Kinovorschau

Die Beatles erobern den Polarkreis

 - 11:04
zur Bildergalerie

Von Donnerstag an im Kino: Wie der Rock'n'Roll in der schwedischen Provinz Wellen schlägt und Meryl Streep als Therapeutin in der Zwickmühle steckt. Außerdem die bezaubernde Zhang Ziyi als „Geisha“ und der polterige Ben Becker als „Ein ganz gewöhnlicher Jude“.

Populärmusik aus Vittula

Drama, Schweden / Finnland 2004.

Das Leben ist schlicht und rauh in Pajala hoch oben in Nordschweden. Die Dorfbewohner sind schweigsam, störrisch, religiös. Ihre Freizeit verbringen sie mit Saufgelagen, Saunawettbewerben und Fingerhakeln. In dieser Einöde und Urwüchsigkeit träumen die beiden Freunde Matti und Niila in den sechziger Jahren davon, in die große weite Welt aufzubrechen. Der iranischstämmige Regisseur Reza Bagher hat mit „Populärmusik aus Vittula“ den gleichnamigen skandinavischen Bestseller von Mikael Niemi verfilmt - und ein großartiges, ebenso trauriges wie komisches Bild der eigentümlichen Einwohner Pajalas gezeichnet.

Matti und Niila sind schon von Kindheit an beste Freunde, die alles miteinander teilen. Als Niila die Beatles-Single „Rock'n'Roll Music“ geschenkt bekommt, sind er und Matti von der Beatmusik so elektrisiert, daß sie sich ihr fortan ganz verschreiben. Dann kommt auch noch der neue Musiklehrer Greger an ihre Schule und gründet eine Rock'n'Roll-Band, so wird das Musikmachen für sie zum bestmöglichen Weg aus der Trostlosigkeit des kleinen Ortes an der finnischen Grenze.

Die Geisha

Historienfilm, Vereinigte Staaten 2005.

Der amerikanische Regisseur Rob Marshall („Chicago“) verfilmte „Die Geisha“, den auf Erinnerungen einer Geisha basierenden Roman von Arthur Golden, als Produzent stand ihm Steven Spielberg zur Seite. 1929 verkauft ein armer japanischer Fischer seine neunjährige Tochter Chiyo (gespielt von der Chinesin Zhang Ziyi) an ein Geisha-Haus in Kyoto. Dort soll die Kleine wider Willen in dem traditionsreichen Beruf ausgebildet werden. Doch die Chefin schikaniert das begabte Mädchen und degradiert es zur Dienstmagd.

Die berühmte Geisha Mahema (Michelle Yeoh) kauft Chiyo schließlich frei und bildet sie sorgfältig in Tanz, Gesang, Musik, Konversation und Teezeremonie aus. Als bezaubernd schöne Geisha Sayuri wird Chiyo so die teuerste Edel-Gesellschafterin im Vorkriegsjapan. Ihr Herz gehört jedoch längst dem „Direktor“, einem smarten Geschäftsmann, der ihr als Kind eine Eistüte schenkte und sie damit aus dem Tal des Kummers holte. Doch Leidenschaft ist für eine Geisha tabu, und so leidet Chiyo mit ihrer geheimen Sehnsucht nach Liebe (siehe auch: Kino: Schauspielerin Zhang Ziyi in der Kritik).

Couchgeflüster - Die erste therapeutische Liebeskomödie

Komödie, Vereinigte Staaten 2005.

Ben Youngers „Couchgeflüster“ ist eine verzwickte Dreiecksgeschichte. Rafi (Uma Thurman) ist sich mit ihren 37 Jahren bewußt, daß ihre biologische Uhr tickt. Psychotherapeutin Lisa Metzger (Meryl Streep) soll Rafi professionell helfen, mit ihrer gescheiterten Ehe und dem bisher unerfüllten Kinderwunsch umzugehen. Deshalb findet die Therapeutin Rafis Affäre mit dem sehr viel jüngeren David (Bryan Greenberg) in Ordnung.

Jedenfalls so lange, bis sie merkt, daß es sich bei dem Lover um ihren eigenen Sohn handelt. Als Rafi ihr immer mehr intime Details aus dem Liebesleben mit ihrem Neuen erzählt, hat die Therapeutin einen schwierigen Kampf mit sich selbst auszufechten. Rafis Alter, ihre jüdische Abstammung und der Kinderwunsch bringen die Mutter an den Rand des Nervenzusammenbruchs, so daß auch sie therapeutische Hilfe aufsuchen muß.

Ein ganz gewöhnlicher Jude

Drama, Deutschland 2005.

„Ein ganz gewöhnlicher Jude“ heißt die knapp neunzigminütige Soloperformance von Ben Becker, ein Kinomonolog, wie ihn Regisseur Oliver Hirschbiegel schon vor vier Jahren mit Hannelore Elsner für „Mein letzter Film“ einstudiert hat. War es der Wunsch nach Abwechslung, war es unverlangte Buße, womöglich stille Konsequenz, die von den bröckelnden Charaktermasken im Führerbunker zur Identitätskrise eines deutschen Juden von Mitte Vierzig führte? Becker spielt den 1959 in Deutschland geborenen Journalist Emanuel Goldfarb, der von der jüdischen Gemeinde einen Brief erhält mit der Bitte eines Lehrers, ein Mitglied der Gemeinde möge sich den Fragen seiner Schulklasse stellen. An diesem politisch beflissenen, mit einem anbiedernden „herzlichen Schalom“ unterzeichneten Schreiben entzündet sich Goldfarbs Wut.

Das Drehbuch des Schweizer Autors Charles Lewinsky erzählt von der Verzweiflung Goldfarbs, der sich in einem imaginären Dialog Luft macht. Ben Becker ist bestimmt nicht der richtige Darsteller dafür. Es ist eine dieser Rollen, auf welche die handelsüblichen Adjektive wie furios und meisterlich herabrieseln, obwohl Becker sie mit jener kraftmeiernden Selbstgefälligkeit bewohnt, mit der er noch seine tragischsten Rollen ausstattet wie einen Anzug mit zu dicken Schulterpolstern. Er darf aufdrehen, immer ein wenig zu druckreif deklamieren, bis man glaubt, man säße in einem deutschen Subventionstheater.

Hallesche Kometen

Drama, Deutschland 2003.

Ben (Hanno Koffler), Anfang 20, wohnt seit dem Tod seiner Mutter mit seinem Vater Karl (Peter Kurth) zusammen. Die beiden haben sich in ihrer Plattenbau-Wohnung am Stadtrand von Halle eine Art freundschaftliche WG eingerichtet, doch Ben möchte aus dieser harmonischen Langeweile raus. Neugierig auf die Welt, hat er klare Vorstellungen von seiner Zukunft, die nicht in Halle stattfinden soll. Doch Karl bremst seinen Sohn in dessen Wünschen.

Ben ist hin- und hergerissen zwischen seinen Lebensträumen und seiner Liebe zu seinem Vater, den er nicht im Stich lassen will. Von seiner Freundin Jana (Marie Rönnebeck) erhofft er sich Hilfe bei seinem Versuch, aus dieser Zwickmühle auszubrechen. Regisseurin Susanne Irina Zacharias' Debütfilm ist ursprünglich für die ZDF-Reihe „Ostwind“ entstanden und kommt nun etwas verspätet auch auf die Kinoleinwand.

Blackout Journey

Drama, Deutschland / Österreich 2004.

Vor zwanzig Jahren kamen bei einem Terroranschlag die Eltern von Mio (Marek Harloff) und Valentin (Arno Frisch) ums Leben. Die Brüder wurden getrennt bei Pflegefamilien untergebracht, Mio in Leipzig und Valentin in Österreich. Dort wächst der schizophrene Junge als Bergbauer auf, ohne von der Existenz seines Bruders zu wissen.

Nun haben beide Brüder aber einen Anspruch auf Entschädigung für den Verlust ihrer Eltern, den sie nur gemeinsam anmelden können. Also macht sich Mio mit seiner Freundin Stella (Mavie Hörbiger) auf den Weg zu seinem Bruder - im Gepäck eine Vielzahl von Problemen, von denen er nur zum Teil ahnt. Für TV-Produzent Siegfried Kamml ist dieses dramatische Roadmovie seine erste Regiearbeit.

Roll Bounce

Komödie, Vereinigte Staaten 2005.

Ende der siebziger Jahre gibt es in Chicago das endgültige Freizeitvergnügen für Jugendliche, das Regisseur Malcolm D. Lee in „Roll Bounce“ thematisiert: Discotanz auf Rollschuhen. Xavier (Lil' Bow Wow) hat gerade seine Mutter verloren und möchte seinem Vater Curtis (Chi McBride) am liebsten aus dem Weg gehen. Also vergnügt er sich mit seinen besten Freunden auf der Rollschuhbahn.

Er verliebt sich in Naomi (Meagan Good) und bekommt harte Konkurrenz: Sweetness (Wesley Jonathan), König der Rollschuhbahn, will auch bei Naomi landen. Als Arena für den Wettstreit kommt natürlich nur die Rollschuh-Disco in Frage. Bei der jährlichen Meisterschaft geht es also um mehr als nur um den Titel.

Ein Trauzeuge zum Verlieben

Komödie, Großbritannien 2005.

Der britische Regisseur Stefan Schwartz erzählt in seiner Komödie von Schriftsteller Olly (Stuart Townsend), der zwar einen Vorschuß von 50.000 Pfund für einen neuen Roman in der Tasche hat - nur leider eine Schreibblockade. Sein Geld verdient er sich als Sekretär einer Karrierefrau, Unterschlupf findet er bei seinem Freund Murray.

In der Hoffnung auf Ablenkung geht Olly zur Verlobungsfeier eines Freundes, für den er Trauzeuge sein soll. Dummerweise verliebt er sich in die Braut Sarah (Amy Smart). Verwicklungen sind programmiert, denn von nun an ist Ollys einziges Ziel, die Hochzeit zu sabotieren und die Braut für sich zu gewinnen.

The Graffiti Artist

Drama, Vereinigte Staaten 2003.

In „The Graffiti Artist“ zeichnet Regisseur James Bolton ein realistisches Bild der Sprayer-Szene, die in den Vereinigten Staaten seit kurzem durch Gefängnisstrafen bedroht ist. Protagonist Nick ist ein introvertierter Typ, der nur eine große Passion hat: Graffiti. Nachts streift er durch Portland, um Häuserwände oder Eisenbahnwaggons mit seinen Tags zu besprühen. Sein bevorzugtes Motiv sind verfallende Stadtlandschaften.

Auf einem seiner nächtlichen Streifzüge begegnet Nick dem Sprayer Jesse. Es entsteht eine Freundschaft, die auf die gemeinsame Leidenschaft Graffiti reduziert ist. Wegen unterschiedlicher ästhetischer Auffassungen kommt es immer wieder zum Streit zwischen den beiden Freunden. Doch zwischen den beiden Jugendlichen entsteht auch eine erotische Spannung, die Konfliktstoff in sich birgt.

Pietje Bell und das Geheimnis der schwarzen Hand

Kinderfilm, Niederlande / Deutschland / Belgien 2002.

Regisseurin Maria Peters verfilmte das Kinderbuch von Chris van Abkoude, in dem die Hauptrolle der achtjährige Pietje spielt, der Chef einer Bande, genannt „Die schwarze Hand“. Im Rotterdam der dreißiger Jahre treiben sie ihr (Un-)Wesen. Als der abenteuerlustige Pietje eines Tages mit einem seiner Streiche in der Zeitung landet, wirbelt er öffentlichen Staub auf und verhilft einer Zeitung zu Schlagzeilen und finanziellem Erfolg.

Doch bald wendet sich das Blatt - Pietje wird das Opfer von Gerüchten und will sich wehren. Er gründet die „Schwarze Hand“, deren Symbol schon bald die ganze Stadt verziert. Mit dieser Bande versucht der Mini-Robin-Hood den Kampf gegen die Verleumdungen der Zeitung und gegen die wahren Verbrecher aufzunehmen.

Minik

Dokumentarfilm, Deutschland 2005.

Franz Boas, Kurator des American Museums of Natural History, machte einst den Vorschlag, einen Eskimo nach New York zu bringen, wo man ihn in Ruhe studieren könne, galten doch die Eskimos für Anthropologen als eine rare Spezies. Im Oktober 1897 kehrte der Arktis-Forscher Robert Peary von einer Grönlandexpedition mit fünf Polareskimos nach New York zurück.

Als der Eskimoclan für Franz Boas nicht mehr interessant war, wurden sie provisorisch im Keller des Museums untergebracht, wo sie „dank“ der Umgebung an Lungenentzündung und Tuberkulose erkrankten, was bis auf Minik alle Eskimoclanmitglieder mit dem Leben bezahlten. Regisseur Axel Engsfelds Collage aus Archivmaterial, Dokumenten und nachgespielten Szenen spürt dem weiteren Werdegang des kleinen Minik einfühlsam nach.

Die Zauberflöte

Oper, Deutschland 1983.

Vom Sonntag, 22. Januar an, ist in ausgewählten Programmkinos Mozarts „Zauberflöte“ in einer Inszenierung von August Everding zu sehen. Es handelt sich um eine Live-Aufnahme aus der Bayerischen Staatsoper von 1983, dirigiert von Wolfgang Sawallisch.

Die Zauberflöte ist nicht nur Opernfreunden ein Begriff. In nur drei Wochen schrieb Mozart diese „Teutsche Oper“ kurz vor seinem Tod 1791. Es ist die Geschichte des Prinzen Tamino, der sich unsterblich in Pamina, die Tochter der Königin der Nacht verliebt. Auf der Suche nach ihr begegnet er unter anderem dem Vogelfänger Papageno, der sich - ebenfalls auf der Suche nach seinem „Mädchen oder Weibchen“ - dem Prinzen anschließt.

Quelle: @aper mit Material aus der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung, von AP und der dpa
  Zur Startseite
Ähnliche ThemenMeryl StreepOliver HirschbiegelSteven SpielbergUma ThurmanChicagoDeutschlandFinnlandKyotoUSAÖsterreichThe BeatlesUSA-Reisen