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Salzburger Galerien

Beste Stimmung in allen ihren Spielarten

Von Brita Sachs/Salzburg
 - 10:01

Im weiten Treppenhaus lässt der Künstler große und prächtige Drachen steigen. Sie tragen mythologische Namen wie „Leviathan“ oder „Mushushu“, und in Farbe und Form gleicht keiner dem anderen. Imi Knoebels Drachenbilder segeln in der Galerie Thaddaeus Ropac, die neue Wandobjekte des 1940 geborenen Künstlers ins Zentrum ihrer Sommerausstellungen rückt und dabei einmal mehr Knoebels virtuosen Umgang mit dem Raum offenbart. Sämtliche Arbeiten bestehen aus bemaltem Aluminium: die hübschen „Elemente“ – das sind zu Friesen angeordnete Spiele mit abstrakten Miniaturen – ebenso wie großformatige „Datumsbilder“ aus der Serie „Liaison Astéroïde“. Hier prallen, an mal geraden, mal kurvigen Schnitten, farblich kontrastierende Formen aufeinander, verkeilen sich hart oder schmiegen sich wendig aneinander. Der Abstraktion bleibt Knoebel unverändert treu, doch schwelgen die neueren Arbeiten seltener in rechten Winkeln als nun in bogigen Umrissen und schlängelnden Binnenschnitten. (Preise von 50 000 bis 190 000 Euro. Bis zum 26. August.)

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Von Ropac, also vom blumenstrotzenden Mirabellgarten, aus gesehen, am topographisch anderen Ende der Salzburger Galerienszene stellt bei Nikolaus Ruzicska in der Faistauerstrasse der Berliner Minimalist Gerold Miller Neues aus. Alles zeigt klare Kante: zweifarbige, bis zu drei mal vier Meter Wand beanspruchende Vierecke, die – auf die Spitze gedreht und unten abgeschnitten – zu Fünfecken mutieren. Oder kantig frei im Raum und wie Tänzer in der ersten Position stehende Skulpturen aus zwei kurzen und einem langen Quader. Auf Präzision setzt Miller auch beim absolut makellosen Auftrag hochglänzend spiegelnder Lacke seines auf Schwarz, Weiß, Rot und Blau begrenzten Farbspektrums, Autolackierer könnten sich daran ein Beispiel nehmen. (15 820 bis 138 500 Euro. Bis zum 31. August.)

Kugelfische und Unterwasserpflanzen

Auf dem Weg zurück ins Stadtzentrum führt ein kleiner Abstecher in die pittoreske Nonntaler Hauptstraße, deren barocker Bebauung Esther Stocker am Erhardplatz ein geometrisches Kontrastprogramm liefert. Die Dependance der Wiener Galerie Frey hat die 1974 geborene, in Wien lebende Künstlerin in ein ganz und gar schwarzweißes Gesamtkunstwerk verwandelt, betitelt „Out of Order“. Karos überziehen die Böden und setzen sich auf Möbeln fort, die auf Quadrat-Modulen basieren. An den Wänden täuschen Bilder mit graphischen Elementen das Auge in bester Op-Art-Manier und lassen es flimmern. Esther Stocker brachte Rasterdrucke auf großen Papieren durch Zerknüllen um ihr rigides Gleichmaß und formte sie zu rundlichen Plastiken. Ihre Demontage exakter Strukturen, das Spiel mit systematischer Zerstörung von Ordnungen und ihre das Raumgefühl aufmischenden Installationen wirken wie eine Frischzellenkur auf die Wahrnehmung. (Die Arbeiten kosten von 2600 bis 28 000 Euro. Bis zum 9. September.)

Nach so viel minimalistischer Ästhetik lässt einen der Sprung hinüber zum Madero Collectors Room wieder in die Welt des Organischen eintauchen: „Lichtwesen“ nennt Jürgen Reichert seine Lampenskulpturen. In der Tat ähneln sie borstigen Kugelfischen, schlingernden Unterwasserpflanzen und Geschöpfen von fremden Sternen. Erst kürzlich zeigte das Museum aan het Vrijthof in Maastricht, das sich Freier und Angewandter Kunst widmet, Reicherts phantasievolle Objekte in der Schau „Luma“.

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Salzburg ist bester Stimmung ob der überaus positiv angelaufenen Festspiele, die in diesem Jahr einen gefeierten musikalischen Höhepunkt nach dem anderen präsentieren. In das Hohelied auf die Musik stimmt Kanjo Takés Videoinstallation „Amadeus“ ein: Die Wiener Galeristin Heike Curtze hat den deutsch-japanischen Multimedia-Mann in die Künstlertruppe aufgenommen, mit der sie, wie alle Jahre in Räumen der Kollegienkirche, ihr Salzburger Sommergastspiel bestreitet. An der Fassade dieser 1707 vollendeten ArchitekturIkone Fischer von Erlachs gehen an mehreren Abenden, begleitet von Klängen aus „Figaros Hochzeit“ und dem „Requiem“, dichte, bewegte Bilder zu Mozarts rasendem Reise-Dasein über die Wand, die schließlich des Komponisten Ende, so Manfred Schneckenburger, mit einem „Rückblick auf Höhepunkte und wechselhaftes Glück seines Lebens“ verschmelzen (Termine auf www.heikecurtze.com). Große Stills aus Takés „Amadeus“ (von 20 400 Euro an) hängen in Heike Curtzes Ausstellung mit Malerei, Fotografie und Zeichnungen von rund zwanzig Künstlern, darunter „Galeriepfeiler“ wie Attersee, Brus oder Rainer. (Bis zum 26. August.)

Im Gartensaal der fürstbischöflichen Residenz

Die Galerie Mario Mauroner stellt ihr Sommerpotpourri unter das Motto „Transitions“, das Arbeiten wie Jan Fabres „Cross with Snake“ auf den ausgestopften Schlangenleib geschneidert ist: symbolisiert doch die Einheit von Kreuz – nach Fabres Art mit grünschillernden Käfern bedeckt – und herumgewundenem Reptil den Kreislauf von Verführung und Erlösung. Ein kleines Kellergelass tief unter der Residenz überließ Mauroner dem „Instrumentalgespinst“ des jungen Künstlertrios „Raumzeitpiraten“. Die lustigen, ein wenig an Tinguelys klapperige „Maschinen“ erinnernden opto-akustischen Apparate reagieren zum Start interaktiv auf den Betrachter, doch von da an herrscht der Computer, dessen Technik unbeeinflussbar und ohne sich zu wiederholen die Licht- und Tonkomponenten steuert (17 000 Euro; einzelne Apparate 6800 Euro. Bis zum 9. September.)

Vom selben Residenzhof aus, an dem Mauroners Galeriezugang liegt, gelangt man zur Messe „Art & Antique“, die oben in den Prunkräumen ihr Angebot an Kunst, Antiquitäten und Design feilbietet (bis zum 20. August). Konzentrierter geht es im Kunstsalon „Art Salzburg“ zu: Zum dritten Mal bespielt eine Gruppe von sechs Kunsthandlungen aus Österreich und Deutschland den ehemaligen Gartensaal der fürstbischöflichen Residenz mit einer fein kuratierten Zusammenschau von Kunst der Klassischen Moderne bis heute und bestückt den angrenzenden Hof mit einem beachtlichen Parcour zeitgenössischer Skulpturen (Bis zum 27. August). Der Initiator des Salons, Thomas Salis, zeigt außerdem in seinen nahe gelegenen Galerieräumen Meisterwerke von Bonnard bis Fontana und eine Sonderschau mit hinreißenden Aquarellen von Günther Uecker, Zeugnisse seiner Reisen in der ganzen Welt (Preise von 9800 Euro an. Bis zum 30. September.)

Mit Herbert Albrecht bringt die Galerie Welz einem genuinen Bildhauer eine Hommage zum neunzigsten Geburtstag. Steinskulpturen und Bronzen des österreichischen Künstlers aus fast sieben Jahrzehnten bestücken die Sockel, das früheste Exempel, ein strenger Männertorso aus Salzburger Marmor, entstand 1949 (42 000 Euro). Albrecht studierte unter anderem bei Fritz Wotruba, der ihn nachhaltig beeindruckte; auch der Fortlauf seiner Werkentwicklung belegt die Auseinandersetzung mit Größen des Metiers, zum Vorteil einer beachtlichen Breite an Stilnuancen. (Bis zum 2. September.)

Quelle: F.A.Z.
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