Kölner Ergebnisse I

Der schönste Kopf

Von Felicitas Rhan
 - 10:00

Zum teuersten Los unter den Alten Meistern bei Van Ham in Köln wurde das gut erhaltene, 1399/1400 entstandene Altarbild „Thronende Madonna mit Kind und den Heiligen Johannes der Täufer und Nikolaus von Bari“ von Lorenzo di Niccolò. Taxiert war das mit reicher Ornamentik ausgestattete Werk des Florentiner Meisters auf 80 000 bis 100 000 Euro, der Hammer fiel erst bei 185 000 Euro. Auch sonst war die Auktion mit Alter Kunst und 19. Jahrhundert ein Erfolg: Das Haus setzte mit 148 von 227 verkauften Losen 2,1 Millionen Euro um, erwartet waren 1,5 Millionen.

Bei 160 000 Euro, dem Vierfachen der unteren Taxe, reüssierte die aquarellierte Federzeichnung „Tiberlandschaft“ von Johann Wolfgang von Goethe, die der Dichter auf seiner Italien-Reise 1787 anfertigte. Sie gehört zu einem zehnteiligen Zyklus und ist die erste Arbeit aus der Reihe, die im Kunstmarkt auftaucht. Das kleine Blatt glänzt zudem mit prominenter Provenienz, gehörte es doch Alexander von Humbolt, der sich mit einem Vermerk auf der Rückseite der Zeichnung verewigte. Ebenfalls für beste Stimmung sorgten Raden Saleh Ben Jaggias dynamische Kampfszene eines „Arabers zu Pferd von einem Löwen angegriffen“ – das Ölgemälde wechselte für 120 000 Euro (Taxe 30 000/50 000) in eine indonesische Sammlung – und Franz Roubauds 110 mal 206 Zentimeter großes Kriegsbild „Schlacht bei Polozk“, das einem russischen Sammler den Einsatz von 135 000 Euro (80 000/100 000) wert war. Beim farbgewaltigen Familienporträt „Primavera Fiorentina“ von Plinio Nomellini überboten sich gleich mehrere italienische Telefonbieter: Der Zuschlag von 125 000 Euro (60 000/80 000) bedeutet einen internationalen Auktionsrekord für den Künstler. Die wunderschöne Holztafel mit der „Verkündigung an Maria“ von der Hand des Meisters des Hausbuchs blieb unverkauft (Taxe 100 000/120 000).

Alexej Jawlenskys „Abstrakter Kopf: Der Allerschönsten“ von 1933 wurde mit 185 000 Euro (50 000/70 000) zum Spitzenlos der Moderne-Offerte, gefolgt von Ferdinand Hodlers einfühlsamem, 1917 entstandenem Porträt seiner Nichte Albertine Bernhards, das die untere Taxe von 120 000 Euro (bis 180 000) erreichte. In der Nachkriegssparte überzeugte das 1991 entstandene Ölgemälde „GI“, eines der „Fuß-Action-Paintings“ des Japaners Kazuo Shiraga, für 170 000 Euro (70 000/100 000) einen deutschen Sammler. Und ein französischer Privatsammler holte Yves Kleins fünfzig Zentimeter hohe Gipsskulptur „La Victoire de Samothrace“ im eigens vom Künstler patentierten „International Klein Blue“ (IKB) für 100 000 Euro (Auflage 175; 80 000/120 000) nach Paris zurück. Die neun angebotenen Werke von Sigmar Polke verkauften sich fast alle – darunter eine farbenfrohe Mischtechnik auf Velin „Ohne Titel“ von 1981, die ihre Taxe mit dem Ergebnis von 115 000 Euro (70 000/90 000) deutlich überstieg . Andy Warhols zwei Freundschaftsbilder von „Eric C.Jacobson“, mit Diamantstaub versehene Siebdrucke von 1980, blieben unverkauft.

Zum Spitzenreiter unter den Zeitgenossen-Losen wurde Thomas Demands großformatige Fotografie vom detailgenauen Nachbau des Genfer Hotel-Badezimmers, in dem Uwe Barschel 1987 ums Leben kam: Der Zuschlag erging bei 85 000 Euro (Auflage 5; 60 000/80 000). Demands Arbeit folgt ein marktfrisches Gemälde von Karin Kneffel, „Tigerfell“ aus dem Jahr 2008 für 50000 Euro (40 000/60 000). Thomas Struths berühmte Fotografie „Art Institute of Chicago1“ (120 000/180 000) blieb unverkauft, während Adrian Ghenies mysteriöse Szene auf Karton „Aripile Destinului“ von 2002 unter Vorbehalt für 90 000 Euro (100 000/120 000) zugeschlagen wurde. Zusammen setzten die Auktionen mit Moderne, Nachkriegs- und Gegenwartskunst 5,6 Millionen Euro um, was den Erwartungen entspricht.

Quelle: F.A.Z.
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