Bassenge-Auktion

Kopf vom Kuttel Daddeldu

Von Camilla Blechen
 - 10:00

Dem engen Familienkreis entstammt das „Vor blauem Vorhang“ plazierte Modell Max Pechsteins: 1914 aus japanischer Gefangenschaft von den Palau-Inseln im Südpazifik nach Berlin zurückgekehrt, porträtierte er seine Schwester Gertrud im rostbraunen, blau konturierten Kimono. Seit mehr als achtzig Jahren in Privatbesitz, soll die aufwendig geschminkte Gertrud 200 000 Euro einspielen. Das ist der Spitzenpreis bei Bassenge in Berlin, wo knapp 4000 Lose in den Auktionen mit Alter und moderner Kunst vom 30. November bis zum 2. Dezember zum Ausruf gelangen. Fünf Jahre nach seiner Emigration in die Vereinigten Staaten verewigte George Grosz 1943 in einer „Hommage à Renoir“ seine Frau Eva als Rückenakt zwischen abgelegten Kleidungsstücken: Eingeliefert aus einer New Yorker Privatsammlung, soll die Darstellung 20 000 Euro bringen, während die lasziv hingelagerte „Odaliske“ von Ernst Stern, der in seiner Jugend der Münchner Sezession angehörte und später als Max Reinhardts Bühnenbildner Karriere machte, für 5000 Euro zum Verkauf steht.

Aristide Maillols vor 1925 in Ton modellierte, nur dreißig Zentimeter hohe „Petite baigneuse“ wurde erst postum in Bronze umgesetzt (Taxe 25 000 Euro). Als Unikat bewahrte die Berliner Galerie Nierendorf den 1923 von Renée Sintenis farbig gefassten Stucco-Kopf des „Kuttel Daddeldu“ Joachim Ringelnatz (15 000). Ein Rarum ist Conrad Felixmüllers Farbholzschnitt „Versammlungsredner (Der Arbeiter spricht)“: Der Künstler beobachtete den Dresdner Tischler Heynemann in einem Gerichtssaal, wo dem Handwerker als Kommunist 1920 der Prozess gemacht wurde (30 000). Die Investition von 50 000 Euro erwartet Käthe Kollwitz’ mit Pinsel und Feder überarbeitete Radierung „Frau mit Sense“: In Zusammenhang mit einem verworfenen Blatt für ihren „Bauernkrieg“-Zyklus entstand eine neue Fassung des Motivs „Beim Dengeln“.

Als weiteres Highlight der Moderne-Sektion erscheint Beckmanns Lithographie „Die Nacht“ aus der 1919 datierten Grafikfolge „Die Hölle“ (60 000). Edvard Munch ist mit vier Beispielen des grafischen Frühwerks vertreten, darunter eine hintergründige Konfrontation von Leben und Tod, „Die Frauen und das Gerippe“ (25 000) und das Kaltnadel-Blatt „Mondschein“ (18 000). Liebhaber gibt es gewiss für den ganz besonderen träumerischen Stil, der zwei Blätter von „Les Chats“ des Japaners Tsuguhara Foujita auszeichnet (Taxen 6000 und 7000 Euro).

Beispielhaft für das „Freundschaftsbild“ der Romantik ist Johann Anton Ramboux’ Doppelporträt der bildhauernden Brüder Konrad und Franz Eberhard; die Lithographie basiert auf dem Ölgemälde, das sich heute im Kölner Wallraf-Richartz-Museum befindet (25 000). Goyas Steindruck „Dibersions de España“ aus dem Spätwerk „Les Taureaux de Bordeaux“ widmet sich dem Stierkampf (60 000). Unter die Kuriosa schließlich fällt ein „Ocelot. Felis Pardalis“ in Deck- und Wasserfarben aus dem Bestiarium des Laienmalers Aloys Zötl, der bei seinem Tod 1887 eine Vielzahl naiver Tierbilder in der Art des Zöllners Rousseau hinterließ (28 000).

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Blechen, Camilla (C.B.)
Camilla Blechen
Redakteurin im Feuilleton.
Twitter
  Zur Startseite
Ähnliche ThemenMax PechsteinBerlinGeorge Grosz