Nippon Connection Filmfestival

Japan wird größer

Von Eva-Maria Magel
 - 20:30

So kann man es natürlich auch machen: Einen Film drehen, der mit exakt 304 Minuten noch Sion Sonos „Love Exposure“ (2008) um eine gute Stunde überbietet – aber dann behauptet Yoshiyuki Kishi einfach, es handle sich um zwei Filme: „Wilderness 1 & 2“ läuft jetzt in der Sektion „Nippon Visions“ beim 18. Nippon Connection Festival für den japanischen Film. Mit den „Visions“ versammelt das im Jahr 2000 gegründete Festival seit geraumer Zeit Debütfilme, Experimentelles und Filme abseits der ausgetretenen Studiopfade, in denen auch etablierte Regisseure Neues versuchen.

Entdeckungen nicht nur in der Reihe „Visions“ können auch dieses Jahr wieder gemacht werden, wenn von 29. Mai bis 3. Juni das 18. Nippon Connection im Festivalzentrum des Frankfurter Mousonturms, in der benachbarten Naxoshalle und an zahlreichen weiteren Orten stattfindet. Neben einem wiederum erweiterten Kulturprogramm von Nudelsuppe bis Rudelkaraoke und Open-Air-Konzerten hat das Festival, das größte für den japanischen Film überhaupt, erstmals eine eigene Programmreihe für Dokumentarfilme eingerichtet, ein Genre, das ebenso zulegt wie internationale Koproduktionen, denn unangepasste Projekte, so Festivalleiterin Marion Klomfaß und Film-Koordinator Mircea Ogrin, seien auch in Japan schwer zu finanzieren.

Familiendramen und Liebeskomödien

Große neue Studioproduktionen etwa von Regiestar Takeshi Kitano bietet wieder die Reihe „Nippon Cinema“, von Familiendramen über Liebeskomödien bis zu Gangsterfilmen ist beinahe jedes Genre des japanischen Films vertreten, und dem im Schwinden begriffenen einst so stolzen Genre des Schwertkampf-Films widmet das Festival in diesem Jahr eine Retrospektive unter anderem mit Klassikern von Akiro Kurosawa.

Insgesamt sind mehr als 100 Lang- und Kurzfilme während des Festivals zu sehen, erstmals hat Nippon Connection auch eine Kooperation mit der Internetplattform filmconfect-festivals.eu, um einzelne Filme als Video on demand anbieten zu können. Zum Bedauern der Festivalmacher sei es bislang nicht gelungen, genügend hiesige Kinos zu gewinnen, auch über das Festival hinaus vor allem die Dokumentarfilme weiter zu zeigen. Beim Publikum allerdings stößt das Festival weiter auf reges Interesse: 3200 Karten waren gestern schon verkauft, einige Veranstaltungen des Rahmenprogramms sind schon ausgebucht.

Quelle: F.A.Z.
Eva-Maria Magel
Kulturredakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.
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