FAZ plus ArtikelAutorenkino in Cannes

Was wahrhaftig ist, ist gut

Von Verena Lueken, Cannes
 - 14:03
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Die Hauptpersonen des internationalen Autorenkinos, die in Cannes groß geworden sind, sind nicht alle hier in diesem Jahr. Aber einige schon, und ihre Arbeiten zeigen, was dieser Titel, ein „Protagonist des internationalen Autorenkinos“ zu sein, eigentlich bedeutet. Bei den meisten – denen, die Zugang zu Fördergeldern haben – bedeutet er erst einmal: Nicht aufs internationale Geschäft zu schielen. Bei allen: nicht ins Generische abzusinken, das vermeintlich überall gut geht, sondern zu erzählen und genau zu zeigen, wie die Gesellschaften und die Menschen in den Ländern aussehen, aus denen sie kommen. Wahrhaftigkeit ist ein gutes Stichwort. Mitgefühl als politische Haltung auch.

Jia Zhang-Ke leistet das für China. Kore-Eda Hirokazu für Japan. Jafar Panahi für Iran. Und Spike Lee, der nach einer Pause von etwa zwanzig Jahren erstmals wieder hier ist, auf seine ganz eigene Weise für die Vereinigten Staaten. Ihr Interesse ist auch soziologisch. Es ist kinematographisch insofern, als sie sich aufs Kino beziehen und unter Umständen im Genre arbeiten, wie Jia Zhang-Ke in diesem Jahr und Spike Lee, sowieso. Aber ihre Phantasie entzündet sich immer an Geschichten, die zu erzählen nur lohnt, wenn es ein Interesse an den Menschen und ihren Lebensverhältnissen, ihren Entscheidungen und dem, was sie zusammenhält, gibt. Bei Spike Lee ist es der Rassismus. Meistens ist es das Geld. Aber meistens nicht nur.

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Quelle: F.A.Z.
Verena Lueken
Redakteurin im Feuilleton.
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