FAZ plus ArtikelHorst Bredekamp

Der Opportunismus der Moral

Von Stefan Trinks
 - 06:35

Sie haben das Buch „Der Künstler als Verbrecher“ geschrieben, das historische Künstler zwischen Genialität und Grausamkeit zeigt, in ihrem permanenten Ausnahmezustand, aber auch in ihren Privilegien. Was war für Sie im Jahr 2008 der Auslöser, dieses Buch zu veröffentlichen?

Verschiedene Anlässe haben sich in diesem Buch gebündelt. Der äußere war der fünfhundertste Geburtstag von Benvenuto Cellini, neben Donatello und Michelangelo einer der größten Bildhauer der Nachantike, aber auch mindestens zweifacher Mörder und ein sexueller Deviant, der unter anderem in eine sadomasochistische Beziehung mit einem seiner weiblichen Modelle verstrickt war. Der innere Grund lag in meiner Beschäftigung mit dem Problem der Ausnahmesituation, wie es durch Walter Benjamin und Carl Schmitt erörtert wurde. Künstler als Kapitalverbrecher zeigten sich geradezu als Inkarnation dessen, was als Sphäre jenseits des Rechts zu bezeichnen war. Dies habe ich systematisch verfolgt, von Veit Stoß über Michelangelo bis zu Gian Lorenzo Bernini.

Testen Sie unsere Angebote.
Jetzt weiterlesen

Testen Sie unsere Angebote.
F.A.Z. PLUS:

FAZ.NET komplett

: Beta

F.A.Z. Digital

F.A.Z. Premium

Diesen und viele weitere Artikel lesen Sie exklusiv mit F+

Horst Bredekamp, geboren 1947, lehrt Kunstgeschichte in Berlin und ist einer der drei Gründungsintendanten des dortigen Humboldt Forums.

Quelle: F.A.Z.
Stefan Trinks
Redakteur im Feuilleton.
  Zur Startseite
Ähnliche ThemenWalter BenjaminCarl Schmitt