Kunstmarkt
Kölner Auktion I

Den Dom einwickeln

Von Felicitas Rhan

August Sanders Porträtreihe „Menschen des 20. Jahrhunderts“ ist berühmt für ihren schonungslosen Blick und die Authentizität der Protagonisten. Der Maler Heinrich Hoerle, 1928 von Sander abgelichtet, ist distanziert und den Betrachter fokussierend im Dreiviertelporträt abgelichtet. Er trägt ein einfarbiges Hemd samt Krawatte, einen akkuraten Herrenhaarschnitt, und im neutralen Hintergrund lenkt nichts von der asketischen Erscheinung des Künstlers ab.

Ein großer Abzug der Fotografie hing im Arbeitszimmer von Sanders Kölner Wohnhaus. Den nun angebotenen Gelantinesilberabzug, der 28 mal 21 Zentimeter groß ist und vor 1953 entstand, schenkte Sander selbst dem damaligen Oberbürgermeister von Köln, Robert Görlinger, zum 65. Geburtstag. Seither in Privatbesitz, wird die Fotografie am 31. Mai bei Lempertz in Köln angeboten, mit einer Taxe von 50 000 bis 70 000 Euro. Sie ist das Spitzenwerk der 205 Lose in der Fotografie-Offerte.

Etwas später am 31. Mai kommt die Moderne mit 217 Losen zum Aufruf, insgesamt sollen 2,4 bis 3,4 Millionen Euro damit umgesetzt werden. Den dazugehörigen Katalog schmückt August Mackes idyllische „Kaffeetafel im Garten“ von 1912, ein bislang nie öffentlich gezeigtes Familienporträt im Bonner Garten der Künstlerfamilie, das sich seit 1969 in einer rheinischen Privatsammlung befand; die Schätzung lautet auf 400 000 bis 500 000 Euro.

Zwei Landschaftsaquarelle auf Japanpapier von Emil Nolde, „Vormittagswolken“ von 1925 (Taxe 90 000/100 000 Euro) und „Weite Marschlandschaft mit Bauernhöfen“ von 1930/35 (140 000/160 000), geben unterschiedliche Naturstimmungen wieder. Paul Klee dagegen stellt in seinem 1933 entstandenen Gemälde mit gespachtelter Kleisterfarbe in abstrahierter Form und reduzierter Farbigkeit „Koniferen im Park“ auf dreißig mal fünfzig Zentimetern dar (130 000/180 000).

Besondere Verbundenheit zwischen Köln und Christo

Etwa zur selben Zeit, kurz vor seinem Tod im Jahr 1933, entsteht das farbgewaltige „Blumenstillleben mit Buch“ von Philipp Bauknecht, der von 1910 an aus gesundheitlichen Gründen in Davos lebte und mit Ernst Ludwig Kirchner engen, auch künstlerisch sichtbaren Kontakt pflegte (100 000/120 000). Amüsant und von gewisser, stilistisch expressiver Ähnlichkeit sind Ewald Matarés nur zwanzig Zentimeter hohe Bronze „Tänzelndes Pferd“ von 1943 (35 000/40 000) und die beiden niedlichen Vögelchen auf Franz Radziwills marktfrischem Ölbild „Einmal nah, einmal fern“ von 1956 (35 000/40 000).

Gerhard Richters marktfrisches Ölbild „Vorhang“ aus dem Jahr 1964 führt am folgenden Tag, dem 1. Juni, preislich die Zeitgenossen-Auktion an. Das kleinformatige Gemälde gehört zu den frühesten Arbeiten, in denen sich Richter mit dem Motiv des Vorhangs auseinandersetzt, insgesamt entstehen zwischen 1964 und 1967 zwölf Werke zu diesem Sujet; die Erwartung liegt bei 250 000 bis 350 000 Euro. Ein weiterer Höhepunkt der Zeitgenossen-Offerte, die mit 267 Losen 3,5 bis 4,3 Millionen Euro umsetzen soll, ist eine von Josef Albers’ Farbstudien „Hommage to the Square“ von 1961, hier in Gelb und Orange (250 000/350 000).

Seit 1961 besteht eine besondere Verbundenheit zwischen Köln und Christo, als im Hafen der Stadt das erste Gemeinschaftsprojekt des Künstlers und seiner Frau Jeanne-Claude entstand, „Gestapelte Ölfässer und Verhüllungen im Hafen“. Zum hundertjährigen Jubiläum der Vollendung des Kölner Doms im Jahr 1980 entwickelte Christo eine erste Idee zur Verpackung der Kathedrale, die damals im Rahmen der Ausstellung „Zeitgenössische Künstler sehen den Kölner Dom“ im Kölnischen Kunstverein gezeigt wurde. 1992 greift er die Idee in der Collage „Mein Kölner Dom, wrapped“ erneut auf, die jetzt bei Lempertz mit 100 000 bis 150 000 Euro beziffert ist.

Quelle: F.A.Z.
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Gerhard Richter | Köln