Kunstmarkt
Londoner Ergebnisse

Beste Stimmung im Frühling

Von Anne Reimers/London

Der Effekt von Brexit und Trump, das schwache Pfund und die Bemühungen um Sammler in Asien: so lautet nach Angaben von Christie’s und Sotheby’s die Erfolgsformel, die zum Auftakt der Auktionssaison mit Impressionismus, Moderne und Surrealismus in London so starke Ergebnisse lieferte. Es bleibt schwierig, in unsicheren Zeiten Spitzenmaterial in die Auktionen zu holen, der Appetit darauf, Geld in marktfrischer Kunst mit attraktiver Provenienz von Blue-Chip-Künstlern anzulegen, ist aber stärker denn je. Zeichen dafür ist auch die steigende Zahl der hinter verschlossenen Türen von den Auktionsfirmen vermittelten Privatverkäufe. Man muss dafür nur die Wunschlisten der Sammler kennen.

Sotheby’s setzte wieder vermehrt auf Garantien und unwiderrufliche Gebote, um Werke in Höhe von mehreren Millionen anbieten zu können. Die Hammerpreise lagen mehrfach deutlich darüber, worin sich das Marktinteresse zeigte: Das Ergebnis: Der höchste Umsatz einer Auktion in London jemals, mit 194,7 Millionen Pfund für 48 Lose von 54 angebotenen, das sind 88,9 Prozent; fünf Lose überstiegen die Zehn-Millionen-Pfund-Marke. Christie’s hatte am Vorabend mit 77 von 84 Losen schon eine Verkaufsrate von 92 Prozent vorgelegt; hier lag der Umsatz bei 136,87 Millionen Pfund. Vergessen scheinen die Probleme des Februars 2016, als Sotheby’s nur 71,7 Prozent und Christie’s 75 Prozent der Lose verkaufen konnten, mehrere davon unter den zuvor erzielten Preisen. Sotheby’s verzeichnete nun einen Zuwachs von 108 Prozent (in Pfund) im Vergleich zur Abendauktion des Vorjahrs.

Begehrte Frauendarstellungen von Picasso

Leuchtender Stern bei Sotheby’s war Klimts sommerlicher „Bauerngarten“ von 1907, seit 1994 in derselben Privatsammlung (F.A.Z. vom 25. Februar). Vier Telefonbieter trieben den Preis weit über die Erwartung von 35 Millionen Pfund hinaus, ein Kunde am Telefon von Andrea Jungmann, der Direktorin für Österreich, Ungarn und Polen und Spezialistin für Klimt, bot 42,5 Millionen Pfund dafür. Sie setzte sich gleich darauf auch bei Klimts „Mädchen im Grünen“ mit 3,7 Millionen Pfund (Taxe 1,2/ 1,8 Millionen) durch. Der Preis für den „Bauerngarten“ ging weit über das zuvor abgegebene unwiderrufliche Gebot hinaus - das bedeutet, dass der Garantiegeber an der Differenz mitverdient. Allerdings hatte Sotheby’s zusätzlich mit dem entsprechenden Symbol im Katalog ausgewiesen, dass die Firma an dem Werk ein „finanzielles Interesse“ hat - es also, mindestens zum Teil, besitzt. Einlieferer, so die „New York Times“, sei der kanadische Sammler David Graham.

Das zweitteuerste Werk des Abends war Picassos „Plant de tomates“, das mit einem Hammerpreis von fünfzehn Millionen (10/15 Millionen) ebenfalls seine Garantie abhängte. Üblicherweise werden die teuersten Lose über das Telefon vermittelt, doch bei Modiglianis „Portrait de Baranowski“ setzte sich eine Dame im Saal mit ihrem Gebot von 14,1 Millionen Pfund (10/15 Millionen) gegen einen russischen Telefonbieter durch. Amy Cappellazzo sicherte ihrem Kunden Picassos feurige „Femme nue assise“ nahe der oberen Taxe mit einem Gebot von zwölf Millionen. Mehr Verehrer hatte seine elegant-blasse „Femme assise dans un fauteuil sur fond blanc“ in Grau und Weiß, für die bei 10,6 Millionen (6,5/9,5 Millionen) der Hammer fiel. Kirchners „Vier Akte unter Bäumen“ wurden für 4,7 Millionen Pfund (3,5/5 Millionen) am Telefon von Nina Buhne, der Leiterin des Frankfurter Sotheby’s-Büros, in eine Privatsammlung vermittelt. Das Highlight bei Christie’s waren die Werke aus der Sammlung von Barbara Lambrecht: Die vierzig über die Abend- und Tagesauktionen verteilten Lose spielten insgesamt 20,1 Millionen Pfund (inklusive Aufgeld) ein, umgerechnet 23,5 Millionen Euro. Das Geld wird der Rubenspreis-Sammlung des Museums für Gegenwartskunst in Siegen zugutekommen. Das ist ein wunderbarer Erfolg für das mäzenatische Engagement der Philanthropin. Zwei Gemälde Berthe Morisots, beide 2016 in der Manet-Ausstellung in der Hamburger Kunsthalle zu sehen, gehörten zu den Perlen des Abends: Die 61 Zentimeter hohe „Femme et enfant au balcon“ von 1872 ging für 3,5 Millionen (1,5/2 Millionen) in eine asiatische Sammlung. Für Morisots exquisite kleine „Femme en noir (Avant le théâtre)“ setzten sich mehrere Bieter im Saal und an den Telefonen ein; der Hammer fiel erst bei 1,7 Millionen Pfund (600 000/800 000).

Das teuerste Los bei Christie’s, Gauguins frühe tahitianische Landschaft „Te Fare (la maison)“ aus der Sammlung des russischen Milliardärs Dmitrij Rybolowlew, kletterte auf seine obere Taxe von achtzehn Millionen Pfund. Rybolovlev soll dem Schweizer Händler Yves Bouvier 2008 umgerechnet 54 Millionen Euro für das Werk bezahlt haben, so berichtet die Agentur Bloomberg, und muss also einen empfindlichen Verlust hinnehmen. Die drei großformatigen LeCorbusier-Gemälde aus der Sammlung von Heidi Weber, die das dem Architekten gewidmete Museum in Zürich initiierte und finanzierte, ließen mit Preisen von 2,4 bis 2,8 Millionen Pfund ihre Taxen hinter sich; Christie’s hatte sie zuvor in Hongkong, Schanghai und Peking ausgestellt. Wie erwartet, wurde ein neuer Magritte-Rekord mit dem Hammerpreis von 13,5 Millionen Pfund (14/18 Millionen) aufgestellt für das garantierte „La corde sensible“, ein Landschaftsbild mit einer Wolke in einem Champagnerglas. Magrittes Berglandschaft „Le domaine d’Arnheim“ (F.A.Z. vom 25. Februar), ebenfalls aus der Sammlung von Rybolowlew, stieg auf neun Millionen Pfund (6,5/8,5 Millionen), geboten am Telefon der in Dubai stationierten Isabelle de La Bruyère. Das ist angeblich weniger als ein Drittel dessen, was er 2008 an Bouvier dafür bezahlt haben soll.

Quelle: F.A.Z.
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