Auktionsergebnisse

Auf Erfolgskurs in der gelben Gasse

Von Brita Sachs
 - 10:00

Bei Grisebach ist man hochzufrieden mit den Resultaten der Jubiläumsauktionen. Kein Wunder, denn nicht nur kann das Berliner Haus die Höchstmarke in seiner dreißigjährigen Geschichte melden, sondern, nach eigenen Angaben, auch die erfolgreichste Kunstauktion in Deutschland seit 1945: Dem mittleren Schätzwert von 29 Millionen Euro stand nach vier Tagen ein Umsatz von 34 Millionen Euro gegenüber, allerdings das Aufgeld eingerechnet. Den Löwenanteil verbuchten die Ausgewählten Werke mit einer Hammerpreissumme von 17,2 Millionen Euro. Nachdem mit zwei Bildern von Lesser Ury die ersten Lose wegen womöglich offener Restitutionsfragen ausfielen (F.A.Z. vom 3. Dezember), brachte Liebermanns „Studie zum ,Restaurationsgarten in Leiden‘“ mit 580 000 Euro (Taxe 500 000/700 000) Schwung in eine Anlaufphase, der Gabriele Münters „Flieder mit Apfelsinen 2“ von 1909 ein erstes heißes Bietgefecht bescherte: Bis 600 000 Euro (250 000/350 000) musste ein Telefonbieter aus der Schweiz dafür durchhalten.

Der Erfolgsgarant Emil Nolde sorgte mit zwei Blumengemälden für Zuschläge bei je 800 000 Euro (jeweils die Untertaxe) und für die erste, an diesem Tag bewilligte Million (Taxe bis 1,5 Millionen Euro): Sie kam aus Norddeutschland und gilt der prächtigen „Bewegten SeeII. (Zwei Segler aneinander)“ von 1914, die zeitweise Bernhard Sprengel gehörte. Beckmanns durch viele Ausstellungen bekanntes, aus deutscher Privatsammlung eingeliefertes „Stillleben mit brennender Kerze“ geht für bemerkenswerte 2,5 Millionen Euro (700 000/1 Million) in eine amerikanische Privatsammlung. Zwei Lose später verdoppelte der Favorit des Tages, Lyonel Feiningers schöne „Gelbe Gasse“ von 1932, in beharrlichem Anstieg seine Obertaxe auf drei Millionen Euro, Applaus im vollen Saal: Das Gebot aus der Schweiz – inklusive Aufgeld lautet der Preis 3,5 Millionen Euro – bedeutet den zweithöchsten Zuschlag in einer deutschen Kunstauktion; nur Beckmanns „Anni“ brachte, ebenfalls bei Grisebach, 2005 mit 3,4 Millionen Euro noch mehr.

Wackelig auf einer Leiter balancierend

Während Skulpturen von Pompon und Kricke, Gemälde von Dix, Klee, Hofer und Magritte ausgezeichnet beboten wurden, floppte Mackes bis vor kurzem als Leihgabe im Landesmuseum Münster untergebrachter „Gelber Akt“ (700 000/900 000). Ihm wurden Porträts der schönen Elisabeth Macke vorgezogen, insbesondere ein Pastell von 1913, das 190000 Euro (100 000/150 000) brachte. Hoch übertrumpften den erst im Sommer im selben Saal erzielten Rekord für Anton Räderscheidt die 700 000 Euro (350 000/450 000) für sein „Haus Nr. 9“; gegen das siegreiche private Saalgebot blieb unter anderem Münchner Museumsinteresse auf der Strecke.

Unter den Fittichen des neuen Geschäftsführers Florian Illies gedeiht eine Offerte zum 19. Jahrhundert, die auch viele Museen auf den Plan rief. So konnte das Goethe Museum in Frankfurt Johan Christian Clausen Dahls Blick auf den Vesuv vom Posillipo aus für 35 000 Euro (15 000/20 000) erkämpfen; der Künstler hatte ihn einst in Dresden der Freundin Wilhelmine von der Decken verehrt. Ein italienisches Skizzenbuch vom älteren Friedrich Preller bekam die Casa di Goethe in Rom, etwas über der Taxe für 16 000 Euro, und ein amerikanisches Haus konnte Spitzwegs wacklig auf einer Leiter balancierenden „Mitternachtsgeiger“ für erwartete 120 000 Euro erwerben. Frisch Carl Gustav Carus zugewiesen, glänzte eine bezaubernde „Wolkenstudie“ mit 65 000 Euro (30 000/60 000). Zum teuersten Los avancierte Menzels großformatige Deckfarbenstudie zum Kronleuchter des „Flötenkonzerts“, für 190 000 Euro (120 000/140 000) geht sie in die Schweiz. Ihre unteren Bewertungen erzielten Menzels Zeichnungen eines Mädchens mit Pelzkappe bei 36 000 Euro und der Klavier spielenden Schwestern Herrmann bei 60 000 Euro; vier weitere Menzel-Lose verpassten die Limits. Seine Taxe mehr als verdoppeln konnte mit 72 000 Euro Lenbachs „Selbstbildnis mit Tochter Marion“, um 1900.

Die Zeitgenossen-Auktion zementierte die Preise für Zero-Kunst, Leitfigur bleibt Uecker, dessen gespaltenes Nagelfeld von 1987 angepeilte 400 000 Euro brachte. Damit war Warhol nicht zu schlagen: Sein schwarzer diamantbestäubter „Joseph Beuys“ fand für 940 000 Euro (400 000/600 000) einen Fan in Hongkong. In Berlin bleiben Gerhard Richters „Konzeptblatt und weitere Materialien zu ,Farbfelder. 6 Anordnungen von 1260 Farben‘“ bei 315 000 Euro (120 000/150 000). Die Ergebnisse der Foto-Suite beherrschten drei Aufnahmen montierter, collagierter Architekturentwürfe von Mies van der Rohe: Mit Preisen von 25 000 bis 40 000 Euro ging ein deutscher Sammler deutlich über die Taxen der aus Frankreich eingelieferten Raritäten. Der Höchstzuschlag entfiel mit 56 000 Euro (20 000/30 000) auf einen Vintage-Silbergelatineabzug von Renger-Patzschs berühmtem „Bäumchen“ von 1929; das mit persönlicher Widmung an einen Freund versehene Bild geht in eine amerikanische Privatsammlung.

Aus der bunt gemischten Orangerie-Sektion stach ein klassizistisches Schreibmöbel hervor, das, wohl von Gottfried Schadow entworfen und von der preußischen Königin Luise verschenkt, später Gianni Versaces Schlafzimmer in Manhattan zierte, um nun zur unteren Schätzung von 80000 Euro in norddeutschen Privatbesitz zu wandern. Einen neuen Fahrer fand für gebührende 68 000 Euro der weiße Jaguar Mark 2 des 2011 gestorbenen Unternehmers Werner Otto. Dass aus dessen Umfeld auch kapitale Kunsteinlieferungen diese Auktionen bereicherten, war gerüchteweise bereits vorher zu hören: Auch Fernando Boteros Gemälde einer dicken Geburtstagstorte mit der Aufschrift „Feliz cumpleaños“ soll dazu gehört haben. Aber wer auch immer die Glückwünsche einlieferte, sie brachten 350 000 Euro (300 000/400 000).

Quelle: F.A.Z.
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