Ergebnisse bei Bassenge

Stunde der Seesterne

Von Camilla Blechen
 - 08:00

Glanzvoll bestückt mit dreißig Druckgraphiken von Albrecht Dürer, motivierte die Frühjahrsauktion der Berliner Galerie Bassenge deren internationalen Kundenstamm zu hohen Geboten. Der berühmteste und geheimnisvollste unter den drei „Meisterstichen“, die in einem wohl noch zu Dürers Lebzeiten gewonnenen Abdruck vorliegende „Melencolia I“, wurde zum Spitzenpreis von 160.000 Euro (Taxe 120.000) von einem Sammler in Amerika übernommen. Dorthin wandert auch Dürers Kupferstich „Die Eifersucht“, mit Herkules, einem Satyr und zwei streitbaren Frauen, nach dem Zuschlag bei 40.000 Euro (45.000). Und ein amerikanischer Privatier bewilligte taxgemäße 45.000 Euro für die vier „Apokalyptischen Reiter“ aus der Holzschnittfolge nach der Offenbarung des Johannes.

Völlig unerwartet ließen drei Aquatinten des Franzosen Louis-Jean Desprez, Grabmonumente im Fackelschein, ihre Taxen von 7500 Euro hinter sich, um von drei verschiedenen Interessenten zu je 36.000 Euro genommen zu werden. Erstaunlich war der Bieterstreit um fünf aquarellierte Federzeichnungen des Wiener „Naturalienmalers“ Franz Anton von Scheidel: Sämtlich auf 750 Euro geschätzt, erzielten die Darstellungen von Seesternen, Muscheln und Seeigeln Zuschläge von 4600 bis 9500 Euro.

Dahinter blieben Aloys Zötls mit Wasserfarben festgehaltene Funde vom Meeresstrand bei 5000 Euro (6000) zurück. An Dresden vorbei nach Amerika zog es Oskar Zwintschers für 105.000 Euro (35.000) Euro an Privat verkauftes Bildnis seiner Frau Adele im Hamsterpelz. Unter den fünfzehn Gemälden des sächsischen Malers in der Galerie Neue Meister im Albertinum gelten lediglich zwei ihrem Porträt.

Dürers „Ritter, Tod und Teufel“ erzielte einen bemerkenswerten Preis

Ein amerikanisches Museum erwarb zur Schätzung von 20.000 Euro eine Zeichnung der französische Literatin Augustine Ricard vom belgischen Symbolisten Fernand Khnopff, um 1893. Unter 130 Miniaturen erwies sich das Porträt der preußischen Königin Luise als hochbegehrt – und des Einsatzes von 10000 Euro (5000) wert. Von 1500 auf 24.000 Euro kletterte, vom französischen Handel übernommen, Louis-Léopold Boillys Bildnis einer jungen Frau im taubenblauen Kleid.

In Kirchners fulminanter Bleistiftzeichnung „Tänzerin mit Kopfputz“, die ein Gebot von 22.000 Euro (12.000) erforderte, ist seine Lebensgefährtin Erna Schilling zu erkennen. Anonym bleibt das Modell von Jawlenskys „Kopf (hingebend II)“, einer mit farbigen Kreiden zum Unikat erhobenen Lithographie, die 13.000 Euro (8000) einspielte.

Einen bemerkenswerten Preis erzielte in der mit gut hundert Losen bestückten Sonderauktion zum Thema „Memento Mori“ Dürers Kupferstich „Ritter, Tod und Teufel“, der erst bei 85.000 Euro (60.000) einen Abnehmer fand. Der 1998 aufgelösten Sammlung des insolventen Musical-Vermarkters Rolf Deyhle entstammten die bei 20.000 Euro (15.000) von einem Berliner Sammler übernommenen „Abstrahierten Tiere“ von Adolph Fleischmann.

Der Werkfolge eines imaginierten „Berlin am Meer“ zugehörig, wurde Werner Heldts Vorstudie zu zwei „Stillleben auf dem Balkon“ für 40000 Euro (15.000) einem Hamburger Verehrer zugeschlagen. Emphatisch umworben waren fünf Auflagenobjekte des Nagel-Künstlers Günther Uecker: Sein großformatiger Prägedruck „Wind“ stieg bis 12.000 Euro (6000) auf.

Quelle: F.A.Z.
Camilla Blechen
Redakteurin im Feuilleton.
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