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Künftig Köln mit Berlin?

Von Georg Imdahl

Der Deal wurde über Monate hinweg in erstaunlich stiller Diplomatie eingefädelt, als viele noch dachten, Köln und Berlin lägen im Clinch. Die Auseinandersetzung war vor einem Jahr tatsächlich um die Entscheidung der Art Cologne entbrannt, im Jahr 2017 – also jetzt – Ende April aus der nicht ganz nachvollziehbaren Not eines terminlichen Dilemmas heraus genau jenes Wochenende zu okkupieren, an dem die Hauptstadt seit Jahren ihr Gallery Weekend ausrichtet.

Über diesen Zwist sind, wie sich jetzt herausstellt, die Kontrahenten jedoch nicht etwa völlig über Kreuz geraten. Sie sind sich, ganz im Gegenteil, durchaus nahegekommen – mit folgendem Ergebnis: Aus der bisherigen Messe „abc“ (art berlin contemporary), der Nachfolgerin der gescheiterten „Art Forum“-Schau, soll die neue Kunstmesse „Art Berlin“ hervorgehen. Und weil diese auf ausreichende Unterstützung des Berliner Senats nicht hat zählen können, leistet tätige Entwicklungshilfe künftig – man höre und staune – die Art Cologne. Dass die Verhandlungspartner unter der Führung von Maike Cruse, der Direktorin des Gallery Weekends und der abc-Messe wie demnächst auch des Neulings Art Berlin, und von Daniel Hug, dem Direktor der Art Cologne, seit Spätsommer 2016 Diskretion gewahrt haben, darf als Beleg für die Entschlossenheit dieses gerade bekanntgemachten Vorhabens genommen werden.

Vielversprechende Synergien

Dabei hatte man eben noch gedacht, solche Unterstützung durch Kompetenz und Kapital sei Sache der Schweizer MCH Group, ihres Zeichens Trägerin der absoluten Branchenführerin Art Basel mit ihren Dependancen in Hongkong und Miami Beach. Steht MCH doch der soeben ausgerufenen „Art Düsseldorf“ zur Seite, die aus der Kölner Art.Fair hervorgegangen ist und im November das Rheinland bereichern soll (F.A.Z. vom 8. April).

Nun aber gilt es festzustellen: Der Transfer von Expertise und Erfahrung funktioniert womöglich auch zwischen Playern, die sich eigentlich als Konkurrenten verstehen. Und dahinter wiederum offenbart sich, im vorliegenden Fall, eine überregionale Messe-Vernunft in Deutschland. Denn wer wollte bezweifeln, dass vor allem Berlin von den Kölner Kontakten und der Erfahrung im Handel mit Kunst des 20. Jahrhunderts profitieren dürfte und dass sich vielversprechende Synergien ergeben, wenn die Hauptstadt ihre geballte Internationalität einbringt, deren Mangel im Rheinland beklagt wird.

Obwohl ein Termin für die erste Art Berlin bereits genannt wird – das Debüt soll vom 14. bis zum 17. September stattfinden –, können „Details“ über die Form der künftigen Zusammenarbeit, so heißt es, erst im kommenden Monat genannt werden; noch halten sich beide Seiten bedeckt. Zu rechnen sei mit rund hundert Teilnehmern oder einigen wenigen mehr am Gleisdreieck in Berlin; mehr finden dort ohnehin nicht Platz, wo vorher die abc wuseln durfte – und zuletzt mehr nach Kunstflohmarkt denn nach Messe ausgesehen hatte.

Konkurrenz zur neuen Art Düsseldorf

Auf einem anderen Blatt stehen die möglichen Mitnahmeeffekte für die Art Cologne, die sich künftig, wie schon angemerkt, des Wettbewerbs mit der neuen Art Düsseldorf erwehren muss. Auch die kleine Cofa, die jährlich im November stattfindende Cologne Fine Art, dürfte die neue Konkurrenz zu spüren bekommen; denn auch die Cofa zapft die Quelle der Gegenwartskunst an. Endlich gilt es, die anstehenden Erfahrungen von zeitgleicher Art Cologne und Gallery Weekend erst einmal abzuwarten. Der neuen Art Düsseldorf wiederum dürfte es nicht gefallen, dass ihr ein so prominenter Newcomer in Berlin vor die Nase gesetzt wird. Denn womöglich strahlt eine „hervorragende Plattform mit deutschlandweiter und internationaler Ausstrahlung“, die ein Wiener Galerist dem Standort Düsseldorf vorfreudig bescheinigt hat, von Berlin aus noch ein bisschen stärker.

Es kommt also einiges in Bewegung im Karussell der deutschen Kunstmessen. Aber nun eröffnen erst einmal die 51. Art Cologne und das 13. Gallery Weekend. Dabei übertönt die Schau im Rheinland eine vernehmbar wachsende Unzufriedenheit mit dem Engagement des künstlerischen Direktors der Art Cologne. Es geht um ein, so die Meinung diverser Galeristen, arg maues VIP-Programm und eine nachlassende Kontaktpflege gerade der heimischen Kräfte. Ebendamit hatte Daniel Hug in der Region enorm gepunktet, als er vor neun Jahren seinen Job antrat und die in ihrer Existenz bedrohte Traditionsmesse konsolidierte. Anfangs war Hug omnipräsent. Es sei ja gut und schön, amerikanische Blockbuster-Galerien dabei zu haben, heißt es nun, aber die Muttermesse müsse sich wieder stärker um die Ressourcen im Rheinland kümmern. So lautet die Forderung an den Direktor, der neuerdings einen Koffer in Berlin hat.

Quelle: F.A.Z.
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