Kölner Auktion II

Das Missgeschick des Äffchens

Von Felicitas Rhan
 - 10:08

Farbenfroh und mit seidigem Glanz wetteifert das prachtvolle Blumenarrangement mit dem Marmortisch und der dunklen Samtdecke, auf denen es steht. Nicolaes Lachtropius hat das wunderbar feingliedrige „Stillleben mit Blumenvase und Insekten“ 1668 geschaffen, im Rijksmuseum hängt ein ganz ähnliches Exemplar. Geschätzt auf 90000 bis 110000 Euro, bietet Lempertz das klassische Blumenstück in seiner November-Auktion mit Alter Kunst am 19. November in Köln an. Insgesamt 26 Stillleben kommen unter 261 Losen zum Aufruf, darunter ein sogenanntes „Banketje“, eine üppig gedeckte Tafel, vom Holländer Floris van Schooten (Taxe 100 000/120 000 Euro) und zwei Stillleben mit Tieren von Jan van Kessel dem Jüngeren: Das „Gemüsestillleben mit Kaninchen“ repräsentiert die Gaben der Erde, das „Fischstillleben mit Katzen in einem Raum“ die des Meeres (zusammen 95 000/100 000). Von einem unbekannten römischen Meister stammt eine Variation des Themas mit umgestürzter Blumenvase, für die ein listig dreinblickendes Äffchen verantwortlich scheint (10 000/ 12 000).

Auch Aelbert Cuyps Bilder werden stets von Tieren bevölkert, das hier angebotene Gemälde „Pferd an einem Trog“ ist ein weiterer Beleg für den meisterhaften „Rossmaler“ (80 000/120 000). Ein unbekannter Landsmann von Cupys’ versuchte sich an Vögeln und drapierte recht amüsant zahlreiche exotische Arten wie Blüten an einem kargen Baum (8000/10 000). Mit einer Taxe von 260 000 bis 300 000 Euro ist die kleine „Weite Landschaft mit Windmühlen“ auf Kupfer von Jan Brueghel dem Älteren – um 1611 entstanden und nur sechzehn mal 26 Zentimeter groß – das Spitzenlos der Auktion. Unter den angebotenen Skulpturen fällt besonders ein „Büstenfragment des heiligen Bernhardin von Siena“ auf. Zugeschrieben wird die vierzig Zentimeter hohe und farbige Holzfigur Michel Erhart (55 000/60 000).

Etwas später am selben Tag offeriert das Haus 71 Lose aus dem 19. Jahrhundert. Mit einer Taxe von 240 000 bis 260 000 Euro ist ein 1830 entstandenes Ölgemälde von Ludwig Richter am höchsten eingeschätzt: Die „Ansicht von Bajae in der Bucht von Neapel“ galt lange Zeit als verschollen, eine größere, vier Jahre später entstandene Bildvariante hängt in den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden. Dicht darauf folgt die aus einer italienischen Privatsammlung stammende „Winteransicht auf den Canal Grande und Santa Maria della Salute“ von Friedrich Nerly, samt typisch violetter Farbgebung seiner Venedig-Bilder (180 000/ 220 000).

Franz Xaver Winterhalter hat nach seinem Italien-Aufenthalt im Jahr 1833 die dunkle Schönheit einer „Jungen Italienerin“ bildlich festgehalten; die marktfrische Ölskizze auf Papier misst 52 mal 33 Zentimeter und stammt aus dem Nachlass des badischen Malers (45 000/60 000). Zwei Landschaften von Carl Spitzweg (80 000/100 000) und Camille Corot (150 000/180 000) ergänzen die umfangreiche Offerte. Von den beiden Auktionen erwartet Lempertz insgesamt 5,7 Millionen Euro.

Quelle: F.A.Z.
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