Golden Globes

Über den roten Teppich ganz in Schwarz

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Emma Watson, Jessica Chastain, Emma Stone, Hugh Jackman und Christopher Plummer waren unter den vielen Stars, die am Sonntagnachmittag zur 75. Verleihung der begehrten Filmtrophäen über den roten Teppich vor dem Beverly Hilton Hotel in Los Angeles flanierten – fast alle ganz in Schwarz: Viele weibliche und männliche Stars erschienen am Sonntag gleichermaßen in in dunkler Robe, um ein Zeichen gegen sexuelle Belästigung und Vergewaltigung in der amerikanischen Unterhaltungsindustrie zu setzen.

Auslöser der Proteste war der Skandal um den amerikanischen Film- und Fernsehmogul Harvey Weinstein, der mehr als hundert Frauen sexuell belästigt oder gar vergewaltigt haben soll. Schauspielerin Meryl Streep, die eine goldene Weltkugel für ihre Arbeit in dem Mediendrama „The Post“ bekommen könnte, sagte dem Sender E! auf dem roten Teppich: „Die Leute sind sich jetzt eines Ungleichgewichts der Macht bewusst. Das hat zu Missbrauch in unserer Branche geführt. (...) Es ist überall.“ Die dreifache Oscar-Gewinnerin hob hervor, Männer und Frauen fühlten sich nun „ermutigt, in einer breiten, schwarzen Reihe zusammenzustehen“.

Mit einer kämpferischen Rede zu Frauen- und Bürgerrechten bedankte sich die Entertainerin Oprah Winfrey für einen Preis für ihr Lebenswerk. „Zu lang wurden Frauen nicht angehört oder ihnen wurde nicht geglaubt, wenn sie den Mut hatten, gegen die Macht von Männern aufzubegehren. Aber deren Tage sind gezählt!“, rief Winfrey den Stars zu, die die Entertainerin mit stehendem Applaus feierten.

Die 63-Jährige erinnerte am Sonntag daran, wie sie in den 1960er-Jahren als kleines Mädchen den Oscar-Sieg des schwarzen Regisseurs und Schauspielers Sidney Poitier verfolgte. „Ich möchte, das heute alle Mädchen wissen, dass ein neues Zeitalter am Horizont anbricht.“ Es bahne sich eine Zeit an, in der niemand mehr „Me Too“ sagen müsse, sagte Winfrey mit Blick auf die Missbrauchsdebatte, die unter dem Motto „Ich auch“ in den vergangenen Monaten für Schlagzeilen gesorgt hatte.

Viele Männer, die ohnehin im schwarzen Smoking gekommen wären, hatten bereits im Vorfeld ihre Unterstützung zum Ausdruck gebracht und trugen nun zusätzlich ein schwarzes Hemd unter dem schwarzen Jackett. „Ich denke nicht, dass dies ein stiller Protest ist. Das wird die Leute dazu bringen, über das Thema zu sprechen“, sagte Schauspieler David Thewlis.

Aktivistinnen begleiten die Stars

Emma Watson und Laura Dern zählten zu einer Reihe weiblicher Stars, die von acht Frauen-Aktivistinnen zu der Gala begleitet wurden. Meryl Streep etwa kam mit Ai-jen Poo, der Vorsitzenden der Nationalen Vereinigung der Hausangestellten. Tarana Burke, die die #MeToo-Bewegung gegen sexuelle Übergriffe gestartet hatte, befand sich ebenfalls unter den Gästen und hatte zuvor die Teilnahme der Aktivistinnen angekündigt. Als Zeichen der Solidarität für mehr Geschlechtergleichheit trugen viele Stars einen Anstecker der Initiative „Time's Up“ (Die Zeit ist vobei). Der Bewegung, die auch einen Rechtsfond finanziert, gehören Filmstars wie Meryl Streep, Emma Stone, Cate Blanchett und Gwyneth Paltrow an.

Trotz der ernsten Botschaft verzichteten viele Stars aber nicht auf ausgefallene oder gewagte Kreationen bei ihren Kleidern. Oscar-Gewinnerin Catherine Zeta-Jones kam in einem langen Kleid mit tiefem Ausschnitt und durchsichtigem Rock. Farbtupfer gab es auf dem roten Teppich nur sehr wenige – hier mal ein grüner Lidschatten, dort mal eine orange Schärpe.

Die Golden Globes werden vom Verband der Auslandspresse in Hollywood vergeben. Die Filmpreise gelten als Stimmungsbarometer für die Oscar-Verleihung, die in diesem Jahr am 4. März stattfinden soll. Die Goldenen Weltkugeln, nach den Oscars Hollywoods höchste Auszeichnung, werden vom Verband der Auslandspresse (HFPA) in 25 Film- und Fernseh-Kategorien verliehen. Das Fantasymärchen „Shape of Water - Das Flüstern des Wassers“ von Guillermo del Toro ist mit sieben Nominierungen der Favorit des Abends. Jeweils sechs Gewinnchancen haben Steven Spielbergs Politfilm „Die Verlegerin“ und der Kriminalfilm „Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“. Der deutsche Regisseur Fatih Akin könnte mit dem NSU-Drama „Aus dem Nichts“ den Globe für den besten nicht-englischsprachigen Film holen.

Quelle: AFP/dpa/chrs.
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