Kommentierte Ausgabe

Ministerin will „Mein Kampf“ im Unterricht lesen lassen

 - 07:18

Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (CDU) hat gefordert, die kommentierte Neuausgabe von Adolf Hitlers „Mein Kampf“ bundesweit im Schulunterricht einzusetzen. „Die kritische Edition vom Institut für Zeitgeschichte München hat genau das Ziel, zur politischen Bildung beizutragen und ist entsprechend allgemeinverständlich geschrieben“, sagte Wanka der Zeitung „Passauer Neue Presse“.

Sie begrüße es, „dass einem breiten Publikum damit eine wissenschaftlich fundierte Einordnung zur Verfügung steht und die Aussagen Hitlers nicht unwidersprochen bleiben“. Ziel der kommentierten Ausgabe ist die Entmystifizierung der Hetzschrift. Die Originaltexte von Hitler sind darin mit Tausenden wissenschaftlichen Kommentaren sowie einer Einleitung und einem Register versehen.

„Schüler werden Fragen haben“

Das Thema werde in den kommenden Wochen auch medial eine große Rolle spielen, wenn sich ab Januar die Rechtslage ändere und der Urheberrechtsschutz für das Machwerk ende, zeigte sich die Bildungsministerin überzeugt. „Damit ist das Buch öffentlich verfügbar“, sagte Wanka. „Schülerinnen und Schüler werden also Fragen haben - und es ist richtig, dass sie diese im Unterricht loswerden und über das Thema sprechen können“, fügte sie hinzu.

Hitler hatte nach dem gescheiterten Putsch von 1923 in München während seiner Haft mit der Arbeit an „Mein Kampf“ begonnen und die Schrift nach seiner Freilassung beendet.

Urheberrechte laufen aus

Seit 1945 ist das Buch in Deutschland nicht mehr veröffentlicht worden. Denn der Freistaat Bayern war als Rechtsnachfolger des nationalsozialistischen Franz-Eher-Verlages Inhaber der Urheberrechte und verhinderte deutschsprachige Neuausgaben. Die Urheberrechte laufen aber nun Ende 2015, 70 Jahre nach dem Tod des Diktators, aus.

Die Justizminister der Bundesländer haben inzwischen entschieden, dass die unkommentierte Verbreitung von «Mein Kampf» auch nach dem Auslaufen der Urheberschutzfrist in Deutschland verboten bleiben soll. Ein Sondergesetz soll es zwar nicht geben, die geltende Rechtslage aber, etwa der Straftatbestand der Volksverhetzung, reiche aus, um den Nachdruck zu verhindern.

Quelle: AFP/dpa
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