Film, „Aftermath“ Bild: Allstar/Signature Entertainment, F.A.Z.

Von wo aus der Blick auf Arnold Schwarzenegger fällt, hat viel – alles – mit dem Alter zu tun. Es gibt Menschen, für die er Mister Universum oder auch Mr. Olympia ist und bleibt, obwohl seine Bodybuilder-Titel bald fünfzig Jahre zurückliegen. Für die anderen wird er immer der „Terminator“ bleiben, vor allem aber „T2“, der ins Gute umprogrammierte Cyborg, der aussieht wie der Böse aus dem ersten Teil. 1984 (im selben Jahr spielte er auch „Conan, den Zerstörer“, bereits die Fortsetzung vom „Barbaren“, seinem noch früheren Kulthit) war das beziehungsweise 1991. Wer in diesen Jahren erst geboren wurde, denkt bei Schwarzenegger möglicherweise eher an den „Kindergarten Cop“, die deutlich weniger gewalttätige Version des gut trainierten Mannes aus der Steiermark mit der steilen amerikanischen Karriere, von dem man lange glaubte, er habe für die Schauspielerei zwar kein Talent, aber neben seinen Muskeln immerhin eine Menge Humor.

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Das mit den Muskeln und dem Humor stimmte, das Talent aber wurde lange einfach unterschätzt. Das hatte mit den Filmen zu tun, von denen nicht wenige unsäglich dämlich waren. Und bis heute unsäglich dämlich blieben, wie seine Auftritte in den „Expendables“-Filmen von Sylvester Stallone zeigen, des anderen Haudegens jener Jahre, der mit dem Geballer nicht Schluss machen kann. Damit wurde die Sache für den Zuschauer, der Schwarzenegger mit den alten Rollen im „Terminator“, in „Total Recall“ oder „True Lies“ verbindet, nicht besser. Wollte noch irgendwer jemals hören, wie Arnie sagt: „I’ll be back“? Selbst wenn dieser Witz von Bruce Willis (aus der Generation nach Schwarzenegger) noch einmal weitergedreht wurde, wenn er antwortet: „You’ve been back enough“? Das war in den „Expendables 2“ (2012), und es war wirklich genug. Auch, weil Schwarzenegger mehr oder weniger dasselbe tat wie am Anfang seiner Karriere, dabei nicht bedeutend anders aussah, obwohl Jahrzehnte und zwei Amtszeiten als kalifornischer Gouverneur, eine öffentliche Scheidung, einige Peinlichkeiten und Streit mit Donald Trump dazwischen lagen.

Filmtrailer
Filmtrailer: „Maggie“

Und dann entschied sich Schwarzenegger, es mit etwas anderem zu versuchen. Mit Rollen, in denen er alt ist. Rollen, in denen er Gefühle ausdrücken muss, die zum Schwersten überhaupt gehören. Trauer zum Beispiel. „Maggie“ und „Aftermath“, zwei seiner jüngsten Filme, hat er jeweils auch koproduziert. Beide Filme kamen in Deutschland nicht ins Kino, was nicht an der Leistung Schwarzeneggers liegen kann. In beiden Filmen spielt er Väter, alte Männer, die tun, was alte Männer tun, wenn sie Anstand haben: sich um ihre Töchter kümmern. Um sie trauern, wenn es dazu kommt. In „Maggie“ ist diese Tochter auf dem Weg zum Zombie, infiziert, aber von seiner Liebe getragen. In „Aftermath“ sind seine Tochter und Ehefrau unter den Opfern eines Flugzeugabsturzes. Mit einem Familienfoto in der Hand läuft er herum, um den Verantwortlichen, Rechtsanwälten, Beamten zu zeigen, was er verloren hat. Aber sie reagieren nicht. Und Schwarzenegger weint.

„Aftermath“ ist ein insgesamt umständlich inszenierter Film. Aber Schwarzenegger gelingt es, die Leere zu zeigen, die eine unfassliche Trauer in einem Menschen auslösen kann, und mit dieser Leere, die seine Bewegungen schlaff und sein Gesicht fahl erscheinen und seine Ausstrahlung erlöschen lässt, trägt er den Film paradoxerweise ein ganzes Stück weit. Endlich, so scheint es, kann er alt sein. Und es wirkt, als sei es eine große Erleichterung für ihn, dass wir, das Publikum, wenn wir ihm zuschauen, ihn lassen.

Deshalb vergessen wir seinen Körper, der jahrzehntelang im Zentrum stand. Den die Kamera abfuhr, von unten nach oben wie bei einem Pin-up. Jetzt konzentriert sie sich auf sein Gesicht. Und findet etwas, was wir nicht erwartet hätten. Am Sonntag wird Arnold Schwarzenegger siebzig.

Quelle: F.A.Z.
Verena Lueken
Redakteurin im Feuilleton.
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