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Morgan Freeman wird 80

Ein Schauspieler, der zufällig schwarz ist

Von Christian Geyer
 - 12:35
Vom Nutzen eines begriffenen Lebens: Morgan Freeman wird heute achtzig. Bild: AP, F.A.Z.

Morgan Freeman, dieser große liberale Humanist Hollywoods, hat verschiedentlich erklärt, er wolle nicht als schwarzer Schauspieler bezeichnet werden. Wie das? In etlichen seiner Filme geht es um die Rechte der Schwarzen und deren Unterdrückung, von „Malcolm X – Tod eines Propheten“ über „Miss Daisy und ihr Chauffeur“ bis hin zu „Amistad – Das Sklavenschiff“ und natürlich zentral bei seiner Nelson-Mandela-Verkörperung in Clint Eastwoods Film „Invictus“ (wahrhaftig, Freeman verkörpert Mandela hier in dessen ganzer schwerfälliger Körperlichkeit, mit einer frappierenden Genauigkeit bis hin zum verzögerten Sprachduktus).

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Da gibt es ja nun gar kein Vertun: Freeman rechtet gegen Rassismus, wo immer sich ihm die Gelegenheit dazu bietet; zuletzt legte er sich in dieser Sache auch mit Aktionären von Time Warner an. Für Barack Obama hat er sich vor und während dessen Präsidentschaft politisch engagiert, Und Donald Trump zelebriert er very sophisticated als Unthema. Aber Morgan Freeman, ein schwarzer Schauspieler? Da sei man bei ihm an der falschen Adresse.

Was er damit sagen will, hat er anlässlich des Films „Deep Impact“, in welchem Freeman den Präsidenten Tom Beck spielt, so formuliert: „Ich spiele nicht den ersten schwarzen Präsidenten. Ich spiele den Präsidenten, der zufällig schwarz ist.“ Den Rassismus bekämpfen, indem man dem Merkmal der Hautfarbe jene Kontingenz zuspricht, die es hat, es als unerheblich kenntlich macht, also unkenntlich macht – statt es als schützenswert zu verstärken: Das ist die von Freeman persönlich favorisierte Linie, um den Universalismus der Menschenrechte zu unterstreichen, der in der Wurzel etwas anderes meint als die Addition von schützenswerten Partikularismen. Weswegen es Morgan Freeman beispielsweise auch vermeidet, im Zusammenhang mit coloured people das eingebürgerte Wort der community zu verwenden. Das komme, so ließ er wissen, doch einer sprachlichen Selbst-Ghettoisierung gleich.

Andererseits, wo das Ressentiment Wurzeln geschlagen hat, wo rassistische Raster eingefahren sind, da hält sich auch Freeman nicht mit einem philosophischen Purismus auf; da kennzeichnet auch er „die Schwarzen“ als eigene Minderheit, deren Rechte zu verteidigen sind und deren Missachtung immer und überall auf die Missachter zurückfällt und ihre Blöße sichtbar macht, die sie sich mit jedem Ausfall gegen die Farbigen geben: nämlich ein unbegriffenes Leben zu führen und daran noch nicht einmal zu leiden.

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Dass Morgan Freeman als ein schlechthin reifer Mensch wahrgenommen wird (quasi im Sinne eines Freeman-Apriori), mag einerseits damit zu tun haben, dass diesem herausragenden, am Theater beheimateten Charakterdarsteller erst spät der Durchbruch im Film gelang. Und doch ist ja auch die Zone fünfzig plus alles andere als idiotenfrei.

So verdanken sich Freemans Überlegenheit, seine Unabhängigkeit vom Betrieb doch eher einem Pflichtbegriff: der Pflicht, seine Träume ernst zu nehmen. Wenn der Mensch auch sonst keine Pflichten hätte, dann doch diese: sich Schritt für Schritt auf seine eigene Wurzel hin zu radikalisieren. Das Gefängnisdrama „Die Verurteilten“ steht für diese innere Gesetzestreue, egal, was das äußere Gesetz – hier das Knastgesetz der gnadenlosen Vorteilsnahme – auch verlangt.

Kinotrailer
Kinotrailer: „London has fallen“

In dieser Anverwandlung einer Stephen-King-Novelle („Rita Hayworth and Shawshank Redemption“) hat uns, so sieht es nach mehr als zwei Jahrzehnten aus, Morgan Freeman alles überliefert, was er am Menschsein für wesentlich hält. Wie sanft Freemans radikale Töne in immer neuen Filmen ausfallen! Heute wird er achtzig Jahre alt.

Quelle: F.A.Z.
Christian Geyer-Hindemith
Redakteur im Feuilleton.
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