FAZ plus ArtikelBilanz des Filmfestivals

Bisher hätte das in Cannes keine Chance gehabt

Von Verena Lueken
 - 10:58

Am Ende brennt der Porsche. Und könnte man den ganzen Schrott aus den Discountläden, vor denen Mädchen in rosa Miniröcken tanzen und singen und Kunden locken, dazuwerfen, dem Koreaner Lee Chang-dong wäre es recht. Er kam mit einem mysteriösen, melancholischen Film nach einer Kurzgeschichte von Haruki Murakami in den Wettbewerb. „Burning“ heißt der Film, weil der Mann mit dem Porsche behauptet, er brenne in abgelegenen Landstrichen verlassene Gewächshäuser nieder, was ihn entspanne. Aber das sehen wir nie. Wir sehen ihn herumfahren, selbstbewusst durch Cafés, Tiefgaragen und die Straßen schlendern, kochen, lesen. Wer er ist, erfahren wir nicht. Aber was aus ihm wird.

Vordergründig geht es um eine Dreiecksgeschichte in diesem bisher besten Film des Wettbewerbs. Aber sie verläuft nicht anhand der Gefühle, die wir mit solchen Geschichten verbinden – Liebe, Eifersucht, Trauer. Sie entfaltet sich vielmehr anhand von Erinnerungen, die nicht übereinstimmen, und von Erzählungen, die nicht ganz wahr sind, oder vielleicht doch? Einer der Jungen hat nichts außer den Schulden seines Vaters und eine verkommene Farm mit einer Kuh, einem verfilzten Kalb und einem Telefon, das nachts klingelt, ohne dass sich jemand meldet. Vor einem Kaufhaus tanzt eine junge Frau, die ihn von früher wiedererkennt. Sie hatte eine Schönheits-OP, erzählt sie gleich, deshalb erkennt er sie umgekehrt nicht sofort. Der Dritte ist der Mann mit dem Porsche. Die Frau ist erst beim einen, dann beim anderen, dann verschwindet sie.

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Quelle: F.A.Z.
Verena Lueken
Redakteurin im Feuilleton.
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